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Noch Tage bis zum Saisonstart 2018/19

Age ain’t nothing but a number

Kenne deinen Feind: Julius Jenkins

Alte Männer können mitunter stur sein. Und uneinsichtig. Verbissen im Bemühen, es der jüngeren Generation nochmal beweisen zu wollen. Und sich selbst. Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, an dem das Eingeständnis erfolgt, den Youngstern den Vortritt lassen zu müssen. Von diesem Punkt ist Julius Jenkins allerdings noch weit entfernt.

Hält auch mit 37 Jahren noch die Liga in Atem: Julius Jenkins (Foto: BBL)

Mit nunmehr 37 Jahren auf dem Tacho spielt der Shooting Guard für Science City Jena eine seiner individuell besten Saisons – und hält die Thüringer ganz nebenbei auf deutlichem Abstand zu den Abstiegsplätzen. Mit einer Bilanz von neun Siegen und 14 Niederlagen haben Jenkins und Co. derzeit fünf Spiele Vorsprung auf den vorletzten Tabellenplatz, sind gleichzeitig aber auch nur drei Partien von einem Playoff-Platz entfernt.

Die Postseason ist die BBL-Karriere des Amerikaners betreffend ein treuer Begleiter. In zehn Saisons steht Jenkins neunmal in der Meisterschaftsrunde, erreicht vier Finalserien mit drei verschiedenen Clubs, verabschiedet sich 2008 (Berlin) und 2012 (Bamerg) mit einem Sieg und der Trophäe unterm Arm in die Sommerpause. Vor allem der erste Ritt zum Titel ist ihm in besonders guter Erinnerung geblieben – und den Telekom Baskets ebenso. „Da war jedes Spiel ein richtiger Kampf, in dem sich beide Seiten nicht, aber auch gar nichts geschenkt haben”, erinnert sich Jenkins. „Besonders Ronnie Burrell hat uns echt vor Probleme gestellt. Wir mussten als Team unseren besten Basketball spielen.“ Nach einem 78:69-Erfolg an der Spree reisen die Hauptstädter am 11.6.2008 zur Eröffnung des gerade fertiggestellten Telekom Dome auf den Hardtberg. Jenkins läuft mit der Trikotnummer #11 hinter Bobby Brown, Philip Zwiener und Dragan Dojcin als Vierter in die mit 6.000 Zuschauern bis unters Dach ausverkaufte Halle ein, die Hausherren setzen sich mit 81:71 durch. Zurück in Berlin sichern sich die “Albatrosse” mit 99:69 den Matchball, der, wieder im Telekom Dome, mit 88:79 sicher verwandelt wird – Jenkins macht mit 30 Punkten, drei Rebounds, zwei Assists, vier Steals und 10/13 Freiwürfen eines seiner besten Saisonspiele.


Take my hand an come with me


Wer den 1,81 Meter großen Jenkins auch nur wenige Sekunden auf dem Feld umherflitzen sieht, weiß: Er ist ein Scorer. Kein eindimensionaler, einfallsloser Typ der es dank überwältigender Athletik an jedem Gegenspieler vorbei oder wahlweise über diesen drüber schafft. Nein, Jenkins ist ein Raubvogel – was sich übrigens in den Namen seiner Arbeitgeber fast durchgängig durchzieht – mit scharfen Krallen, jederzeit bereit tief ins Fleisch der Verteidigung zu schneiden. „Er ist in der Bundesliga der mit Abstand am schwierigsten zu verteidigende Flügelspieler“, gibt der amtierende Wortathleten-DPOY Yorman Polas Bartolo zu Protokoll. „Du musst immer in Bewegung sein, sonst hängt er dich zwischen den für ihn gestellten Blöcken ab oder kreiert aus dem Dribbling heraus für sich selbst. Er hat einen wahnsinnig schnellen Release, liest die Defense unfassbar gut und ist darüber hinaus sicher am Ball.”

Ein Phänomen, das Basketball-Liebhaber in Deutschland zunächst nur in der 2. Bundesliga genießen können. Im Spätsommer 2003 ist Jenkins zunächst in Weißenfels zugegen, schafft es aber nicht in den finalen Kader, da Uneinigkeit über die Laufzeit des potenziell zu unterschreibenden Vertrages herrscht. „Ich hatte keine Anlaufstation, als mich mein Agent anrief und mir sagte, ich solle den nächsten Zug nach Nürnberg nehmen“, erinnert sich Jenkins über seine ersten Europa-Schritte. „Am Bahnhof hat mich Karim Aw in Empfang genommen und in der Anfangszeit an die Hand genommen.” Der urige Center setzt dem Nauankömmling fortan starke Picks, um die er flitzen und somit seine Bewacher abschütteln kann. Nach einer Saison als Warmup schraubt Jenkins die Konkurrenz anno 2004/2005 mit durchschnittlich 27,1 Punkte, 3,9 Rebounds, 2,9 Assists samt Dreierquote von 47,5 Prozent komplett auseinander – Meisterschaft und MVP-Titel inklusive. Ganz nebenbei wachsen gleichermaßen Reputation und Haare des Guards, da sich seine spielerische Klasse schnell herumspricht und er den fränkischen Friseurstuben nicht vertraut.


Spielten 2006 in der Bonner Hardtberghalle noch gegeneinander: Julius Jenkins (links, damals noch für Berlin) und Martynas Mazeika im Baskets-Trikot. Foto: Ittermann

This lovin’ I have for you,
It’ll never change

Die Taten des damals 24-Jährigen sprechen sich von der “Jungen Liga” bis ins Oberhaus schnell herum, aber auch im belgischen Bree sind die Verantwortlichen auf die nimmermüde Offensivmaschine aufmerksam geworden. So heuert Jenkins erst 2006/2007 in Berlin an, und beginnt bei den Hauptstädtern eine einzigartige BBL-Karriere. Auf dem Weg zu zwei Meisterschaften und drei Pokalsiegen kreuzen sich regelmäßig seine Wege mit den Telekom Baskets: Finalserie 2008, Pokalfinale 2009, Halbfinal-Serie 2009, Pokalfinale 2012, Pokalhalbfinale 2015.

Den Abstecher ins montenegrinische Podgoriza anno 2015/2016 mit berücksichtigt – selbstverständlich stilecht mit dem Gewinn des Doubles veredelt – verwandelt Jenkins seit sechs Saisons über 40 Prozent seiner Dreierversuche. Auch in der laufenden Spielzeit sind die Würfe von außen ein elementarer Bestandteil seines offensiven Repertoires. Bislang versenkte der Edelshooter in Summe 58 Versuche von „Downtown“ – nur Brion Rush (Göttingen, 60) und Josh Mayo (Bonn, 66) haben öfter von jenseits des Perimeters getroffen. „Es ist in Ordnung, dass die Leute in erster Linie auf meine Offense schauen und mich ein Stück weit darüber definieren“, sagt Jenkins. „Doch wer mit mir und gegen mich gespielt hat, weiß genau, dass ich auch hart verteidigen kann.“

Jenkins hat nie versucht etwas zu sein, das er schlichtweg nicht ist. Eine Qualität, die ihn für Science City Jena auch im zarten Basketball-Alter von 37 Lenzen gefühlt unersetzbar macht. „Ich habe noch so viel Liebe und Leidenschaft für dieses Spiel, dass ich in einer für mich guten Umgebung produktiv sein will und kann“, beschreibt er. „Genau das ist in Jena der Fall. Hier kann ich dazu beitragen, dass wir möglichst viele Spiele gewinnen, gleichzeitig aber auch ein Vorbild für die Jüngeren sein.“ Worte, die aus seinem Mund weder stur, uneinsichtig, noch verbissen klingen -  sondern: weise.



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