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Baubeginn Anfang 2006 möglich

General-Anzeiger vom 08.06.06

Bonner Basketshalle: "Alle Probleme wurden gelöst" - Wiedlich: Wirtschaftliches Harakiri passt nicht zu uns

 

Von Bernd Leyendecker

Bonn. Anfang kommenden Jahres könnte mit dem Bau des Baskets-Hallenprojekts auf dem ehemaligen BGS-Gelände westlich der Autobahnauffahrt Hardtberg begonnen werden. "Es sieht sehr gut aus; wir haben in allen Punkten einschließlich Verkehrserschließung und Parkplätze einvernehmlich Lösungen gefunden", lautet das Fazit vom städtischen Chef-Wirtschaftsförderer Martin Ogilvie nach dem jüngsten Gespräch mit dem Vorhabenträger Lidl.

 

Der Konzern will nach Angaben von Ogilvie "spätestens in der kommenden Woche" die restlichen Unterlagen einreichen, auf deren Grundlage die Stadtverwaltung den Bebauungsplan erstellen wird. In der Ratssitzung am 29. September soll der Rat dann die Offenlage des Plans beschließen, zu dem sich die Bürger dann in den folgenden sechs Wochen äußern können. Vor der Sitzung will Lidl Pläne sowie eine visualisierte Darstellung des Gesamtprojekts präsentieren.

 

"Wenn alles reibungslos verläuft, werden wir dem Rat den Bebauungsplan im Dezember zur Beschlussfassung vorlegen", sagte Ogilvie. Bis dahin könnten Lidl und Telekom Baskets den Bauantrag vorbereiten, so dass im Januar 2006 bereits mit den Erdarbeiten auf dem extremen Hanggrundstück begonnen werden kann.

 

Mit dem September-Termin ist auch der Vorsitzende des Projektbeirates, der CDU-Ratsherr Dieter Steffens, einverstanden: "Dann haben wir in der Bezirksvertretung Hardtberg und den Fachausschüssen genügend Zeit, um uns intensiv mit dem Thema zu befassen." Im übrigen sei er nach den jüngsten Gesprächen zwischen Verwaltung und Lidl "sehr optimistisch", dass das Projekt einschließlich Hallenprojekt nun auch realisiert werden könne: "Jetzt wird es auch Zeit", so Steffens.

 

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist federführend verantwortlich für das Gesamtprojekt. Es umfasst laut Ogilvie neben einem Lidl-Markt noch einen Vollsortimenter (beispielsweise Edeka) samt Getränkemarkt, ein Fast-Food-Restaurant sowie einen Drogeriemarkt. Und natürlich eine Haupthalle für über 5 000 Zuschauer plus Ausbildungszentrum des Vereins - ein Projekt, über dem nur "Baskets" steht: Der siebtgrößte Basketballverein Deutschlands und die ihm assoziierte BonBas GmbH bauen selbst, finanzieren selbst, betreiben selbst und sind der Hauptnutzer, "allerdings nicht Mieter", so Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, "denn es ist ja dann unsere eigene Halle".

 

Insofern handele es sich bei dem Projekt auch um eine Premiere in der Basketball-Bundesliga, wo alle Teams Mieter in städtischen oder multifunktionalen Hallen sind, dort aber meist nicht trainieren können. Der Bundesligist Telekom Baskets Bonn, der in der Hardtberghalle seit neun Jahren eine Auslastung von 97 Prozent erzielt, plant schon seit 1999 den Bau einer größeren Halle. Nach einer jahrelangen Debatte um Standorte - von Oberkassel (Zementfabrik) übers Regierungsviertel ("Bonn-Kegel") bis zu Sportpark Nord und Josefshöhe - verständigten sich Stadt und Verein im Sommer 2003 auf das Areal unterhalb des Konrad-Adenauer-Dammes.

 

Auch über den Hallentypus wurde heftig debattiert: Die Baskets strebten eine Monofunktionshalle in Eigenregie an, während die Stadt versuchte, den Sport mit Kongressen und Konzerten im Kongresszentrum (Multifunktion) zu vereinen. Nun steht das Projekt offenbar vor dem Durchbruch. Dass alles so lange gedauert hat, darin sieht Wiedlich keinen Nachteil: "Es gibt auch Projekte, die werden dadurch besser, in sich stimmiger."

 

Allerdings sei der Kreditbedarf noch zu hoch - "das müssen wir noch optimieren". Aber er sei optimistisch, dass in einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Fans, Club und Kleinsponsoren in Abstimmung mit dem Hallenbau-Generalunternehmer "noch wesentliche Einsparungen möglich sind". Wolfgang Wiedlich: "Wirtschaftliches Harakiri passt nicht zu uns."

 

Die Mühe hat sich gelohnt

 

Kommentar

 

Von Bernd Leyendecker

 

Wenn der eher zurückhaltende Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich jetzt erstmals davon spricht, die Halle stehe "offenbar vor dem Durchbruch", kann das als positives Signal gewertet werden. Zumal auch Wirtschaftsförderer Martin Ogilvie und Projektbeirats-Vorsitzender Dieter Steffens die Chancen für das Projekt als sehr positiv einstufen.

 

Die Baskets sind ihrer Linie treu geblieben. Sie bauen ihre Halle in Eigenregie - einfach und auf ihre Sportart und ihre Fans zugeschnitten, kein technisch aufwändiges, multifunktionales Luftschloss. Damit drücken sie die Kosten.

 

Unterm Strich gibt es nur Gewinner: Die Baskets, die ab übernächster Saison in der neuen Arena spielen können, die für sie auch aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist, um sich dauerhaft in der Bundesliga behaupten zu können. Die Stadt, die sich dann wohl endgültig auch ehrlich "Sportstadt" nennen darf.

 

Die anderen Sportvereine, denen künftig pro Jahr rund 5 000 Hallenstunden zusätzlich zur Verfügung stehen, da die 40 Jugendteams der Baskets dann im "eigenen Haus" trainieren; bisher mussten sie auf andere Hallen ausweichen. Und die Anwohner rund um das BGS-Areal, die neue Einkaufsmöglichkeiten "vor Ort" haben. Gut so.


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