Aus der Süddeutschen Zeitung / Ausgabe 26. März 2007

Traumfabrik im Bau

Bonns Basketballer siegen in der Gegenwart und basteln an der Zukunft

Ulrich Hartmann

Bonn - Die Zukunft des Bonner Basketballs gilt als strahlend, dabei lag die Baustelle der neuen Arena am Samstagabend in völliger Dunkelheit, während die Telekom Baskets ein paar hundert Meter weiter in der erleuchteten Hardtberghalle gegen die Skyliners aus Frankfurt 83:78 gewannen und den immer sicherer werdenden Einzug in die Playoffs bejubelten. Die nahe Baustelle wirkte im Mondlicht wie ein abstraktes Gebilde. 6000 Zuschauer soll die Basketballarena fassen, ab Frühjahr 2008 soll hier die Bonner Rückkehr in die nationale Elite vorbereitet werden. Doch bislang ragen nur Betonpfeiler in die Höhe. In den kommenden Monaten entsteht für 16,8 Millionen Euro ein ambitioniertes und komplexes Projekt, das im deutschen Basketball ohne Beispiel ist. „BasketsFabrik" heißt das Ganze, eine Arena samt Ausbildungszentrum mit Dreifachhalle, Fitnessstudio und Restaurant. „Das wird kein Schloss", sagt Baskets-Boss Wolfgang Wiedlich, „da fließt Schweiß."

Jan Pommer findet das Projekt „phantastisch". Gerade in diesen Zeiten. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga war am Samstag beim Zweitligisten Göttingen zu Gast, um den Klub als Kandidaten für die erste Liga zu prüfen. Pommer hatte zuletzt Ärger mit dreien der Bundesligateams. In Gießen, Nürnberg und Karlsruhe ist das Geld knapp geworden. Die Gießener mussten ein Darlehen aufnehmen, die tabellarisch abgeschlagenen Karlsruher bereiten sich mit einem auf ein Minimum reduzierten Aufwand auf die zweite Liga vor und in Nürnberg wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. „Schade ist die Häufung dieser Fälle", sagt Pommer, „obwohl es für jeden individuelle Gründe gibt." Gemeinsam haben die Sorgenkinder freilich, dass es für Basketballklubs zuletzt nicht leichter geworden ist, bei Sponsoren Geld und Unterstützung zu erlösen. Da haben die Bonner Glück mit ihrem Sponsor und ihrem Mittelstandsprojekt namens „ProBaskets". Die Telekom trägt bislang nicht nur zuverlässig zum Etat bei, sondern spendiert auch einen Teil zur neuen Halle, indem sie für zehn Jahre das Namensrecht gekauft hat. Im Förderprojekt „ProBaskets" engagieren sich sympathisierende Mittelständler aus der Region, die auch beim Hallenbau helfen. „Qualifizierte mit Herzblut", nennt sie Wiedlich.

In Bonn wird der Basketball seit jeher von Emotionen getragen. In ihrem elften Bundesligajahr erreichen die Baskets eine 97-prozentige Auslastung der städtischen Hartberghalle und rangieren mit 3400 Zuschauern pro Heimspiel nur deshalb nur auf dem fünften Platz der Ligarangliste, weil einfach nicht mehr in die Halle hineinpassen. Das wird anders, wenn in einem Jahr der Umzug vollzogen wird, in den gewaltigen Bau, der von der Basketball-GmbH „BonBas" mit fünf Millionen Euro Kreditaufnahme, drei Millionen städtischem Zuschuss und über Jahre gesammelten 8,8 Millionen Sponsorengeldern und Spenden entsteht. Die Baskets sind Besitzer, Betreiber und Nutznießer der in ein neues Gewerbegebiet eingebetteten Sportanlage, wenngleich der Klubpräsident Wiedlich auch Gefahren wittert im „Hochrisikogeschäft Basketball", das von Unwägbarkeiten geprägt wird, wie die aktuellen Fälle zeigen. In Hagen, Weißenfels und Würzburg war zuletzt Erstliga-Basketball gescheitert, doch solche Sorgen wollen sie sich in Bonn nicht machen. „Wir wollen zurück auf die europäische Bühne", sagt Wiedlich und spricht von einem Bonner Standortvorteil. „Wenn in Bonn der Hauptsponsor aussteigen würde, würden sich 50 Fans vor der Konzernzentrale anketten", sagt BBL-Geschäftsführer Pommer grinsend und lobt die Bonner als ein Aushängeschild der Liga. Wenn Pommer als Lehrer durchginge, dann wäre die Bundesliga eine sehr gemischte Klasse aus Musterschülern und Sorgenkindern, „und es gibt Vereine, die größerer Aufmerksamkeit bedürfen als die Bonner", sagt Pommer freundlich.

Damit die Baskets (Playoff-Finalist 1997, 1999 und 2001) auch sportlich attraktiv bleiben, muss der Trainer Michael Koch für die kommende Saison eine Mannschaft zusammenstellen, die es in die Playoffs schafft und bei rechtzeitigem Umzug die K.o.-Spiele im Frühjahr 2008 idealerweise bereits in der neuen Arena absolvieren kann. Die Baskets kalkulieren für die neue Heimat eher vorsichtig mit 4300 Zuschauern pro Spiel. Koch, einst erfolgreicher Nationalspieler und als Profi auch in Griechenland tätig, hat seinen Trainervertrag in Bonn für die nächste Spielzeit bereits unterschrieben und ist sich der wachsenden Anforderung durch den Umzug in eine bessere Zukunft durchaus bewusst. „Es wäre schön, wenn wir in der neuen Halle genauso erfolgreich spielen könnten wie bisher", sagt er und fügt nach einer kleinen Pause hinzu: „Oder vielleicht sogar noch erfolgreicher."


 

Tbb 13.01.2007

Telekom Baskets legen mit Fans, Sponsoren und Politikern "Grundstein"

tbb13.01.2007
Seit Ende September 06 geht es rund auf dem Grundstück, wo einmal die neue Halle stehen soll. Nur: Noch steht nicht viel, man sieht noch weniger. Aber viel steht in der Erde. Die extreme Hängigkeit des Grundstücks machte 320 Bohrpfähle nötig. Ins Erdreich – 15 Meter tief – gerammt, mit Beton verfüllt.

Das verursacht Sonderkosten: rund 500.000 Euro. Das ist soviel, wie die Tickets in der alten Hardtberghalle in einer Saison einbringen. Diese Betonpfähle „schauen“ mit 30 Zentimetern aus der Erde heraus, werden mit Streifenfundamenten (Eisen und Beton) verbunden. Und darauf kommt die Bodenplatte.
Die wird es am 27. Januar 2007 noch nicht geben. An diesem Samstag wollen die Telekom Baskets ab 11 Uhr mit Fans, Sponsoren und Politikern den „Grundstein“ legen. Ganz zünftig, mit Erbsensuppe und Kölsch. Alle werden kommen, auch die Oberbürgermeisterin. Ob das Wetter mitspielt, ist die große Unbekannte. Aber bei Frost, auch möglich, schmeckt die Erbsensuppe umso besser.

 


 

General-Anzeiger vom 08.06.2005

Ogilvie: Baubeginn Anfang 2006 ist möglich

Bonner Basketshalle: "Alle Probleme wurden gelöst" - Wiedlich: Wirtschaftliches Harakiri passt nicht zu uns

Von Bernd Leyendecker

Bonn. Anfang kommenden Jahres könnte mit dem Bau des Baskets-Hallenprojekts auf dem ehemaligen BGS-Gelände westlich der Autobahnauffahrt Hardtberg begonnen werden. "Es sieht sehr gut aus; wir haben in allen Punkten einschließlich Verkehrserschließung und Parkplätze einvernehmlich Lösungen gefunden", lautet das Fazit vom städtischen Chef-Wirtschaftsförderer Martin Ogilvie nach dem jüngsten Gespräch mit dem Vorhabenträger Lidl.

Der Konzern will nach Angaben von Ogilvie "spätestens in der kommenden Woche" die restlichen Unterlagen einreichen, auf deren Grundlage die Stadtverwaltung den Bebauungsplan erstellen wird. In der Ratssitzung am 29. September soll der Rat dann die Offenlage des Plans beschließen, zu dem sich die Bürger dann in den folgenden sechs Wochen äußern können. Vor der Sitzung will Lidl Pläne sowie eine visualisierte Darstellung des Gesamtprojekts präsentieren.

"Wenn alles reibungslos verläuft, werden wir dem Rat den Bebauungsplan im Dezember zur Beschlussfassung vorlegen", sagte Ogilvie. Bis dahin könnten Lidl und Telekom Baskets den Bauantrag vorbereiten, so dass im Januar 2006 bereits mit den Erdarbeiten auf dem extremen Hanggrundstück begonnen werden kann.

Mit dem September-Termin ist auch der Vorsitzende des Projektbeirates, der CDU-Ratsherr Dieter Steffens, einverstanden: "Dann haben wir in der Bezirksvertretung Hardtberg und den Fachausschüssen genügend Zeit, um uns intensiv mit dem Thema zu befassen." Im übrigen sei er nach den jüngsten Gesprächen zwischen Verwaltung und Lidl "sehr optimistisch", dass das Projekt einschließlich Hallenprojekt nun auch realisiert werden könne: "Jetzt wird es auch Zeit", so Steffens.

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist federführend verantwortlich für das Gesamtprojekt. Es umfasst laut Ogilvie neben einem Lidl-Markt noch einen Vollsortimenter (beispielsweise Edeka) samt Getränkemarkt, ein Fast-Food-Restaurant sowie einen Drogeriemarkt. Und natürlich eine Haupthalle für über 5 000 Zuschauer plus Ausbildungszentrum des Vereins - ein Projekt, über dem nur "Baskets" steht: Der siebtgrößte Basketballverein Deutschlands und die ihm assoziierte BonBas GmbH bauen selbst, finanzieren selbst, betreiben selbst und sind der Hauptnutzer, "allerdings nicht Mieter", so Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, "denn es ist ja dann unsere eigene Halle".

Insofern handele es sich bei dem Projekt auch um eine Premiere in der Basketball-Bundesliga, wo alle Teams Mieter in städtischen oder multifunktionalen Hallen sind, dort aber meist nicht trainieren können. Der Bundesligist Telekom Baskets Bonn, der in der Hardtberghalle seit neun Jahren eine Auslastung von 97 Prozent erzielt, plant schon seit 1999 den Bau einer größeren Halle. Nach einer jahrelangen Debatte um Standorte - von Oberkassel (Zementfabrik) übers Regierungsviertel ("Bonn-Kegel") bis zu Sportpark Nord und Josefshöhe - verständigten sich Stadt und Verein im Sommer 2003 auf das Areal unterhalb des Konrad-Adenauer-Dammes.

Auch über den Hallentypus wurde heftig debattiert: Die Baskets strebten eine Monofunktionshalle in Eigenregie an, während die Stadt versuchte, den Sport mit Kongressen und Konzerten im Kongresszentrum (Multifunktion) zu vereinen. Nun steht das Projekt offenbar vor dem Durchbruch. Dass alles so lange gedauert hat, darin sieht Wiedlich keinen Nachteil: "Es gibt auch Projekte, die werden dadurch besser, in sich stimmiger."

Allerdings sei der Kreditbedarf noch zu hoch - "das müssen wir noch optimieren". Aber er sei optimistisch, dass in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Fans, Club und Kleinsponsoren in Abstimmung mit dem Hallenbau-Generalunternehmer "noch wesentliche Einsparungen möglich sind". Wolfgang Wiedlich: "Wirtschaftliches Harakiri passt nicht zu uns."

 


 

Die Mühe hat sich gelohnt

Kommentar

Von Bernd Leyendecker

Wenn der eher zurückhaltende Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich jetzt erstmals davon spricht, die Halle stehe "offenbar vor dem Durchbruch", kann das als positives Signal gewertet werden. Zumal auch Wirtschaftsförderer Martin Ogilvie und Projektbeirats-Vorsitzender Dieter Steffens die Chancen für das Projekt als sehr positiv einstufen.

Die Baskets sind ihrer Linie treu geblieben. Sie bauen ihre Halle in Eigenregie - einfach und auf ihre Sportart und ihre Fans zugeschnitten, kein technisch aufwändiges, multifunktionales Luftschloss. Damit drücken sie die Kosten.

Unterm Strich gibt es nur Gewinner: Die Baskets, die ab übernächster Saison in der neuen Arena spielen können, die für sie auch aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist, um sich dauerhaft in der Bundesliga behaupten zu können. Die Stadt, die sich dann wohl endgültig auch ehrlich "Sportstadt" nennen darf.

Die anderen Sportvereine, denen künftig pro Jahr rund 5 000 Hallenstunden zusätzlich zur Verfügung stehen, da die 40 Jugendteams der Baskets dann im "eigenen Haus" trainieren; bisher mussten sie auf andere Hallen ausweichen. Und die Anwohner rund um das BGS-Areal, die neue Einkaufsmöglichkeiten "vor Ort" haben. Gut so.

 


 

Aus der Basketball-News vom 18.02.2004:

Bonner betreten Neuland in Deutschland

Die Baskets befinden sich mit den Planungen zur eigenen Halle auf der Zielgraden - "Es wird kein Schloss"


Die Pressemitteilung der Stadt Bonn stimmte hoffnungsvoll: „Baskets-Halle wird gebaut“ – doch wer weiter las, kam sich vor wie in einem Boulevard-Blatt. Überschrift durch den Text nicht gedeckt. Der Rat der Stadt Bonn hatte einen Zuschuss von 1,6 Millionen Euro bewilligt und auch ein Grundstück. Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (SPD) ist optimistisch: Noch im September will sie den Spatenstich für das 13-Millionen-Euro-Projekt setzen. Es herrscht Wahlkampf in der ehemaligen Bundeshauptstadt.

Den Braten riechen offenbar auch die Fans. So ist im Diskussionsforum der Telekom Baskets Bonn nicht der ganz große Jubel ausgebrochen. Denn diese Substraktionsaufgabe beherrscht jeder: 13,2 – 1,6 = 11,6. „Woher kommt die restliche Kohle?“ fragen die Fans und wollen endlich ein Spendenkonto eingerichtet sehen. Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, eine Art Power Forward in der Hallenfrage, ist verhalten: „Mit dem Ratsbeschluss sind wir jetzt auf der Ziellinie, aber noch nicht durchs Ziel.“ Man habe mit dem städtischen Zuschuss und durch einige Werbeverträge rund acht Millionen Euro zusammen. Nun gelte es, den Kreditbedarf weiter zu verringern. Und wie? Schweigen. Die stets sparsamen Bonner wissen nur zu genau, was auf sie zukommt: Zum Kapitaldienst addieren sich noch die Betriebskosten und „alles zusammen darf den Teametat nicht anknabbern“ . Das sei eben der Preis für den ungewöhnlichen Ansatz.

Die Bonner Hallenidee – vereinseigen, monofunktional – wäre ein Novum in der Basketball Bundesliga (BBL). An die reine Basketball-Haupthalle (4.400 Sitzplätze, 1.400 Stehplätze) wäre zudem ein Ausbildungszentrum, die in den 13 Millionen Euro bereits enthalten ist, angegliedert. Also keine Multifunktion, kein Investor, kein externer Betreiber. „Die gesamte Wertschöpfungskette in unserer Hand“, sagt Pressesprecher Michael Mager. Schon machen einige Betriebswirtschaft-Studenten eine Diplomarbeit daraus.

Das man beim dreimaligen Vizemeister in diese Richtung denkt, verwundert nicht. Ständig entgehen den Baskets Einnahmespitzen. Ob im Derby gegen Köln, wenn Champion Berlin anreist oder die Play-off-Spiele anstehen – oft könnten weit mehr Tickets verkauft werden. Längst ist Bonn seit dem Aufstieg 1995/96 Basketballstadt, war die Hardtberghalle (3.500) schon im 1. Erstliga-Jahr zu klein und herrscht inzwischen mangels Hallenstunden ein Aufnahmestopp bei Jugendlichen und Kindern. Selbst wenn es sportlich Mal für die Europaliga reichen sollte: In Bonn würde die geeignete Halle fehlen.

OB Dieckmann hatte bereits 1999 vor 7.000 Jubelnden eine neue, größere Halle versprochen. Doch das Vorhaben lief erst gar nicht und dann nur schleppend an. Als vor einem Jahr dann auch noch der eingeplante Landeszuschuss von 3,2 Mio. Euro vom finanzklammen Düsseldorf gestrichen wurde, „sah es recht düster aus“, sagt Wiedlich. Der Präsident aber blieb am Ball, erhielt bald auch städtische Unterstützung und sieht jetzt wieder Land. Zusammen mit Architekt Jan van Dorp reiste er durch die Lande, inspizierte Hallen, studierte Kosten, fragte Leuten ein Loch in den Bauch. „Es wird kein Schloss werden“, sagt er, „sondern etwas rein Funktionales ohne bewegliche Tribünen.“ Van Dorp sagt dazu „rau, aber herzlich“. Dass auch die Fans Hand anlegen werden, um Kosten zu sparen, wäre im „Baskets-Ameisenstaat“ keine Überraschung. Nur den Rohbau dürften die Ameisen kaum stemmen können.

 


 

Bonner Rundschau vom 04.11.2003

Sander spricht von „grundsätzlichem Problem“

04.11.2003

BONN. Im Investorenauswahlverfahren zum Bau der Basketshalle wird die Stadtverwaltung ihre Gespräche mit zwei Investoren fortsetzen. In der Frage der umstrittenen Zentrenschädlichkeit ist zur Zeit aber kein Ausweg erkennbar. Das bedeutet, dass das vom Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets favorisierte Konzept mit der Ansiedlung eines Mediamarktes nicht umsetzbar ist. Dagegen signalisiert die Bezirksregierung in Köln Gesprächsbereitschaft in der Frage, ob Teile des Projektes aus Erlösen der Entwicklungsmaßnahme finanziert werden können. Die Verwaltung kündigt an, die Verhandlungen mit den Baskets zu intensivieren, teilte der Co-Dezernent für Wirtschaftsförderung, Guido Kahlen, nach der jüngsten Projektbeiratssitzung mit. 24 Unternehmen haben die Ausschreibungsunterlagen angefordert. Drei Angebote gingen ein. Zwei waren so ausgereift, dass eine Fortsetzung der Gespräche aus Sicht der Wirtschaftsförderung sinnvoll ist. Die beiden Angebote reichen aber nicht aus, das Hallenprojekt finanziell zu sichern.

Die Position der Bezirksregierung bleibt in der Frage nach dem Mediamarkt-Konzept unverändert. Für die Warensegmente eines Mediamarktes dürfe dem Zentrum keine Entwicklungschance genommen werden. Darum sei das Projekt im Hardtberg nicht genehmigungsfähig. Auch Einwände, es gäbe ausreichend Baumärkte und neue würden die wirtschaftliche Bestandsfähigkeit der vorhandenen Märkte schwächen, änderten nichts an der Interpretation der Aufsichtsbehörde, die durch Rechtsvorschriften des Landes gebunden ist.

Stadtkämmerer Dr. Ludger Sander sprach sich gegen die Einschätzung der Bezirksregierung und für eine Gesamtbetrachtung der zu lösenden Aufgabe aus. „Es ist ein grundsätzliches Problem, dass Verwaltungungen dazu neigen, einzelne Verfahren nur separat zu beurteilen.“ Baumärkte sollen auf dem Hardtberg möglich sein, obwohl es davon bereits genug gäbe und der Markt mehr als gesättigt sei. Ein Mediamarkt werde dagegen an dieser Stelle nicht genehmigt, obwohl er in Bonn bisher fehle. Auf diese Weise würden prosperierende Vorhaben gebremst und wirtschaftlich positive Entwicklungen gefährdet. (EB / Sam)

 


 

General-Anzeiger vom 04.11.2003

Bonner Basketshalle steht auf der Kippe

Bezirksregierung beharrt auf Nein zu Elektromarkt - Finanzierung wieder offen

Von Bernd Leyendecker

Bonn. Der "Projektbeirat Basketshalle" ist am Dienstag nicht wesentlich vorangekommen. Denn die Hoffnung, die Bezirksregierung würde beim Thema "Zentrenschädlichkeit" flexibel reagieren, wurde nicht erfüllt. Allerdings signalisierten Vertreter des Regierungspräsidenten Gesprächsbereitschaft in der Frage, ob Teile des Projekts aus Erlösen der Entwicklungsmaßnahme Hardtberg finanziert werden können.

Die Telekom Baskets hatten bereits vor mehreren Monaten der Stadt ein Investorenkonzept mit einem Media-Markt präsentiert, wonach es keines städtischen Zuschusses für die Halle in Hardtberg bedurft hätte. In diesem Fall hätte die Stadt dem Verein "nur" das Grundstück kostenlos zur Verfügung stellen müssen - was von allen Ratsfraktionen befürwortet wird.

Doch die Bezirksregierung lehnt den Media-Markt ab, weil er den Einzelhandel in der City schädige. "Dieser Erlass ist mehr als schwachsinnig und geißelt das 'Projekt Basketshalle'", sagte Helmut Joisten (CDU) dem GA. Nun soll die Verwaltung mit den "zentrenunschädlichen" Firmen Hornbach und Bauhaus weiterverhandeln, die Angebote abgegeben hatten und die neben Bau- und Gartencentern auch die Halle mitfinanzieren wollen.

Doch ihre Angebote liegen um bis zu sechs Millionen Euro unter dem Media-Markt-Konzept. Einwände, es gäbe ausreichend Baumärkte und neue würden die wirtschaftliche Bestandsfähigkeit der vorhandenen Märkte schwächen, beeindruckten die RP-Vertreter nicht.

Auch Stadtkämmerer Ludger Sander kritisierte deren Haltung: "Auf diese Weise werden prosperierende Vorhaben gebremst." Wortkarg gab sich Baskets-Präsident und Beiratsmitglied Wolfgang Wiedlich nach der Sitzung: "Dass es ohne Media-Markt eine Finanzierungslücke gibt, ist keine Neuigkeit."

 


 

General-Anzeiger vom 04.11.2003

Schwere Entscheidung

Kommentar

Von Bernd Leyendecker

Stadtkämmerer Ludger Sander brachte es auf den Punkt: Die destruktive Haltung der Bezirksregierung zum Thema "Zentrenschädlichkeit" gefährdet wirtschaftlich positive Entwicklungen.

Wem, bitteschön, ist denn verständlich zu machen, dass ein weiterer Baumarkt auf dem Hardtberg genehmigt werden kann, nicht aber ein Elektromarkt? Regierungspräsident Jürgen Roters hatte jüngst dem GA gegenüber versichert, diese Frage sei ein "Gesamtabwägungsprozess, bei dem Spielräume ausgelotet werden müssen".

Von ausloten ist jetzt nicht mehr die Rede. Es hat den Anschein, als ob hier Paragraphenreiterei betrieben wird. Indes: Mit der künftigen Nutzung des Areals, auf dem die Halle gebaut werden soll, steht und fällt das Projekt, das der Rat samt OB Bärbel Dieckmann dem Verein versprochen hat.

Wenn der RP weiterhin auf seinem Standpunkt beharrt und keine weiteren nennenswerten Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden (wovon leider wohl auszugehen ist), muss der Stadtrat jetzt Farbe bekennen: Sind wir bereit, den Baskets auch einen Baukostenzuschuss zu geben?

Angesichts der prekären Haushaltssituation sicherlich keine leichte Entscheidung. Fällt sie negativ aus, steht die Basketshalle wahrscheinlich auf unabsehbare Zeit nur auf dem Papier.

 


 

General-Anzeiger vom 02.07.2003

Hauptsponsor Telekom verliert allmählich die Geduld

Baskets-Halle: Bonner Politiker angetan vom Investorenmodell

Von Rolf Kleinfeld

Bonn. Bekommen die Telekom Baskets am Freitag Klarheit über ihr Hallenprojekt oder geht die Hängepartie weiter (der GA berichtete)? Im Vorfeld des Gesprächs der vier Bonner Fraktionschefs mit Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann am Freitag scheint klar: Sowohl CDU, FDP und Grüne wollen das Investorenmodell unterstützen, erklärten sie auf Anfrage des General-Anzeigers. Die SPD hat sich im Vorfeld des OB-Gesprächs noch nicht geäußert.

Derweil verliert der Baskets-Hauptsponsor allmählich die Geduld. "Die Hallenfrage hätte man schneller erledigen können", sagt Telekoms Sponsoring-Chef Stephan Althoff und erinnert an das Versprechen der OB vom Mai 1999, dass die Halle kommt. "Nichts ist passiert", so Althoff. "Wir verstehen nicht, warum das Investorenmodell jetzt nicht zum Tragen kommen sollte.". Wenn die Halle nicht gebaut wird und der Verein dadurch nicht mehr konkurrenzfähig ist, werde man nicht ganz aussteigen, aber die Größenordnung des Sponsorings überdenken. "Denn wir haben kein Interesse, dass die Baskets um Platz neun bis zwölf spielen."

Das Modell der Baskets sieht vor, dass ein Investor das BGS-Grundstück auf dem Hardtberg kauft und dort nicht nur einen Geschäftskomplex für sich baut, sondern auch den Großteil der Baukosten für die Baskets-Halle übernimmt.

Die CDU befürwortet das, weil durch dieses Modell "eine Belastung des städtischen Haushaltes unterbleiben könnte", erklärten Fraktionschef Benedikt Hauser und Sportexperte Helmut Joisten.

Beide stellten aber erneut klar: Ein Finanzierungsmodell, das einen städtischen Zuschuss benötigt, lehnt die CDU ab, um andere Bonner Vereine nicht zu benachteiligen. Offen ist für die Union "allein die Frage der Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel" sowie die Bewertung des Grundstücks. Hier bestehe noch Abstimmungsbedarf. Man hoffe, dass am Freitag die Probleme ausgeräumt werden.

Prinzipiell für das Investorenmodell sind auch die Grünen. Für sie ist es aber eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit, ob man für die Baskets auch "Extrawürste" zulasse und zentrenschädliche Ansiedlungen von Geschäften genehmige, die man sonst ablehne. Sprecher Peter Finger schlägt deshalb eine Prüfung vor, welche Nutzungen auf dem BGS-Gelände zentrenverträglich sein könnten.

Am wenigsten Probleme damit scheint die FDP zu haben. "Die Liberalen sehen bei einem großen Ankermieter keine Zentrenschädlichkeit", erklärte Fraktionschef Werner Hümmrich. "Wenn eine derartige Zentrenschädlichkeit befürchtet werden sollte, würde die FDP dies im vorliegenden Fall als Kröte in Kauf nehmen."

Noch nicht geklärt ist die Bewertung des Grundstücks. Im Klartext: Wie weit kann man dem Investor beim Grundstückspreis entgegen kommen, damit er von dem eingesparten Betrag die Halle für die Baskets bauen kann?

Von der Stadt gibt es bisher auch keine Aussage darüber, ob diese Quersubventionierung einer juristischen Prüfung stand hält.

 


 

Artikel vom 29.06.2003

"Es ist eine Frage des Wollens"

Investor für Elf-Millionen-Baskets-Halle auf dem Bonner Hardtberg gefunden - Präsident Wiedlich: Ein Konzept mit Vorteilen für Klub und Stadt

Bonn. Der Bau einer neuen Basketball-Halle, mit der die Bonner Baskets in Deutschland und Europa wettbewerbsfähig bleiben wollen, ist seit Jahren eine Hängepartie. Nun präsentiert der Bundesligist einen Investor, mit dessen Hilfe Halle und Trainingszentrum für Jugendliche und Kinder auf dem BGS-Gelände Wirklichkeit werden könnten. Im Rathaus hält man sich weiter bedeckt, immer noch müssen Hausaufgaben erledigt werden, heißt es ( der GA berichtete). Aber die Zeit drängt. Mit Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich sprach Sigurd Panne.

GA: Erst Sportpark Nord, dann Josefshöhe, zwischendurch Bonn-Kegel, jetzt BGS-Gelände mit neuen Problemen. Alle Parteien haben Ihnen ein kostenloses Grundstück versprochen. Glauben Sie noch daran?

Wolfgang Wiedlich: Ja. Aber die Stadt Bonn kann ein Grundstück nicht verschenken. Sie kann es uns zum Beispiel mit zehntausenden Trainingsstunden inklusive Warmduschen für die nächsten zehn Jahre verrechnen, die wir dann mit 40 Teams in 16 Hallen für andere Vereine freimachen. Grundstücke sind unterschiedlich viel wert, einige gehören der Stadt, einige nicht, und das BGS-Gelände ist Teil der Entwicklungsmaßnahme Hardtberg, gehört also zum Teil dem Land.

GA: Ist der Stadt das Grundstück vielleicht zu wertvoll?

Wiedlich: Seit zwölf Jahren ist damit nichts geschehen, der Standort war eigentlich im Projektbeirat für den Hallenneubau Konsens. Im Übrigen ist die Standort-Diskussion der letzten drei Jahre eine Schein-Diskussion gewesen. Mit der Festlegung auf einem Standort ist nicht beantwortet: Wer zahlt die Halle? Um diesen heißen Brei tanzten die Politiker aller Parteien und keiner wollte sich verbrennen. Bis heute haben wir von der Stadt keine verbindliche Auskunft, ob sie einen Baukostenzuschuss gibt oder nicht. Es gibt viel Informelles, aber nichts Verlässliches, womit man planen könnte.

GA: Wo soll das Geld herkommen?

Wiedlich: Gute Frage. Das Land gibt keinen Zuschuss, eingeplant und zunächst zugesagt waren 3,2 Millionen Euro. Und wenn in Bonn öffentliche Sportanlagen verfallen und in Schulen nur die nötigsten Reparaturen ausgeführt werden können, was soll man da realistisch von der Stadt erwarten? Wir wollen keinen städtischen Zuschuss auf Kosten des Bonner Sports, dazu kennen wir die Probleme, die alle Vereine haben, nur zu genau, schließlich haben wir selbst mehr als 400 Kinder und Jugendliche. Aber vielleicht muss man ein Team, das in Deutschland und quer durch Europa als Botschafter Bonns wirbt, ganz anders betrachten, zum Beispiel durch die Brille des Wirtschaftsförderers oder in Richtung Investitionshaushalt.

GA: Können Sie das Projekt wirtschaftlich nicht mit Sponsoren und dem Engagement der Fans stemmen?

Wiedlich: Die werden etwas beitragen, aber wir reden hier über ein Elf-Millionen-Euro-Projekt. Alle Beteiligten müssen sich erst einmal eingestehen, dass die Zeiten für solch ein Projekt recht düster sind. Dennoch haben wir nicht aufgegeben und nach anderen Wegen gesucht.

GA: Zum Beispiel?

Wiedlich: Das Namensrecht der Halle ist nun ein unverzichtbarer Finanzierungspfeiler. An einer Halle, die man nicht sieht, an der kein öffentlicher Verkehr vorbeifließt, ist das Namensrecht nichts wert. So landeten wir zwangsläufig an der Ecke Autobahn/Konrad-Adenauer-Damm, wo täglich zehntausende Autos vorbeifahren. Das ist ein Standortvorteil des BGS-Geländes, und wir haben bereits ernsthafte Interessenten für das Naming right.

GA: Die Vermarktung des Namens dürfte kaum ausreichen, eine 5 800 Zuschauer fassende Halle zu finanzieren?

Wiedlich: Aber so wäre schon Mal der weggefallene NRW-Zuschuss kompensiert.

GA: Und die anderen Millionen?

Wiedlich: Wir haben einen Investor gefunden, der einen Großteil der Baukosten übernimmt, wenn ihm auf dem BGS-Gelände bestimmte Nutzungen gestattet werden. Unser Kreditbedarf wäre dann überschaubar, was wesentlich ist, denn wir müssen durch Mehreinnahmen in der Halle auch noch jährlich rund 400 000 Euro Betriebskosten stemmen. Es bringt nichts, eine neue Halle zu bejubeln und dann nur noch einen Teametat zu haben, mit dem man gegen den Abstieg spielt. Alles muss in Relation zueinander stehen.

GA: Welches Nutzungskonzept hat der Investor?

Wiedlich: Unterhaltungselektronik und ein Supermarkt mit weitgehend Lebensmitteln, dazu wahrscheinlich noch ein Baumarkt. Aber das sind erste Entwürfe, es gibt Spielräume.

GA: Der Stadt ist angeblich erst jetzt aufgefallen, dass es damit Probleme auf dem BGS-Gelände gibt. Sagt Ihnen das Wort "zentrumsschädlich" etwas?

Wiedlich: Ich kenne inzwischen sogar die so genannte Kölner Liste, die definiert, dass ein SB-Warenhaus dann zentrumsunschädlich ist, wenn das Sortiment zu 80 Prozent aus Lebensmitteln besteht. Der Projektbeirat mit Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann hat uns losgeschickt und gesagt: "Nehmt Gespräche zu Investoren und Projektentwicklern für das BGS-Gelände auf. Wichtig ist, dass ihr Euch einigt." Nun haben wir eine Lösung, die zwei entscheidende Vorteile hat: Der Klub muss sich nicht abenteuerlich verschulden, und die Stadt müsste ausschließlich das Grundstück für die Sportnutzung zur Verfügung stellen. Sagt die Stadt ja zum Investor/Baskets-Konzept, könnten bald die Bagger rollen.

GA: Was ist, wenn Rat und Verwaltung großflächigen Einzelhandel auf dem Hardtberg nicht zulassen. Würde das Projekt scheitern?

Wiedlich: Möglich ist das. Unsere Kernkompetenz liegt darin, einen Fan-nahen Basketballklub durch alle Minenfelder zwischen Sponsoring und Stars zu führen, was schwierig genug ist, und nicht darin, von Standort zu Standort zu laufen und ihn für ein Projekt zu prüfen. Von uns befragte neutrale Experten zur Entwicklungsmaßnahme Hardtberg haben uns versichert: Euer Konzept lässt sich rechtlich einwandfrei umsetzen, wenn es politisch gewollt ist. Allerdings ließe sich über eine potenzielle Zentrumsschädlichkeit auch eine Argumentationskette aufbauen, um das Projekt zu verhindern. Mit anderen Worten: Die Bonner Politik muss endlich Farbe bekennen. Ein Haar in der Suppe lässt sich in jedem Konzept finden, aber es sollte allen bewusst sein, dass es in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit keine Lösung ohne irgendeine Kröte gibt, die geschluckt werden muss. Wer etwas anderes glaubt, muss praktikable Alternativen aufzeigen oder offen sagen, dass er keine Chancen für irgendeine städtische Unterstützung der Baskets sieht. Auch das wäre ein Fortschritt zu mehr Klarheit.

GA: Schauen Sie neidisch auf andere Städte mit neuen Hallen?

Wiedlich: Basketball hat in Bonn, nicht zuletzt durch die vielen Studenten, eine fast 30-jährige Tradition. Aufgeblüht ist das Ganze durch das Sponsoring der Telekom. Das Sportamt hat uns nach Kräften unterstützt, aber unterm Strich musste die Stadt nicht viel dafür tun, dass Bonn eine kleine Basketball-Hauptstadt in Deutschland geworden ist und inzwischen auch auf der Basketball-Landkarte Europas einen Namen hat. Wenn Bremerhaven, eine Stadt mit 120 000 Einwohnern, bereit ist, ihr sportliches Aushängeschild jährlich mit 350 000 Euro zu fördern, von den vielen Fußballstadien mit städtischer Unterstützung will ich erst gar nicht reden, dann hat die Stadt jetzt die Chance, die Weichen für dauerhaften Spitzenbasketball in Bonn zu stellen. Warum sollen wir hier nicht eines Tages ein Bundesleistungszentrum haben?

GA: Die Idee, die Halle auf das BGS-Gelände zu stellen, stammt von CDU-Hardtberg-Bezirksvorsteher Gerhard Lorth. Tut sich die Oberbürgermeisterin (SPD) deshalb so schwer?

Wiedlich: Ich weiß nicht, ob sie sich schwer tut. Ich bin überzeugt, dass Bärbel Dieckmann die Baskets-Halle will. Wir, die Baskets, und da spreche ich für viele Fans und Sponsoren, denken, dass die Baskets-Halle das denkbar schlechteste Thema für einen Parteienstreit ist. Die Baskets lieben ihr Bonn. Wir sind regelrechte Bonn-Patrioten. Aber ich wünsche mir schon mehr Begleiter in Verwaltung und Politik, die uns sagen, wie es geht, und nicht, warum etwas nicht geht. Es ist eine Frage des Wollens, auch in schlechten Zeiten mit Mut und Phantasie ein sinnvolles Projekt umzusetzen. Ich kenne keinen Klub in der Liga, der in der Hallenfrage so viel Risiko auf sich nimmt wie die Baskets und die Betriebskosten allein stemmen will. Wir wollen nur Hilfe zur Selbsthilfe.

GA: Im Hallenranking der Liga auf einem Abstiegsplatz zu stehen, dürfte einem Global Player auf Dauer sauer aufstoßen. Könnte die Deutsche Telekom ihr Hauptsponsoring beenden?

Wiedlich: Die Geduld der Telekom müssen Sie an der B 9 erfragen. Klar ist, dass es ohne die Deutsche Telekom den Basketball-Boom in Bonn nicht gäbe, auch nicht über 25 Stunden Fernsehen aus der Hardtberghalle. Ich glaube, dieses Sponsoring-Projekt ist nachhaltiger und erfolgreicher, als es der größte Optimist vor zehn Jahren ahnen konnte.

GA: Einige Politiker sagen, wenn die Baskets absteigen oder die Telekom als Sponsor aussteigt, wurde die Halle umsonst gebaut. Können Sie solche Einwände verstehen?

Wiedlich: Kann ich. Aber ich sage auch: Das ist ein Totschlag-Argument. Wer so denkt, bewegt nichts. Es ist das alte Lied vom halb vollen oder halb leeren Glas. Die Baskets, ihre Sponsoren und ihre Fans liefern seit einem Jahrzehnt Kontinuität auf hohem Niveau ab, Spitzenleistungen nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch im Internet und im Sonderzug-Tourismus und in vielem mehr. Und das teilweise unter großen Entbehrungen einzelner Personen im Umfeld. Oder: Seit wann gibt es eine VIP-Lounge im Bonner Sport? Seit es sie gibt, wollen alle möglichen Veranstalter die Hardtberghalle mieten.

Oder: Vor 25 Jahren wurde im Bonner Sport häufig geklagt, dass es hier nur viele Ämter und Bundesministerien gebe, also kein gutes Pflaster für Spitzensport-Sponsoring. Nun engagiert sich seit zehn Jahren die Telekom und aus einer Fan-Schar ist eine kleine Volksbewegung quer durch alle sozialen Schichten geworden, für die zuerst das Pennenfeld und jetzt die Hardtberghalle zu klein geworden ist. "Sportstadt Bonn" ist ein hübscher Slogan. Jetzt steht er auf dem Prüfstand. Und die Zeit drängt.

 

 


General-Anzeiger vom 21.02.2003

 

Vorbildliche Beispiele

Ein Kommentar

Von Bernd Leyendecker

Dass alle deutschen Städte unter akuter Finanznot leiden, ist hinlänglich bekannt. Da heißt es: Prioritäten setzen. In vielen Städte stand in jüngster Zeit der Bau von Hallen, die vornehmlich für ihre Basketball-Bundesligavereine gedacht sind, ganz oben auf der Liste.

Und die Argumente sind, wie die GA-Umfrage ergab, immer dieselben - und sie sind zutreffend: Der Basketball ist das sportliche Aushängeschild der Stadt, die Halle soll über den Basketball als überregionaler Werbeträger dienen, und viele Kinder und Jugendliche haben sich aufgrund der sportlichen Erfolge der Clubs und der guten Trainings- und Spielmöglichkeiten in der neuen Halle dem Basketballsport verschrieben, gehen somit einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nach.

Diese Aspekte treffen auch auf die Telekom Baskets zu. Erkannt haben das der Stadtrat samt Oberbürgermeisterin in Bonn auch. Nur: sie haben das Thema immer wieder vor sich hergeschoben. Nun scheinen die Kommunalpolitiker Nägel mit Köpfen machen zu wollen. Sie sollten sich ein Beispiel nehmen an ihren Kollegen in Trier, Bamberg oder Tübingen. Dass die Baskets bei Planung und Finanzierung der Halle beispielhaft vorangehen, wie nicht zuletzt die Erkenntnisse anderer Städte zeigen, sollte für den Rat Motivation genug sein, sich für das Projekt nachhaltig zu engagieren.

 

 

General-Anzeiger vom 15.02.2003


Bis Juni soll eine Entscheidung über die Basketshalle fallen

Projektbeirat tagte zum ersten Mal - Bonner OB: Stadt beteiligt sich mit einem Grundstück an der Finanzierung

Von Bernd Leyendecker

Bonn. Kommunalpolitiker, Stadtverwaltung und die Baskets drücken in Sachen "Basketshalle" jetzt aufs Gas. OB Bärbel Dieckmann sagte nach Angaben von Stadtsprecher Friedel Frechen am Freitag in der erstmals tagenden nichtöffentlichen Sitzung des Projektbeirates, dieses Gremium wolle die Entscheidungsfindung beschleunigen und "in etwa drei bis vier Monaten ein entscheidungsfähiges Ergebnis" vorweisen.


Mit dem Präsidenten des Tabellen-Ersten der Basketball-Bundesliga, Wolfgang Wiedlich, sei vereinbart worden, dass der Verein auf den beiden als Standorte denkbaren Grundstücken - Sportplätze an der Josefshöhe im Auerberg und ehemaliges BGS-Gelände auf dem Brüser Berg - "Überlegungen für die Umsetzung der Clubpläne und die Finanzierung des Projekts" anstellen solle. Es sei geplant, darüber in einer weiteren Beiratssitzung noch vor den Osterferien zu entscheiden.

Die OB, die sich ausdrücklich für den Bau einer größeren Basketshalle aussprach, sagte zu, dass der Verein bei diesen Planungen durch Experten aus der Bau- und Liegenschaftsverwaltung unterstützt werden könne. Zugleich wiederholte sie ihre Zusage, die Stadt Bonn werde sich mit einem städtischen Grundstück an der Projektfinanzierung beteiligen.

Die Vertreter der Ratsfraktionen, die neben Fachleuten der Verwaltung und der Telekom Baskets dem Beirat angehören, verzichten am Freitag auf die Beratung der Standortuntersuchung der Verwaltung über die beiden Grundstücke. Frechen: "Politische Entscheidungen sollen getroffen werden, wenn die Baskets erklärt haben, an welchem Standort sie ihre Pläne am besten realisieren können." Nach GA-Informationen soll der Vorschlag der SPD, auch den Sportpark Nord in die Bewertung aufzunehmen, nicht weiter verfolgt werden.

Die Baskets, deren Spielstätte - Hardtberghalle - viel zu klein ist, wünschen sich eine reine Basketballhalle mit einer Kapazität von 5 000 Zuschauern. Um wirtschaftlich und sportlich konkurrenzfähig zu bleiben, führe an einem Neubau kein Weg vorbei. So ist die Hardtberghalle für die Europaliga, die der Club fest im Visier hat, nicht zugelassen. Bereits im nächsten Sommer könnte die Stadt Bonn vor einem Offenbarungseid stehen: Würden die Telekom Baskets tatsächlich Meister, dürften sie nicht Europaliga spielen.

In einem Bericht der Verwaltung wird darauf verwiesen, dass auch die Bonner Sportvereine von dem Neubauprojekt profitieren würden, weil die Baskets "den Trainings- und Spielbetrieb auch ihrer übrigen Mannschaften in die neue Halle verlagern und somit Hallenkapazitäten in anderen Sporthallen frei würden".

 


 

 

General-Anzeiger vom 21.01.2003

Bonn, die Baskets und der Kampf um die Halle


Dieses Szenario kann schon im Sommer eintreten: Die Vorzeige-Basketballer werden Deutscher Meister - und dürfen nicht in der Europaliga spielen - In den nächsten Monaten wollen Politiker und Verein die Chancen für eine neue Spielstätte ausloten

Von Bernd Leyendecker

Bonn. "Kämpfen Baskets, kämpfen!" Wie aus einem Mund brüllen sich mehr als 3 000 Fans in der engen Hardtberghalle die Seele aus dem Hals, feuern Branko, Terrence & Co. an, wenn's eng wird im Spiel, wenn der erhoffte Sieg in Gefahr gerät. Meistens hilft es.


Die Schulturnhalle Hardtberg wird zu jedem Baskets-Spiel in eine Arena umgewandelt. Für die Europaliga dürfte Bonn hier keine Zulassung erhalten. Foto: Ittermann/Archiv

Kämpfen ist auch außerhalb des Courts angesagt. Denn die "Bürgerbewegung" Baskets mit den besten Fans der Liga und einer Hundertschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter engagiert sich seit mehr als drei Jahren für eine neue, größere Halle. "Ein äußerst komplexes Thema - gleich einem Labyrinth", sagt Club-Präsident Wolfgang Wiedlich.

Dennoch lässt er sich nicht entmutigen. In zwei Jahren könne die Halle stehen - "wenn alle mitziehen". Zunächst müsse aber die Standortfrage - und damit die Finanzierung - geklärt werden. Der Stadtrat mit OB Bärbel Dieckmann an der Spitze will, so hat es derzeit den Anschein, mit den Baskets jetzt an einem Strang ziehen.

Weil in anderen Städten längst größere Hallen gebaut wurden, gehört die Schulsporthalle auf dem Hardtberg mit ihren 3 500 Plätzen (Auslastung pro Heimspiel: 97,2 Prozent) inzwischen zu den kleinsten in der Bundesliga; 1997 und '98 waren die Baskets "Vize-Meister" in puncto Zuschauerzahl pro Saison.

Um wirtschaftlich und sportlich konkurrenzfähig zu bleiben, führe an einem Neubau kein Weg vorbei, versichern die Baskets, denen die Zeit davon läuft. So ist die Hardtberghalle für die Europaliga, die der Club fest im Visier hat, nicht zugelassen. Bereits im nächsten Sommer könnte die Stadt Bonn vor einem Offenbarungseid stehen: Würden die Telekom Baskets tatsächlich Meister, dürften sie nicht Europaliga spielen.

"Wir müssen der Bonner Basketball-Begeisterung eine eigene Heimstätte geben"

Rückblick. Am 20. April 1999 bekräftigte Bärbel Dieckmann ihre Absicht, sich für den Bau einer vielseitig nutzbaren Halle für Sport-, Kultur- und Kongressveranstaltungen mit einer Kapazität von etwa 6 000 Zuschauern "innerhalb der nächsten fünf Jahre" (also 2004) einzusetzen: Die Idee einer "Bonn-Arena" war geboren.

Doch die OB räumte ein: "Ich habe noch niemanden getroffen, der mir gesagt hätte, wie so eine Halle kostendeckend oder gar mit Gewinn arbeitet." Was mit "so einer Halle" gemeint war, blieb unklar, denn es gibt zahlreiche Modelle, wie derartige Projekte genutzt und finanziert werden können.

Gleichwohl brachte die OB das Problem auf den Punkt. Denn die Stadt ist nicht bereit, ein derart unkalkulierbares finanzielles Risiko einzugehen. Das muss sie bereits bei einem anderen Projekt - dem Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB). Trotz Unterstützung von Bund und Land bleibt die Stadt langfristig auf den Betriebskosten für dieses Mega-Unternehmen hängen.

Pläne, im Rahmen des IKBB-Neubaus auch eine Multifunktionshalle zu errichten, sind zwar noch nicht gänzlich vom Tisch, stoßen aber bei Politikern aus Kostengründen inzwischen auf äußerste Skepsis.

In der Diskussion über eine neue Halle muss zwischen zwei Typen unterschieden werden:

 

  • Multifunktionshalle: Sie würde - da Stadt und/oder Baskets als Bauherr quasi ausscheiden - voraussichtlich von einem privaten Investor gebaut, betrieben und an den jeweiligen Nutzer vermietet.

    Dieses Modell käme die Baskets teuer zu stehen: Die Hallenmiete, die aufgrund der hohen Bau- und Betreiberkosten erfahrungsgemäß happig ist (gestern Messe, heute Udo Jürgens, morgen Basketball), würde die Mehreinnahmen auffressen.

    Vor allem würde eine solche Halle kein Problem der expandierenden Baskets-Aktivitäten im Bereich Kinder- und Jugendmannschaften lösen. Der Club hätte keine Gastronomie-Rechte, müsste zudem den Fanartikel-Shop mieten und jede Trainingsstunde zahlen. Kurzfristige Spielverlegungen aus TV-Gründen wären kaum möglich.

    Zudem sind die Erfahrungen von Mietern derartiger Hallen zwiespältig. "Hallen, die sich für alles eignen, eignen sich letztlich für nichts richtig; man muss immer Kompromisse schließen", sagen Experten.

     
  • Monostrukturelle Sporthalle: Sie wäre weitgehend nur für eine Sportart geeignet und ist hinsichtlich der Bau- und Betreiberkosten die günstigste Variante. Wiedlich: "Eine derartige reine Basketshalle kostet bei streng funktionaler Bauweise rund acht Millionen Euro." Zum Vergleich: Die Kosten für eine Multifunktionshalle liegen zwischen 15 und 25 Millionen Euro.

Die Baskets strebten daher von Anfang an eine Monostrukturhalle an, die sie in Eigenregie bauen und betreiben möchten. Vordergründig erscheint Wiedlich die Standortfrage: "Es geht vor allem um eine seriöse Hallenfinanzierung." Faustregel: Je größer ein Grundstück, desto eher lässt sich ein Baukomplex denken, in dem die Halle einer von vielen Baukörpern ist und so teilweise quersubventioniert werden kann.

Dieses Modell ließe sich nach derzeitigem Stand bei zwei Grundstücken verwirklichen, die sich nach Ansicht von Bärbel Dieckmann "grundsätzlich für ein Hallenprojekt eignen": Das ehemalige BGS-Gelände auf dem Hardtberg (66 000 Quadratmeter) und die städtischen Sportplätze "An der Josefshöhe" (24 000 Quadratmeter).

Nachdem Landesbau- und Sportminister Michael Vesper den Plan des Hardtberger Bezirksvorstehers Gerhard Lorth abgelehnt hat, den Baskets das BGS-Gelände aus Überschüssen der "Entwicklungsmaßnahme Hardtberg" zur Verfügung zu stellen, verfolgt Lorth jetzt ein anderes Modell.

Das Grundstück zwischen Autobahn A 565 und Konrad-Adenauer-Damm soll von der Stadt ausgeschrieben und der Investor verpflichtet werden, nach den Plänen der Baskets dort auch eine Halle zu bauen, die er langfristig zu günstigen Konditionen an den Club vermietet - oder verkauft.

Auf dem verbleibenden, größeren Grundstücksteil könnte der Investor Büros oder Geschäfte - auch für Großhandelsketten - bauen. Dieses Modell, ist Lorth sicher, sei für die Baskets am günstigsten, weil der Investor Synergieeffekte für verschiedene Nutzungen der Neubauten verwirklichen könnte.

Der CDU-Politiker: "Drei Bewerber stehen bereits zur Verfügung und ich bin sicher, dass innerhalb von zwei Monaten zehn Interessenten auf der Matte ständen." Er sieht einen weiteren Vorteil: Mit der angrenzenden ehemaligen BGS-Sporthalle und der jetzigen Hardtberghalle ständen den Baskets oder für große Sport-Turniere auf engem Raum drei Hallen zur Verfügung.

CDU und SPD haben einen weiteren Standort wieder in Erinnerung gerufen, den die Baskets ursprünglich favorisiert haben und für den sie mit dem Bonner Architekten Jan van Dorp bereits konkrete Pläne erarbeitet haben - den Sportpark Nord an der Kölnstraße.

In Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Sportverein SSF sollte ein Teil der maroden Sportanlagen neben dem Fußball-Stadion abgerissen, die verbliebenen Bauten saniert und durch eine Halle ergänzt werden. Dieser Plan scheiterte, weil die SSF zwar mieten, aber nicht investieren wollten.

Dass der Verein eine neue Halle benötigt, untermauert Wiedlich mit Beispielen:

 

  • "Wir brauchen eine 5 000er Halle, um europäisch eine Perspektive zu haben, denn diese Größe ist dort ein Zulassungskriterium.
  • Wir müssen unsere auf 16 Hallen verstreuten 40 Kinder- und Jugendteams endlich bündeln.
  • Wir müssen bei Heimspielen flexibel auf TV-Wünsche reagieren können.
  • Wir müssen unserem Bundesliga-Team optimale Trainingsmöglichkeiten bieten.
  • Wir müssen als einer der sieben größten Basketballvereine Deutschlands im Jugendbereich Höchstleistungsförderung betreiben können, was im engen Rahmen städtischer Hallenstunden unmöglich ist.
  • Wir müssen der Bonner Basketball-Begeisterung eine eigene Heimstätte geben."

Er hofft, das "jetzt endlich Bewegung in die Sache kommt und die Stadt die bundes- und inzwischen europaweite Popularität der Baskets auch als Chance für sich selbst begreift". Und er erinnert daran, dass in Städten wie Trier, Bamberg oder Braunschweig Hallenprojekte zügig umgesetzt wurden - mit immenser Unterstützung der jeweiligen Kommunen.

Die Chance will die Stadt jetzt wohl ergreifen. Bärbel Dieckmann strebt einen "breiten politischen Konsens" über das weitere Verfahren an. Ihr Ziel ist es, gemeinsam mit dem Club in den nächsten Monaten die Realisierungschancen für das Hallenprojekt auszuloten. Baubeginn 2004? Vielleicht. Jedenfalls hätte die OB dann mit ihrer Prognose vom April '99 richtig gelegen. Also: "Kämpfen Baskets, kämpfen!"

Lesen Sie dazu auch das Interview mit OB Bärbel Dieckmann

 


 

 

Aus der WESTFALENPOST vom 21.12.2002

Hagen: Land NRW soll für Halle bürgen

Bürgschaftsantrag ist fertiggestellt

Hagen. (hof) Auf dem Weg zum Bau einer neuen Mehrzweckhalle in Hagen ist ein weiteres Etappenziel erreicht. "Zwischen Weihnachten und Neujahr werden Manager Martin Schimke und ich nach Düsseldorf fahren und den Bürgschaftsantrag an zuständiger Stelle einreichen", konnte Ludwig Heimann, Präsident des Basketball-Bundesligisten Brandt Hagen, gestern nach einer Vorstandssitzung berichten, bei der es abschließend um die Wirtschaftslichkeitsberechnung ging. "Unser Wirtschaftsprüfer Dr. Rainer Deussen hat grünes Licht gegeben."


Der Brandt-Vorstand geht davon aus, dass der Bürgschaftsausschuss des Landes NRW die Stimmigkeit der Unterlagen (Heimann: "Es ist ein ganz schön dicker Ordner geworden") nachvollzieht und in spätestens drei Monaten einen positiven Bescheid erteilt. Bereits Anfang Januar will man in konkrete Gespräche mit den potenziellen Kreditgebern (Sparkasse, Märkische Bank) eintreten.

Parallel zu diesen Aktivitäten soll es, wie angekündigt, Sonderaktionen geben, um die im Saisonbudget veranschlagte, aber noch nicht gedeckte Summe in Höhe von 300 000 Euro hereinzubekommen. "Wir werden mit Hochdruck daran arbeiten, damit wir möglichst schnell positive Wasserstandsmeldungen abgeben können", so Heimann.

Unabhängig davon wertet der Brandt-Chef die Fertigstellung des Bürgschaftsantrages als "ganz entscheidenden Schritt, der zeigt, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Für alle, die daran mitgearbeitet haben, ist es ein kleines Weihnachtsgeschenk."

 


 

 

Das BASKETBALL-MAGAZIN, Dezember-Ausgabe (2002), berichtet über die neuen Hallen

Große Hallen, lange Gesichter

Von Martin Fünkele
Die Kölnarena gilt als die modernste Arena Europas. Nun wollen neue Tempel der kurzweiligen Unterhaltung – gestern Pop-Konzert, heute Basketball, morgen „Wetten dass?“ – in Hamburg und Berlin das Ranking neu aufmischen. Ob die Mega-Bauten jemals schwarze Zahlen schreiben? Aus Sicht der s. Oliver Basketball Bundesliga interessiert das weniger. Die deutsche Vorzeigeliga des Korbballs glaubt an die Gleichung: Moderne Hallen = mehr TV-Präsenz. Eine Bestandsaufnahme.

Ein Merksatz von Multifunktionsarena-Experten geht so: „Keine Halle rechnet sich.“ Einige wollen das nicht glauben. Geldgeber für neue Multifunktionswunder sind bereits in Hamburg und Berlin wieder aktiv. So lässt sich absehen, dass der offenbar mehrfach verwendete PR-Slogan „Modernste Multifunktionsarena Europas“ bald die Kundschaft verwirren wird. Ja, wo liegt denn nun Europas Hightech-Tempel Nr. 1: in Köln, in Hamburg oder bald in Berlin-Ost? Jedenfalls bejubelten 12.345 Hamburger schon mal das 5:4 der „heimischen“ Freezers in der neuen Color-Line-Arena (Eigenprädikat: „Europas modernste Multifunktionshalle“) gegen die Kölner Haie. Eine unglaubliche Zuschauerzahl, lag der bisherige Hamburger Eishockeyrekord doch bei 2.800, weshalb die Annahme der „Süddeutschen Zeitung“, dass hier viele „Hallentouristen“ dabei waren, das Phänomen durchaus erklärt.

Auch an der Alster setzt man auf das Hometeam-Konzept: Aus den Münchner Barons wurden die Hamburg Freezers und auf dem Wege der „Handball-Eingemeindung“ aus Bad Schwartau der HSV. Eigentlich liegt die Keimzelle der hanseatischen „Freezers“ aber im urbayerischen Landshut . . . eine andere Geschichte, eine die wenig mit Fans und Vereinen zu tun hat, aber viel mit der Ausgliederung von Profiteams in übers Land ziehende Profitcenter. Das neue Flaggschiff der deutschen „Multifunkti“-Szene, die Color-Line-Arena, hat 80 Mio. Euro gekostet, gehört der finnischen Jokerit-Gruppe um Harry Harkimo und wird von einer Betriebsgesellschaft gemanagt, an der zu 70 Prozent die Anschutz Entertainment Group (AEG) und zu 30 Prozent Jokerit beteiligt sind. Das Verhältnis 70:30 gilt auch für die „Freezers“, denn Club- und Betreiberführung sind eins. Philip F. Anschutz, einer der zehn reichsten Männer der Welt, will nun für 150 Mio. Euro in Berlin-Ost ein neues Ausrufungszeichen setzen. In dem 16.000er-Palast werden die Berliner Eisbären, die ihm freilich schon gehören, den Puck jagen. Auf dem AEG-Wunschzettel soll auch Basketball-Meister ALBA Berlin stehen, der sich in der Max-Schmeling-Halle eingerichtet hat, die dann, wenn in Friedrichshain die Lichter angehen, wohl nur noch zweite Liga wäre.

So wirken Teams als Spielbälle von Hallenbetreibern und sind irgendwann deren Eigentum. Ganz nach amerikanischem Vorbild. Denn Teams sind unverzichtbar, liefern sie doch einen Großteil des Hallenprogramms. Aber das „Kopierenwollen“ des US-Modells treibt in Deutschland allenfalls im Eishockey zarte Blaupausen. In der s. Oliver Basketball Bundesliga hat man gerade einmal den 3.000er-Hallenstandard ausgerufen. Beteiligungen eines Geldgebers an mehreren Teams sind unerwünscht, um ein Endspiel-Szenario wie „Eisbären vs. Freezers“, also Anschutz gegen Anschutz, von vorneherein auszuschließen.

Die BBL-Clubs wagen indes erste Schritte in die große weite Multiarenen-Welt. Schauplatz Kölnarena: Mini-Pizza für vier Euro, Bierchen dazu drei Euro, Eintrittskarte, die teuerste, 40 Euro, die billigste sechs Euro, letztere dort, wo Basketball so klein wirkt wie „Minigolf“. Welcher Familienvater kann sich das leisten? Michael Mronz, Geschäftsführer von RheinEnergie Cologne (REC), kann für Bier- und Pizzapreise nichts, weil das Club-fremdes Terrain ist. Er sagt: „Umfragen haben ergeben, dass Menschen, danach befragt, ob etwas zu teuer sei, immer antworten: Alles viel zu teuer.“ Ein Einmalmieter muss für das zeitgemäße Event in der Kölnarena, wozu dann auch der Einfamilienhaus-große Multimediawürfel gehört, rund 70.000 Euro berappen. Das ist kein Geheimnis. Ein Geheimnis ist, was Mehrfachmieter, wie etwa REC, zahlen. Mronz: „Es gibt einen Vertrag, der im gegenseitigen Einvernehmen geschlossen wurde und der an keine Dritte kommuniziert werden soll.“ Das klingt nach Rabatt. Und für die Ticketpreise kann Mronz wahrscheinlich auch nichts: „Gewinn machen wir erst ab dem 7.000 Zuschauer.“

REC-Nachbar Telekom Baskets Bonn war auch schon Mal in der Kölnarena. Teuerster Ticketpreis im April 2000: umgerechnet 24 Euro. Gegen ALBA Berlin gab es damals einen neuen Indoor-Basketball-Europarekord (18.500). Die Baskets zogen im Rahmenprogramm eine unvergessliche und wohl auch unvergesslich teure Show ab. Und sie sorgten mit dem „Woah“-Event vermutlich auch für den letzten Tick, damit kam, was die Liga brauchte: den Kirch-TV-Vertrag. Dabei wollten die Bonner weder den Kirch-Mächtigen imponieren noch Profit machen, sondern nur ihre Stadtväter beeindrucken: „Seht her, eine 5.000er-Halle ist für Bonn kein Risiko, die füllen wir locker.“ Doch in der Beethoven-Stadt regten sich nur Lippenbekenntnisse. Der „Express“ ahnte am 7. April 2000: „Bonns Basketballer küssen Köln wach.“ Beides ging nicht in Erfüllung. REC wartet bis heute auf die Masse der „Wachgeküssten“ und Bonn auf eine große Halle.

„Der Kölnarena-Ausflug war eine wirtschaftliche Lehre“, sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. Während die lokalen Gazetten die „Bonn-Kegel“-Vision – Hotel, UN-Kongresszentrum, 8.000er-Sporthalle – des Schalke-Arena-Erbauers Rüdiger Schmitz hochschrieben, hatten Wiedlich & Co. längst andere Pläne. Erkenntnis: Wenn der Fan Cola oder Bier trinke oder ein Fan-Käppie kaufe, müsse das dem Erstliga-Etat zugute kommen.

Fernab des Rheins sputeten sich andere BBL-Standorte. In Braunschweig entstand die Volkswagenhalle (7.000 Zuschauer), in Bamberg das Forum (4.500). Klassisches Muster: Investor, Betreiber, Mieter. Braunschweigs Manager Thomas Stille: „Am gastronomischen Umsatz verdienen wir keinen Cent.“ Zuletzt türmten sich 300.000 Euro Mietschulden. Die würden jetzt „abgestottert“. In die Gewinnzone penetrieren die Korbjäger erst ab 4.500 Zahlenden. Der triumphale Umzug von der „Alten Waage“ (1.550) in die Volkswagenhalle brachte zunächst einmal Proteste wegen höherer Eintrittspreise, dann ein langes Gesicht beim Kassierer: „Im Schnitt 1.000 bis 2.000 Euro weniger pro Spiel im Vergleich zur alten Halle“, sagt Stille – trotz verdoppelter bis verdreifachter Zuschauerzahlen.
In Oberfranken protestierten auch erst einmal die Fans. Binnen zwei Jahren stiegen die Eintrittspreise um 30 Prozent. Die Stadt Bamberg, ein Teil des Investorkonsortiums, sponsere den Club indirekt über eine „günstige Miete“, sagt Wolfgang Heyder, Geschäftsführer des TSK uniVersa Bamberg. Doch das Multifunktionskonzept rechnet sich nur auf dem Papier. Zwei Betreiber sind binnen zwei Jahren schon in Insolvenz gegangen. Ursache: „Utopische Business-Konzepte“, sagt Heyder.

Schauplatz Max-Schmeling-Halle. Vize-Präsident Marco Baldi berichtet, dass sein Club die Werbefreiheit der Halle mit 90.000 Euro pro Jahr vom Betreiber Velomax „erkaufen“ müsse, pro Heimspiel fielen zudem rund 15.000 Euro an, weil man Serviceleistungen vom Betreiber anmieten müsse. Unterm Strich zahle der Club, so Baldi, keine Miete, aber der Senat partizipiere an den Zuschauereinnahmen. Man darf unterstellen: Die „Albatrosse“ profitieren von der Tatsache, dass der Senat nichts mehr scheute als die Aussicht auf eine neue, nicht genutzte Halle, entstanden im Rahmen der fehlgeschlagenen Berliner Olympia-Bewerbung. Ansonsten gilt auch in Berlin: Der Fan löscht seinen Durst nicht Clubetat-steigernd.

Zwischenfazit: In Betreiber-geführten Hallen kann ein Club sich zwar zeitgemäßer präsentieren, aber Gewinne werfen nur noch Spitzenspiele ab. „Wir gehen davon aus, dass verbesserte Hallenstandards zusätzliche Sponsoren und das Interesse der TV-Gesellschaften nach sich ziehen werden“, sagt Otto Reintjes, Commissioner der s. Oliver BBL. Dass die Forderung nach Kapazitäten von mindestens 3.000 Zuschauern „nicht der Freifahrschein in eine gesicherte, glückliche Zukunft bedeutet, ist mir schon klar“. Hierzu gebe es an 14 BBL-Standorten 14 verschiedene Probleme. Um auf einem riesigen Entertainment-Markt überhaupt eine Chance zu haben, „muss man guten Sport und eine Atmosphäre in den Arenen bieten, die sowohl originär als auch professionell ist“. Die Zeit der Turnhallen sei vorbei.
Dass in Multifunktionsarenen Heimspiele nur bei regem Publikumszuspruch ein Plus machen, ist kein Einzelfall. In der Liga spricht man von „Anfangsinvestitionen“. Dr. Gunnar Wöbke, Manager der Opel Skyliners Frankfurt, sagt zur Miete für die Ballsporthalle nur: „Die ist beachtlich.“ Wöbke geht in seiner Langfristkalkulation jedoch davon aus, dass „in Zukunft über Zuschauereinnahmen Geld verdient wird“. Der Trend des „permanenten Draufzahlens“ werde kippen.

„Geld verdienen“ mit Heimspielen, das tun immer noch jene BBL-Clubs, die in städtischen Turnhallen unterwegs sind, etwa in Gießen, Hagen, Trier, Oldenburg oder Würzburg. Aber auch dort sind die Grundsteinlegungen für neue Multifunktionshallen bereits erfolgt bzw. geplant, allerdings alle nur im „1:4-Maßstab“ der Color-Line-Arena. Alles einige Nummern kleiner und alles im Rahmen einer Investor-Betreiberlösung. Nur in Bonn brüten die Baskets weiter über einer eigenen Halle, die ein Novum in der s.Oliver BBL wäre. Nur wie finanzieren? Zumindest soll bald wenigstens ein Grundstück von der Stadt – kostenlos – zum Club wandern. Aus wirtschaftlichen und Hallen-atmosphärischen Gründen heißt das Zauberwort in Bonn „Monostruktur“, also nur Basketball. Keine großen Umbauten, keine großen Kosten. Das Ganze begleitet von der Erkenntnis, die im Fußball längst verbreitet ist: Eine Sportstätte, die sich für alles eignen soll, eignet sich für nichts richtig. Es geht um Atmosphäre. Deshalb wird ja auch kein Fußballstadion mehr mit Leichtathletik-Laufbahn gebaut, das den Fan vom Geschehen trennt. Der Zuschauer soll den Schweiß des Sportlers nicht nur ahnen, sondern sehen.

 


 

Aus der TAZ (Berlin) : Hallenluxus-Probleme in Berlin (3.12.2002)

Abflugbereite Albatrosse

Basketballverein Alba Berlin erwägt Umzug in neue Anschutz-Halle am Ostbahnhof. Rechnungshof fordert höhere Gebühren für bisherige Spielstätte. Politiker wollen Alba in Schmeling-Halle halten

von STEFAN ALBERTI
und SUSANNE LANG


Berlins Sportpolitik rutscht in einen Spagat: Wie den Basketballbundesligisten Alba in der landeseigenen Max-Schmeling-Halle halten, wenn der Rechnungshof bereits zu günstige Gebühren für den Profiverein kritisiert? Und Alba gleichzeitig einen Ortswechsel erwägt: in die geplante 17.000-Plätze-Arena der weltweit agierenden Anschutz-Gruppe - ein Prestigeobjekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit. 2006 soll sie am Ostbahnhof stehen.

"Wir führen Gespräche mit Alba", bestätigt Detlef Kornett, Managing Director der Anschutz Entertainment Group (AEG) Europe auf Anfrage. Konkrete Ergebnisse lägen zwar noch nicht vor, so Alba-Manager Carsten Kerner. Es sei aber selbstverständlich, über einen Umzug nachzudenken, wenn die neue Halle gebaut werde: "Unter Umständen wird sie zum neuen Aushängeschild der Stadt." Heute befasst sich der Sportausschuss des Abgeordnetenhauses mit den Auswirkungen der Privatkonkurrenz.

Die erst 1997 eröffnete Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg mit fast 7.600 Sitzplätzen war im Zusammenhang mit der gescheiterten Berliner Olympia-Bewerbung für fast 105 Millionen Euro gebaut worden. Alba spielt dort im Schnitt vor 6.000 Zuschauern. "Eine topmoderne Halle bedeutet für Alba eine Verbesserung der Bühne, auf der wir unser Produkt vermarkten können", erklärt Kerner. Auch wenn sich Alba wohl fühle in der Schmeling-Halle und mit den Trainingsbedingungen zufrieden sei, könnten finanzielle Aspekte den Abschied erleichtern.

Der Rechnungshof hatte jüngst bemängelt, dass Alba jährlich nur 18.700 Euro für die Nutzung an das Land zahle. Berlin wiederum zahlt dem Hallenbetreiber 600.000 Euro für die Basketballspiele. Diese indirekte Förderung soll laut Rechnungshof "umgehend" eingestellt werden. Die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Iris Seidel-Kalmutzki, hätte nichts dagegen, Alba stärker zur Kasse zu bitten: "Die Gebührenordnung kann ruhig mal ausgeschöpft werden." Alba-Manager Kerner sieht das anders. "Auch wir müssen unsere Kosten unter Kontrolle halten, zumal wir jetzt schon gutes Geld für die Halle zahlen." In anderen europäischen Ländern sei es üblich, dass Kommunen oder Länder die Spielstätten zur Verfügung stellen: "Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben."

Dass Alba an einen Umzug denkt, ist bei Sportexperten im Abgeordnetenhaus nicht bekannt. Noch reichten die Kapazitäten der Halle, meint Seidel-Kalmutzki. Sportausschusschef Michael Borgis (CDU) sieht das ähnlich: "Ein Umzug wäre auch von der Stimmung her dumm: Außer bei ein paar Europacupspielen wäre die neue Halle doch nie ausgelastet, da verlieren sich die Zuschauer doch." Dass eine größere Halle durchaus mehr Fans anlocken kann, hat Alba selbst gezeigt: Vor dem Umzug in die Schmeling-Halle spielte das Team vor weniger Publikum in einer kleineren Halle.

Mieke Senftleben (FDP) will abwarten, ob die Konkurrenz am Ostbahnhof überhaupt kommt: "Ich sehe die Anschutz-Halle noch nicht so richtig." Ähnliche Zweifel äußerte auch die Grüne Felicitas Kubala. Kommt die neue Arena, hätte die Schmeling-Halle allerdings ein Problem - darüber sind sich Sportpolitiker fast quer durch die Bank einig. Borgis wäre dann bereit, trotz der Rechnungshofkritik den Basketballern noch weiter entgegenzukommen: Berlin müsse sich bemühen, Alba in der Schmeling-Halle zu halten: "Geringere Einnahmen sind immer noch besser als gar keine Einnahmen."

Der Betreiber der Schmeling-Halle, die Firma Velomax, befürchtet hingegen auch bei einem Umzug von Alba keine Umsatzeinbußen. "Wir haben bereits jetzt mehr Anfragen von Veranstaltern als Kapazität", so Velomax-Geschäftsführer Sally Julian Rothholz. Dennoch sei es selbstverständlich, dass man alles tun werde, um den Verein zu halten. "Alba ist ein guter Partner, der mit 35 Spielen pro Jahr für eine gute Auslastung sorgt."

 


 

Süddeutsche zur Bonner Hallensituation (02.12.2002)

Bonns Basketballer begrenzt


Rheinischer Optimismus

Von Andreas Burkert
Natürlich würde Arvid Kramer diesen Termin nicht vergessen, niemals. Doch selbst wenn er es wollte - es könnte ihm gar nicht gelingen. Denn in den Tagen vorher klingelt zu oft das Telefon, und dann hört er stets dieselbe Frage: "Hast du noch eine Karte?" Kramer, 46, lacht dann nur spitz und sagt: "Tut mir leid, nix zu machen". Nichts geht mehr auch diesmal, wenn die Telekom Baskets Bonn am Sonntag in ihrer gemütlichen Hardtberghalle den Serienmeister Alba Berlin empfangen. Binnen acht Minuten waren die 3500 Tickets für den Klassiker ausverkauft, und Baskets-Manager Kramer sagt: "Mit einer größeren Halle könnten wir aus dem Alba-Spiel endlich mal ein riesiges Familienerlebnis machen."

Viele Jahre sitzt sie bereits in den Köpfen der Bonner, die Sehnsucht nach einer angemessenen Arena, die ihren Baskets dazu verhelfen könnte, die natürlichen Grenzen zu verlassen und es endlich ernsthaft mit dem Champion aus der Hauptstadt aufzunehmen. Zu mehr als 90 Prozent ist der Hardtberg regelmäßig ausgelastet, "und wir sind immer noch der einzige Bundesligist ohne Vereinslokal", klagt Klubchef Wolfgang Wiedlich; er träumt auch im siebten Erstligajahr von Platz für 6000 Menschen. Einen solchen Fachbau, anderenorts längst eröffnet, hatte die leicht euphorisierte Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann im Mai 1999 während der Finalparty auf dem Münsterplatz in Aussicht gestellt - seitdem existiert diese Halle als Vision von einer großen Zukunft des Vereins mit dem anerkannt leidenschaftlichsten Publikum. Dieckmann hat für Sonntag ihr Erscheinen angesagt, doch über das Hallenprojekt dürfte sie ungern referieren. Denn es wird so bald nicht kommen.

Rund sieben Millionen Euro würde eine reine Basketballhalle in Bonn kosten, nach der Rechnung der
Baskets benötigen sie (neben Sponsorengeldern) ein kostenloses Grundstück sowie öffentliche
Zuschüsse. Zwar prüft die Stadt zurzeit zwei Standorte, aber einen echten Fortschritt in der Causa konnte der Sportausschuss auch diese Woche nicht vermelden. Für das - favorisierte - Grundstück an der Josefshöhe im Bonner Norden etwa, so steht es in der Verwaltungsvorlage, sei der Landeszuschuss in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro "realistisch betrachtet frühestens 2005/2006 zu erwarten". Stadtsprecher Friedel Frechen verweist denn auch vor allem auf seinen "rheinischen Optimismus", ehe er beiläufig die "angespannte Haushaltslage" sowie den problematischen "Strukturwandel" erwähnt, in dem sich die alte Hauptstadt befinde. Geld für einen Hallenbau der Baskets wird Bonn nicht geben. Klubchef Wiedlich nennt derweil das Reizthema diplomatisch "sehr kompliziert" und findet es einstweilen "schon erstaunlich, dass die Glut noch nicht erloschen ist".

Sie wird weiter glimmen in einer Stadt, deren Basketballer "das sportliche Aushängeschild" (Frechen) sind. Dreimal haben sie es bis ins Finale geschafft (zuletzt 2001), trotz vergleichsweise bescheidenen Budgets. Für diese Saison musste Manager Kramer mit 250000 Euro weniger auskommen, weshalb sogar Publikumsliebling Hurl Beechum von Bord musste. Trotzdem stehen die Baskets auf Rang drei. Weniger Geld und weiterhin das Schneckenhaus Hardtberg, da werden es Wiedlich und Kramer erfreut aufnehmen, dass der Bonner Sponsor Treue verspricht, trotz seiner Sparpolitik. Bis 2004 sind die Verträge gültig, doch "das lokale Kolorit", das sagt Telekom -Sprecher Jürgen Kindervater, wolle man "auch darüber hinaus pflegen". Den Baskets bleiben wenigstens ihre natürlichen Grenzen erhalten.

 


 

Die Welt schreibt am 05.11.2002:

Berlin: Mehrzweckhalle am Ostbahnhof soll 2005 stehen


Mehrzweckhalle am Ostbahnhof soll 2005 stehen

Die Multifunktionshalle, die mit einem Baukostenaufwand von 150 Mio. Dollar konzipiert ist, soll auch von den Basketballern von Alba Berlin sowie für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt werden Die 16.000 Zuschauer fassenden Mehrzweckhalle am Berliner Ostbahnhof soll schon im Herbst 2005 fertig gestellt sein. Das erhofft sich Kevin Murphy, Senior-Vizepräsident der Anschutz Entertainment Group (AEG), der für das Projekt verantwortlich zeichnet. In den letzten Wochen war in das Bauvorhaben, der zukünftiger Heimstätte des EHC Eisbären, Bewegung gekommen. Die Deutsche Bahn werde bis Weihnachten die Gleise vom Baugelände entfernen. Anschließend würden die dort stehenden Gebäude abgerissen, sagte Murphy. Die Anschutz-Gruppe habe für die Beschleunigung der Arbeiten viel Geld an die Bahn gezahlt.

Für die länger als geplant dauernden Genehmigungsvorgänge erhofft sich Murphy von der Los Angeles-Reise des Regierenden Bürgermeisters, Klaus Wowereit, und dem dortigen Treffen mit Imperiums-Eigentümer Philipp Anschutz eine wesentliche Beschleunigung. "Wir hoffen, dass wir danach das Datum für den Baubeginn festlegen können", betonte Murphy und geht beim Termin für den ersten Spatenstich vom Sommer kommenden Jahres aus.

Gegenwärtig verhandele man mit einer Speditionsfirma, die noch einen gültigen Mietvertrag für einen Teil des Baugeländes besitzt, um sie zur vorzeitigen Räumung zu bewegen und damit einen Zeitvorsprung von fünf Monaten zu gewinnen. Als Termin für die Halleneröffnung hofft Murphy auf den Beginn der Eishockey-Saison 2005/06. Die Multifunktionshalle, die mit einem Baukostenaufwand von 150 Mio. Dollar konzipiert ist, soll außerdem von den Basketballern von Alba Berlin sowie für Konzerte und andere Großveranstaltungen genutzt werden. Sie ist das Zentrum eines geplanten neuen Stadtgebietes im Spreeraum Friedrichshain-Kreuzberg, dessen erstes Teilstück im Jahr 2010 stehen soll. dpa

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