Eine Eskalation mit gravierenden Folgen
Nach Schlägerei unter
Spielern werden im zweiten Viertelfinalspiel zwischen den Telekom
Baskets und Bamberg 13 Spieler disqualifiziert - Fünf Bonner
besiegen vier Bamberger mit 75:64 und gleichen in der Serie aus
Von Bernd Joisten und Franz-Werner Krausgrill
Bonn. Unglaubliche Szenen in der Bonner Hardtberghalle - der
Basketball-Bundesligist Telekom Baskets Bonn hat sich am Donnerstag
in einer hochdramatischen und denkwürdigen Play-off-Schlacht mit
einem 75:64-Erfolg gegen den amtierenden deutschen Meister GHP
Bamberg das 1:1 in der Serie "best of five" erkämpft.
Doch nicht das Sportliche stand an
diesem Abend im Vordergrund: Zwei Minuten und 13 Sekunden war im
zweiten Viertel gespielt, als das zweite Play-off-Viertelfinale in
eine Schlägerei ausartete. Bonns Andrew Wisniewski war zum Korb
gezogen, Mitspieler Michael Meeks hatte einen Block gestellt, in den
Steffen Hamann voll reingelaufen war und dabei noch "Wiz" einen
Schubs gegeben hatte.
Sekunden später waren Stefan Hamann und Michael Meeks aneinander
geraten und plötzlich flogen die Fäuste, Spieler hingen wie die
Ringkämpfer aneinander, die Trainer und Bankspieler stürmten auf das
Feld und wollten ihre Akteure vom Feld ziehen. Meeks war außer sich,
stürmte erneut auf Hamann zu, dieser wurde einige Sekunden später
von seinen Mitspielern vom Boden weggezogen, sprang dann auf und
blickte entsetzt auf seine blutende Hand.
Der ausverkaufte Hexenkessel Hardtberghalle schien zu explodieren -
ein gellendes Pfeifkonzert auf den Rängen, Gegenstände flogen auf
das Spielfeld. Was folgte, ist in der Geschichte der
Basketball-Bundesliga bisher einzigartig. Die Schiedsrichter ließen
sich viel Zeit. Wird Meeks eine Matchstrafe bekommen? Muss Bambergs
Steffen Hamann raus? Es kommt viel schlimmer.
Als der Hallensprecher nach einer etwa 20-minütigen Pause das Wort
ergreift, sind 3500 Zuschauer und die Spieler der beiden Teams
mucksmäuschenstill: "Im Spiel bleiben auf Seiten der Bamberger die
Nummer 4, 12, 31 und 33. Bei den Baskets bleiben die Nummern 5, 6,
7, 9 und 11 im Spiel. Die restlichen Spieler der Mannschaften sind
disqualifiziert."
Während bei den Bambergern Chris Ensminger, Robert Garrett, Tim
Begley und Nelson Spencer von Trainer Dirk Bauermann zurück aufs
Feld geschickt werden durften, fanden sich bei den Bonnern Aljaz
Janza, Ivan Tomeljak, Milos Paravinja, Artur Kolodziejski und John
Stark aus der Reserve auf dem Feld wieder. Bonns Trainer Mike Koch
hatte John Stark eigentlich nur als Ersatzmann für den am Fuß
operierten Jason Conley ins Team beordert.
Der Technische Direktor Alfred Drost klärte auf: "Zwei Spieler jeder
Mannschaft sind wegen Tätlichkeiten ausgeschlossen worden. Die
restlichen Spieler, die auf das Feld gelaufen sind, müssen laut den
Regeln ebenfalls disqualifiziert werden." Als alle disqualifizierten
Spieler in der Kabine waren, folgte das wohl ungewöhnlichste
Play-off-Spiel, dass jemals im deutschen Basketball auf dieser Ebene
ausgetragen wurde.
Bamberg, mit vier übrig gebliebenen erfahrenen Leistungsträgern und
einem 22:14-Vorsprung im Rücken, gegen ein fünfköpfiges unerfahrenes
Bonner Team, das aus einem Regionalligaspieler, drei Bankspielern
und Arthur Kolodziejski bestand. Und bis zur Pause setzten sich die
Gäste dann auch auf 45:30 ab. Koch musste wohl in der Halbzeit seine
Jungs binnen Minuten die richtige Taktik verraten haben. Denn im
dritten Viertel ließen die Bonner mit klugen Angriffsspiel den
Gegner rennen und warfen nun auch endlich sicherer aus der Distanz.
Drei Dreier von Kolodziejski, eine Dreier von Regionalliga-Spieler
John Stark, Punkte von Paravinja, und Bonn hatte in der 28. Minute
mit einer 18:3-Serie die Partie gedreht: 50:48 für die Baskets -
grenzenloser und ohrenbetäubender Jubel auf den Rängen. Doch wer
dachte, dass dies die ersehnte Wende zum 1:1-Ausgleich in den
Play-offs werden würde, der wurde zunächst enttäuscht. Bamberg ging
mit einer 52:50-Führung ins letzte Viertel und agierte dort zuerst
vor allem über Robert Garrett und Chris Ensminger, die den Vorsprung
der Gäste auf 59:52 ausbauten.
Noch fünf Minuten auf der Uhr. Angepeitscht von den Fans legten die
Bonner Spieler alles in die Waagschale. Leidenschaftlich und
kämpferisch stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage. Punkt
für Punkt kamen die Baskets heran und holten sich nach einem Tipp-in
von John Stark die Führung wieder zurück. Als dann noch Arthur
Kolodziejski kurze Zeit später mit seinem sechsten Dreier in der
Partie das 68:61 markierte und Aljaz Janza per Freiwurf auf 70:61
erhöhte, war das Spiel zu Gunsten der Bonner gelaufen.
Für große Aufregung sorgten aber noch einmal Frustfouls der
Bamberger, als Chris Ensminger neun Sekunden vor dem Ende nach
seinem fünften Foul mit provozierender Miene in Richtung Bonns Coach
Mike Koch ging und sich dann noch Milos Paravinja mit einem
"Brustcheck" in den Weg stellte. Paravinja wurde danach ebenso
disqualifiziert wie Bambergs Trainer Dirk Bauermann, der ein paar
"freundliche" Worte an das Schiedsrichtergespann gerichtet hatte.
Am kommenden Sonntag kommt es nun im Bamberger Forum zum dritten
Spiel. Welche Spieler dann überhaupt spielberechtigt sein werden,
wird sich wohl erst am Freitag oder am Samstag klären. Bamberg legte
nach dem Spiel Protest ein. Ausschnitte aus der Play-off-Schlacht
werden übrigens am Freitag im ARD-Mittagsmagazin im Fernsehen
gesendet.
Es meinten...
Mike Koch (Coach Bonn): Es war ein schwarzer Tag für den
Basketball, auch wenn wir heute hier gewonnen haben. Ich kann nicht
verstehen, dass die Spieler so ihre Zurückhaltung verlieren. Fünf
gegen vier zu spielen ist schwieriger, als es sich die Leute
vorstellen können. Es ist nicht davon auszugehen, dass am Sonntag im
Bamberger Forum alle Spieler einsatzfähig sind. Die bevorstehenden
Sperren werden sicherlich den Ausgang der Serien beeinflussen.
Dirk Bauermann (Coach Bamberg): Das war natürlich eine ganz
schwierige Situation für alle. Wir wissen, wie es begonnen hat, das
Ganze ist von einem Foul von Meeks ausgegangen, deshalb wäre es eine
Frechheit, jetzt wieder die Mär vom übertrieben harten Bamberger
Spiel zu erzählen.
So etwas will niemand sehen. Aber wir sind auch nur Menschen,
Natürlich wird es schwierig, die Emotionen wieder in die richtigen
Bahnen zu lenken. Mit Sicherheit wird dieses Erlebnis unsere Spieler
noch mehr zusammenschweißen und uns besondere Energie geben.
Außerdem werden unsere Fans uns am Sonntag unglaublich unterstützen.
Andrew Wisniewski: Es war zwar ein Play-off-Spiel, aber wir
dürfen nicht die nötige Ruhe in einer solchen Serie verlieren. Wir
haben jetzt erst einmal das vierte Spiel in Bonn erreicht und keiner
kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie es ausgehen wird.
John Stark: Oh Mann, ich bin überglücklich, dass ich
überhaupt spielen durfte. Wir haben zwar gewonnen, aber für den
Basketballsport in Deutschland war das sicher keine Werbung.
Artur Kolodziejski: Ich bin nicht mehr fähig, zu diesem Spiel
etwas zu sagen.
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