Die Spiele der Baskets - Saison 2005/2006

Telekom Baskets Bonn - GHP Bamberg
Basketball-Bundesliga - Play-Off-Viertelfinale Spiel 2,  04.05.2006 Ergebnis: 75:64

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Mike Koch: „Das war kein schöner Abend für den Basketball“

Telekom Baskets siegen nach Eklat in der 13. Spielmute im zweiten Viertelfinalspiel der Play-Offs gegen GHP Bamberg 75:64 und gleichen Serie aus – 27 Minuten spielen fünf Bonner gegen vier Bamberger – 14 Spieler disqualifiziert

tbb, 04.05.2006
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Rudelbildung in der Hardtberghalle - Insgesamt 14 Spieler mussten die Halle verlassen.
Foto: Wolter

Im zweiten Play-Off-Viertelfinalspiel gegen den GHP Bamberg konnten die Telekom Baskets ihren ersten Sieg einfahren. Durch den 75:64-Erfolg (14:17, 16:28, 20:7, 25:12) über den Deutschen Meister steht es jetzt in der Serie „Best-of-five“ 1:1. Damit ist klar, dass am Dienstag, 9. Mai 2006, um 19:30 Uhr ein weiteres Heimspiel auf dem Hardtberg stattfinden wird.

Dass die 3.500 Zuschauer in der ausverkauften Bonner Hardtberghalle dieses Spiel so schnell nicht wieder vergessen werden, liegt jedoch nicht am Ergebnis, sondern an den Ereignissen, die sich ab der 13. Spielminute zugetragen hatten.

Schon in den Minuten zuvor zeichnete sich eine ruppige Spielweise ab, deren erster Leidtragende Baskets-Forward Hrvoje Perincic war, der in der neunten Minute beim Rebound einen Schlag ins Gesicht erhielt und danach in der Bonner Kabine behandelt werden musste.

Dann die entscheidenden Szenen in der 13. Minute. Helmanis springt Meeks unterm Bonner Korb mit voller Wucht in den Rücken, Meeks stürzt, kein Pfiff. Nächster Bonner Angriff: Helmanis deckt Meeks, letzterer revanchiert sich, Hamann stürzt herbei und verpasst Meeks einen klassischen Kinnhaken, jetzt läuft Meeks Hamann hinterher, aber längst stehen auf dem Spielfeld mehr als 10 Spieler und 3 Schiedsrichter, sondern (fast) alle direkt (Spieler) oder indirekt (Betreuer) Beteiligten. "Rudelbildung" heißt das in der Expertensprache. Die Regel dazu ist eindeutig, aber offensichtlich nicht in den Köpfen der Beteiligten: Wer die Bank verlässt (und sei es zum Schlichten und Trennen der Hitzköpfe), auf das Spielfeld rennt, wird disqualifiziert. Nach 15-minütiger Spielunterbrechung und Schiedsrichterberatung steht fest: Das Match setzen nur noch vier Bamberger und fünf Bonner fort. Der Rest: disqualifiziert!

Jeder mag den Basketballabend anders werten. Für Feinschmecker des Sports gab es ab der 13. Minute nur kalte Fritten. Andere fühlten sich ob der gefühlten Adrenalinstöße prächtig unterhalten. Biertrinker hatten allen Grund enttäuscht zu sein: Schon nach der Halbzeit waren - Premiere in 10 Bonner Erstligajahren - alle Reservefässer leer.

Fünf Bonner Spieler waren übrig geblieben, die nun 27 Minuten lang gegen vier Bamberger antreten mussten. Nominal vielleicht eine klare Sache, doch das scheinbare Ungleichgewicht machten die Gäste durch Spielerqualität wieder wett. Denn während bei der Bamberger Resttruppe mit Chris Ensminger, Robert Garrett, Spencer Nelson und Tim Begley gleich drei Spieler der Startformation im Spiel blieben, mussten die Baskets, trotz einem Akteur mehr auf dem Parkett, auf den zweiten bzw. sogar den dritten Anzug zurück greifen.

Headcoach Mike Koch standen jetzt noch die Bankspieler Milos Paravinja, Aljaz Janza, Artur Kolodziejski und Ivan Tomeljak zur Verfügung. Dazu kam noch ein Spieler, den nun wirklich niemand auf der Rechnung hatte und der vor dem Spiel sicher nie im Traum daran gedacht hatte, bei einem Play-Off-Spiel auf dem Feld zu stehen. John Stark aus der zweiten Mannschaft der Telekom Baskets, die in der 2. Regionalliga spielt, stand auf dem Meldebogen, um nach dem Ausfall von Jason Conley (Haarriss im Fuß) die erforderliche Anzahl von Spielern nachzuweisen. Jetzt stand der junge Amerikaner plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens.
 

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Übrzeugte mit elf Punkten: John Stark aus dem Basketsteam der 2. Regionalliga.
Foto: Wolter

Dem „Bonner Rest“ merkte die Nervosität bei jedem Spielzug an. Kein Wunder, denn noch nie hatten sie in dieser Konstellation zusammengespielt, geschweige denn jemals Spielzüge gegen nur vier Gegenspieler eingeübt. So spielten die vier übrig gebliebenen Bamberger clever und stellten den Baskets eine kaum zu überwindende Zonenverteidigung entgegen.

Das Quartett aus Oberfranken nutzte die Verwirrung bei den Baskets konsequent aus und baute den ursprünglichen Acht-Punkte-Vorsprung bis eine Minute vor der Halbzeit auf 17 Punkte aus (26:43) und auch der Pausenstand von 30:45 sah wenig freundlich für die Bonner Rumpftruppe aus.

Doch Mike Koch musste in der Pause die richtigen Worte für seine Jungs gefunden haben, denn nach dem Seitenwechsel lief es weitaus besser für die Baskets. War das zweite Viertel noch mit 28:16 deutlich an Bamberg gegangen, dominierten im dritten Durchgang die Hausherren mit 20:7 eindeutig das Geschehen. Die Truppe hatte ihre Linie endlich gefunden und die Nervosität abgelegt. Immer wieder wurde Artur Kolodziejski gesucht, der mit insgesamt 24 Punkten entscheidend dazu beitrug, dass sein Team am Ende als Sieger vom Platz ging.

Erstmals wieder in Führung gingen die Baskets allerdings erst zwei Minuten vor Ende des Spiels. Entsprechend ohrenbetäubend war der Jubel, als John Stark seinen Korbleger zum 62:61 verwandelte. Von da an war der Bann gebrochen und das Bonner Restteam konnte sich schnell weiter absetzen.

Der Sieg war bereits in trockenen Tüchern, doch erneut kam Sekunden vor dem Ende Hektik ins Spiel. Milos Paravinja würde rüde von Bambergs Chris Ensminger gefoult, der dafür sein fünftes Foul kassierte. Der Bonner Center revanchierte sich mit einem Rempler und erhielt prompt als Quittung die Disqualifikation. Doch damit immer noch nicht genug: Zwei Technische Fouls hintereinander zwingen auch Bambergs Coach Dirk Bauermann, die Halle zu verlassen. Das Ende eines außergewöhnlichen Basketballspiels.

Durch den 75:64-Sieg der Baskets über GHP Bamberg steht fest, dass die Hardtberghalle mindestens noch ein Play-Off-Spiel sehen wird. Am kommenden Dienstag, 9. Mai 2006, treffen die beiden Kontrahenten zum vierten Spiel der Serie erneut in Bonn aufeinander. Der Vorverkauf für diese Begegnung startet am Montag, 8. Mai 2006, um 9:00 Uhr an den Baskets-Vorverkaufsstellen von Bonnticket.

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich sagte nach dem denkwürdigen Abend: "Wir haben heute gesehen, wohin es führt, wenn ein solches Spiel in den ersten Minuten zu lässig gepfiffen wird. Wer wen wo abseits des Balles provoziert hat, werden wir heute abend nicht klären können, aber offenbar reichen dafür auch die drei Augenpaare der Referees nicht aus." Das einzig versöhnliche Zeichen hätten an diesem Abend die Fans gesetzt: "Nach dem Match haben sie den Spielern ein Vorbild gegeben, hatten ihre Emotionen voll im Griff und den Ernst der Lage im Bewusstsein. Bamberger und Bonner Fans haben sich danach weitgehend sachlich über die Vorkommnisse unterhalten."

Baskets-Coach Michael Koch: „Es war sehr schwierig für uns 4 gegen 5 zu spielen. Die Zone war praktisch zu. Danach haben wir besser gepasst und die freien Würfe bekommen. Ein Lob für John Stark, er hat ein Riesenspiel gemacht. Zudem haben wir nie aufgegeben, aber es war kein schöner Abend für den Basketball.“

 

 

 

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Bonner General Anzeiger vom 5.05.2006

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Eine Eskalation mit gravierenden Folgen

Nach Schlägerei unter Spielern werden im zweiten Viertelfinalspiel zwischen den Telekom Baskets und Bamberg 13 Spieler disqualifiziert - Fünf Bonner besiegen vier Bamberger mit 75:64 und gleichen in der Serie aus

Von Bernd Joisten und Franz-Werner Krausgrill

Bonn. Unglaubliche Szenen in der Bonner Hardtberghalle - der Basketball-Bundesligist Telekom Baskets Bonn hat sich am Donnerstag in einer hochdramatischen und denkwürdigen Play-off-Schlacht mit einem 75:64-Erfolg gegen den amtierenden deutschen Meister GHP Bamberg das 1:1 in der Serie "best of five" erkämpft.

Doch nicht das Sportliche stand an diesem Abend im Vordergrund: Zwei Minuten und 13 Sekunden war im zweiten Viertel gespielt, als das zweite Play-off-Viertelfinale in eine Schlägerei ausartete. Bonns Andrew Wisniewski war zum Korb gezogen, Mitspieler Michael Meeks hatte einen Block gestellt, in den Steffen Hamann voll reingelaufen war und dabei noch "Wiz" einen Schubs gegeben hatte.

Sekunden später waren Stefan Hamann und Michael Meeks aneinander geraten und plötzlich flogen die Fäuste, Spieler hingen wie die Ringkämpfer aneinander, die Trainer und Bankspieler stürmten auf das Feld und wollten ihre Akteure vom Feld ziehen. Meeks war außer sich, stürmte erneut auf Hamann zu, dieser wurde einige Sekunden später von seinen Mitspielern vom Boden weggezogen, sprang dann auf und blickte entsetzt auf seine blutende Hand.

Der ausverkaufte Hexenkessel Hardtberghalle schien zu explodieren - ein gellendes Pfeifkonzert auf den Rängen, Gegenstände flogen auf das Spielfeld. Was folgte, ist in der Geschichte der Basketball-Bundesliga bisher einzigartig. Die Schiedsrichter ließen sich viel Zeit. Wird Meeks eine Matchstrafe bekommen? Muss Bambergs Steffen Hamann raus? Es kommt viel schlimmer.

Als der Hallensprecher nach einer etwa 20-minütigen Pause das Wort ergreift, sind 3500 Zuschauer und die Spieler der beiden Teams mucksmäuschenstill: "Im Spiel bleiben auf Seiten der Bamberger die Nummer 4, 12, 31 und 33. Bei den Baskets bleiben die Nummern 5, 6, 7, 9 und 11 im Spiel. Die restlichen Spieler der Mannschaften sind disqualifiziert."

Während bei den Bambergern Chris Ensminger, Robert Garrett, Tim Begley und Nelson Spencer von Trainer Dirk Bauermann zurück aufs Feld geschickt werden durften, fanden sich bei den Bonnern Aljaz Janza, Ivan Tomeljak, Milos Paravinja, Artur Kolodziejski und John Stark aus der Reserve auf dem Feld wieder. Bonns Trainer Mike Koch hatte John Stark eigentlich nur als Ersatzmann für den am Fuß operierten Jason Conley ins Team beordert.

Der Technische Direktor Alfred Drost klärte auf: "Zwei Spieler jeder Mannschaft sind wegen Tätlichkeiten ausgeschlossen worden. Die restlichen Spieler, die auf das Feld gelaufen sind, müssen laut den Regeln ebenfalls disqualifiziert werden." Als alle disqualifizierten Spieler in der Kabine waren, folgte das wohl ungewöhnlichste Play-off-Spiel, dass jemals im deutschen Basketball auf dieser Ebene ausgetragen wurde.

Bamberg, mit vier übrig gebliebenen erfahrenen Leistungsträgern und einem 22:14-Vorsprung im Rücken, gegen ein fünfköpfiges unerfahrenes Bonner Team, das aus einem Regionalligaspieler, drei Bankspielern und Arthur Kolodziejski bestand. Und bis zur Pause setzten sich die Gäste dann auch auf 45:30 ab. Koch musste wohl in der Halbzeit seine Jungs binnen Minuten die richtige Taktik verraten haben. Denn im dritten Viertel ließen die Bonner mit klugen Angriffsspiel den Gegner rennen und warfen nun auch endlich sicherer aus der Distanz.

Drei Dreier von Kolodziejski, eine Dreier von Regionalliga-Spieler John Stark, Punkte von Paravinja, und Bonn hatte in der 28. Minute mit einer 18:3-Serie die Partie gedreht: 50:48 für die Baskets - grenzenloser und ohrenbetäubender Jubel auf den Rängen. Doch wer dachte, dass dies die ersehnte Wende zum 1:1-Ausgleich in den Play-offs werden würde, der wurde zunächst enttäuscht. Bamberg ging mit einer 52:50-Führung ins letzte Viertel und agierte dort zuerst vor allem über Robert Garrett und Chris Ensminger, die den Vorsprung der Gäste auf 59:52 ausbauten.

Noch fünf Minuten auf der Uhr. Angepeitscht von den Fans legten die Bonner Spieler alles in die Waagschale. Leidenschaftlich und kämpferisch stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage. Punkt für Punkt kamen die Baskets heran und holten sich nach einem Tipp-in von John Stark die Führung wieder zurück. Als dann noch Arthur Kolodziejski kurze Zeit später mit seinem sechsten Dreier in der Partie das 68:61 markierte und Aljaz Janza per Freiwurf auf 70:61 erhöhte, war das Spiel zu Gunsten der Bonner gelaufen.

Für große Aufregung sorgten aber noch einmal Frustfouls der Bamberger, als Chris Ensminger neun Sekunden vor dem Ende nach seinem fünften Foul mit provozierender Miene in Richtung Bonns Coach Mike Koch ging und sich dann noch Milos Paravinja mit einem "Brustcheck" in den Weg stellte. Paravinja wurde danach ebenso disqualifiziert wie Bambergs Trainer Dirk Bauermann, der ein paar "freundliche" Worte an das Schiedsrichtergespann gerichtet hatte.

Am kommenden Sonntag kommt es nun im Bamberger Forum zum dritten Spiel. Welche Spieler dann überhaupt spielberechtigt sein werden, wird sich wohl erst am Freitag oder am Samstag klären. Bamberg legte nach dem Spiel Protest ein. Ausschnitte aus der Play-off-Schlacht werden übrigens am Freitag im ARD-Mittagsmagazin im Fernsehen gesendet.

Es meinten...

Mike Koch (Coach Bonn): Es war ein schwarzer Tag für den Basketball, auch wenn wir heute hier gewonnen haben. Ich kann nicht verstehen, dass die Spieler so ihre Zurückhaltung verlieren. Fünf gegen vier zu spielen ist schwieriger, als es sich die Leute vorstellen können. Es ist nicht davon auszugehen, dass am Sonntag im Bamberger Forum alle Spieler einsatzfähig sind. Die bevorstehenden Sperren werden sicherlich den Ausgang der Serien beeinflussen.

Dirk Bauermann (Coach Bamberg): Das war natürlich eine ganz schwierige Situation für alle. Wir wissen, wie es begonnen hat, das Ganze ist von einem Foul von Meeks ausgegangen, deshalb wäre es eine Frechheit, jetzt wieder die Mär vom übertrieben harten Bamberger Spiel zu erzählen.

So etwas will niemand sehen. Aber wir sind auch nur Menschen, Natürlich wird es schwierig, die Emotionen wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Mit Sicherheit wird dieses Erlebnis unsere Spieler noch mehr zusammenschweißen und uns besondere Energie geben. Außerdem werden unsere Fans uns am Sonntag unglaublich unterstützen.

Andrew Wisniewski: Es war zwar ein Play-off-Spiel, aber wir dürfen nicht die nötige Ruhe in einer solchen Serie verlieren. Wir haben jetzt erst einmal das vierte Spiel in Bonn erreicht und keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, wie es ausgehen wird.

John Stark: Oh Mann, ich bin überglücklich, dass ich überhaupt spielen durfte. Wir haben zwar gewonnen, aber für den Basketballsport in Deutschland war das sicher keine Werbung.

Artur Kolodziejski: Ich bin nicht mehr fähig, zu diesem Spiel etwas zu sagen.
 

 

 

© Michael Mager | Telekom Baskets Bonn