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Noch Tage bis zum Saisonstart 2017/18

Playoffs-Historie: Alle Jahre wieder

20 Jahre Telekom Baskets Bonn heißt auch viermal Playoffs gegen Ulm. Ein Rück- und Ausblick

Wenn die Telekom Baskets Bonn am Freitag, den 15. Mai, ab 18:30 Uhr ratiopharm ulm im heimischen Telekom Dome zum dritten Playoffspiel bitten, ist dies bereits das 14. Aufeinandertreffen der beiden Teams in der Postseason. Jedes Mal im Viertelfinale. Beide Vereine teilen damit eine umfangreiche Playoff-Historie, voller Höhen, Tiefen und Emotionen, die anno 2015 ihre Fortsetzung findet.

Die Serien zwischen Bonn und Ulm sind seit jeher schwer umkämpft. Das erfuhren anno 2009 auch EJ Rowland und Co. (Foto: Jörn Wolter)

1997/1998: Vizemeister gegen Pokalsieger

Gerade ein Jahr in der Liga und schon Vizemeister. Was dem Aufsteiger um Trainer-Legende Bruno Socé in der Saison 1996/1997 wohl niemand zugetraut hatte, machte die Telekom Baskets auf einen Schlag zu einer Größe im Oberhaus des deutschen Basketballs. Die sensationelle Debut-Saison hatte schlagartig Maßstäbe für die kommenden Spielzeiten gesetzt. Und denen wurde Bonn zumindest in der Hauptrunde der Spielzeit 1997/1998 gerecht, welche die Rheinländer als Hauptrundenzweiter abschlossen. Damit hieß der Viertelfinalgegner SSV Ulm. Dieser konnte mit dem Gewinn des Pokals nur ein Jahr zuvor bereits einen beachtlichen Erfolg vorweisen.

Dass mit den Ulmern zu rechnen war, mussten die Baskets gleich im ersten Playoff-Spiel leidvoll erfahren. Zwei Viertel lang hatte Bonn die Gäste regelrecht vorgeführt, als es zum Bruch im Spiel der Hausherren kam. Die 3.500 Zuschauer in der Hardtberghalle mussten mit ansehen, wie die Hausherren eine komfortable Halbzeitführung Stück für Stück her schenkten und vor allem Adrian Autry (27 Punkte) und Tim Nees (30) auf Seiten der Ulmer nicht mehr in den Griff bekamen. Am Ende stand eine verdiente 80:89 Niederlage, die Coach Socé zu der Aussage bewegte, jeder Spieler der so weiterspielen wolle, könne den Verein verlassen. Damit hatte Socé wohl ins Schwarze getroffen, denn die hitzige und kampfbetonte Partie nur zwei Tage nach der Auftaktpleite entschieden die Baskets mit 85:74 für sich und glichen die Serie aus. Es sollte das einzige Spiel bleiben, das Bonn für sich entscheiden konnte. Bezeichnenderweise das einzige, in dem Eric Taylor zu seiner Form fand. Das folgende Auswärtsspiel in Ulm ging mit 79:86 verloren, Autry und Nees waren erneut nicht zu stoppen und zu allem Überfluss verletzte sich Klaus Perwas gegen seinen Ex-Club am Knie – sein Einsatz in den nächsten Spielen blieb fraglich. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Momentum der Serie auf Seiten der Ulmer. Auch die folgende Partie, in der Perwas sowie Taylor verletzungsbeding deutlich unter ihren Möglichkeiten blieben und Steven Hutchinson disqualifiziert wurde, ging verloren. Somit war das Ausscheiden so gut wie vorprogrammiert. Die Baskets liefen im fünften Spiel der „Best-of-seven“-Serie permanent einem Rückstand hinterher, die desolate Trefferquote von nur 29% aus dem Feld verhinderte eine erfolgreiche Aufholjagd und auch überragende 24 Zähler von Perwas machten am Ende keinen Unterschied mehr.

Somit raubte das Verletzungspech den Basktets, die trotz des frühen Ausscheidens mit stehenden Ovationen gefeiert wurden, jede Chance den Finaleinzug des Vorjahres zu wiederholen und diesmal sogar mit dem Titel zu krönen. Den Einzug in die Endrunde schafften dafür die Schwaben, die sich ALBA Berlin jedoch chancenlos mit 0-3 geschlagen geben mussten.

1998/1999: Vom Virus über Ulm zum Vize

Kurioser kann eine Saison kaum beginnen. Oder eben auch nicht. Nachdem Neuzugang Hurl Beechum den Epstein Barr-Virus eingeschleppt hatte, hütete ein Großteil des Baskets-Kaders zum Saisonstart das Bett und so startete Bonn mit drei Spieltagen Verspätung in die neue Spielzeit. Dass es am Ende der Hauptrunde erneut für den zweiten Tabellenplatz reichte, erscheint auch 16 Jahre später noch unglaublich. Und nicht nur der Tabellenplatz, auch die Viertelfinalpaarung der vorherigen Saison erlebte eine Neuauflage und so musste Bonn abermals gegen Ulm ran – diesmal allerdings nach dem Modus „Best-of- five“. Und wie schon im Vorjahr legten die Baskets gut los und trafen aus allen Lagen, während den „Spatzen“ so gar nichts gelingen wollte. Bis zur Pause hatte Beechum bereits sechs Mal von außen eingenetzt, „General“ Derrick Phelps hatte für jeden Aufholversuch der Gäste eine passende Antwort parat. Zum Seitenwechsel schien die Partie gelaufen. Schien, denn Ulm kam wie verwandelt aus der Kabine und legte, angeführt von Jarvis Walker, Adrian Autry und Tim Nees, einen 13:0-Lauf aufs Parkett. Sieben lange Minuten mussten die Bonner Fans auf den ersten Zähler ihrer Mannschaft warten und einige erinnerten sich mit Grausen an den Playoff-Auftakt der Vorsaison. Die Baskets wankten, doch diesmal fielen sie nicht. Als Ulm beim Stand von 52:51 nach 28 Minuten endgültig die Kontrolle an sich zu reißen schien, ging ein Ruck durchs Team von Bruno Socé. Beechum fand seine Treffsicherheit wieder, die Defense stand, und als sich Ulms Coach Peter Krüsmann ein Technisches Foul leistete und den Baskets damit in der Folge einen zehn Punkte großen Vorsprung bescherte, war der Sieg in trockenen Tüchern.

Dass Ulm nur eine Woche später alles daran setzen würde, die Serie auszugleichen, war klar. Die Donaustädter hatten es dabei vor allem auf Hurl Beechum abgesehen, der mit acht verwandelten Dreiern in Bonn nicht zu stoppen war. So rieben sich zu Beginn der Partie Ulms Christian Ast und Stefan Zvitek an dem US-Amerikaner auf, um eine erneute One-Man-Show zu verhindern. Ganz zu stoppen war dieser dennoch nicht und darüber hinaus verloren die Schwaben Bonns Derrick Phelps aus den Augen, der prompt die Rolle Beechums aus dem vorherigen Spiel übernahm und am Ende mit 31 Punkten zum überragenden Spieler der Partie avancierte. Ganz ab von persönlichen Bestmarken bot das Spiel, wie auch die Serie, vor allem jede Menge Emotionen und Playoff-Atmosphäre. Auch weil Ulm nach dem verletzungsbedingten Ausfall ihres Regisseurs Jarvis Walker einen tollen Kampf bot und Bonn mehrmals am Rande der Niederlage hatte. Letztlich hatte auf Bonner Seite außer dem Osterhasen aber niemand etwas zu verschenken. So entschieden die Baskets auch die zweite Playoff-Partie für sich und hatten damit die komfortable Möglichkeit, im folgenden Heimspiel alles klar zu machen.

Nach Spielende hieß es auf der Anzeige in der Hardtberghalle 78:65. Der „Sweep“ war perfekt. Und dieses Mal ließen die Baskets ihre Fans auch nicht bis zum Ende zittern. 30:12 hieß es nach 10 Minuten für die Hausherren. Die Gäste aus Ulm, die auf den verletzten Jarvis Walker verzichten mussten, sollten sich von diesem Rückstand nicht mehr erholen. Schon früh sorgten Gunther Behnke und Steven Hutchinson für optische Highlights und spätestens beim Stand von 44:22 für Bonn waren sich auch die beiden Übungsleiter sicher, was den Ausgang des Spiels anging. So war es in der zweiten  Halbzeit vor allem der zweiten Garde beider Teams vergönnt, die nicht mehr ganz spannende, aber immer noch sehr unterhaltsame Partie zu Ende zu bringen. Für Bruno Socé, der seinen Ulmer Kollegen auf der abschließenden Pressekonferenz ob dessen frühzeitigen Urlaubs beneidete, gab es im Anschluss noch einiges zu tun. Nach dem 3-1 in der Serie gegen Rhöndorf, hieß der Finalgegner erneut ALBA Berlin und auch der Ausgang blieb „leider“ derselbe. Doch nach einer mehr als turbulenten Saison mit all ihren Widrigkeiten war die erneute Vizemeisterschaft mehr als respektabel. Die Playoff-Begegnung Bonn-Ulm hingegen sollte eine zehnjährige Pause erleben.

2008/2009: Mit dem Besen durch den Telekom Dome

Neuer Trainer, neue Mannschaft, neue Halle. Zehn Jahre nach dem letzten Aufeinandertreffen von Bonn und Ulm in den Playoffs waren beide Teams nicht wiederzuerkennen. Für Bruno Socé hatte erst Predrag Krunic und inzwischen Michael Koch das Zepter bei den Bundesstädtern übernommen – und das schwang er nun nicht mehr in der altehrwürdigen Hardtberghalle, sondern im Telekom Dome. Auch von den Helden der ersten Jahre im Oberhaus stand keiner mehr im Aufgebot der Baskets, lediglich Artur Kolodziejski kehrte nach etlichen Stationen nach Bonn zurück. Auch Ulm reiste neuformiert zum Duell Vierter gegen Fünfter, das in der Gegenwart seine Neuauflage erlebt.

Für die Baskets bedeutete das Viertelfinale gegen Ulm bereits die zwölfte Playoff-Teilnahme in 13 Jahren Basketball-Oberhaus. Für die „Spatzen“ war es die erste Playoff-Teilnahme seit 10 Jahren, die letzte bezeichnenderweise auch gegen Bonn. Die Heimstärke, welche beide Mannschaften in der regulären Saison geprägt hatte, sollte auch im ersten Spiel der Serie ausschlaggebend werden. Bonn startete furios, zwang die Gäste zu schlechten Entscheidungen und verwandelte die sich daraus ergebenden Schnellangriffe sicher. Kapitän Kolodziejski gelang dies bereits im ersten Viertel zwei Mal, während Patrick Flomo einen Rebound nach dem nächsten holte und die Ulmer Offensive mit spektakulären Blocks um die Ernte ihrer Saat brachte. Das sorgte für komfortable 13 Punkte Vorsprung zur Halbzeit. Ulm kämpfte sich nach der Pause noch einmal zurück, kam mehrmals in Schlagdistanz, konnten die Partie aber nicht mehr zu ihren Gunsten wenden, da die Baskets es im finalen Spielabschnitt vor allem am Kampfgeist nicht mangeln ließen. Positive Ansätze hatte aber auch Ulms Coach Mike Taylor erkannt, der nach der 62:71-Niederlage ebenfalls auf die eigene Heimstärke hoffte.

Diese schien eine Woche später in der Ulmer Kuhberghalle wieder zum entscheidenden Faktor zu werden. Obwohl Bonn abermals druckvoll begann, und Ulms Jeff Gibbs diesmal besser im Griff hatte (11 Punkte, 16 Rebounds im ersten Spiel), ließen sich die Hausherren diesmal von einem frühen Rückstand nicht beirren. Den größten Anteil daran hatte Sean Finn, der vor allem in Brettnähe dagegenhielt, während die Baskets von außen mit Brandon Bowman, Johannes Strasser und Alex King einen wahren Dreierregen auf den gegnerischen Korb niedergehen ließen. Bis zur Pause entwickelte sich so ein offener Schlagabtausch, der in Sachen Spannung nichts zu wünschen übrig ließ. Dementsprechend fiel auch der Pausenstand aus (38:38). Bonn erwischte den besseren Start in die zweite Halbzeit und legte einen 11:0-Lauf aufs Parket. Fast fünf Minuten mussten die 3.000 Ulmer Fans fassungslos mit ansehen, wie ihrem Team gar nichts mehr gelingen wollte, bis der damals noch blutjunge Per Günther per Freiwurf den siebten und damit letzten Punkt im dritten  Viertel für die Gastgeber erzielte. Mit einer 13 Punkte-Führung vorm letzten Viertel schien die Partie gelaufen, doch wieder rappelten sich die Schwaben auf. Auch dank einiger Nachlässigkeiten der Baskets kamen die Hausherren zu leichten Punkten und holten so die Zuschauer wieder mit ins Boot, die ihre Mannschaft zu einer unglaublichen Aufholjagd beflügelten. In der Schlussminute hatte Ulm beim Stande von 69:70 mit dem letzten Angriff sogar die Chance, das Spiel für sich zu entscheiden. Doch statt im Bonner Korb landete der Ball in den Händen des aufmerksam verteidigenden Vincent Yarbrough, der sofort gefoult wurde. Das Drama ging sogar noch weiter, als der Bonner Forward beide Freiwürfe vergab, sich aber den anschließenden Offensivrebound sicherte. Diesmal fiel zumindest ein Bonuswurf durch die Reuse und Dru Joyce konnte seinen letzten Wurfversuch nicht mehr erfolgreich abschließen, womit sich die Anspannung der knapp 200 mitgereisten Bonner Fans endlich im Jubel entladen konnte.

Ulm mit dem Rücken zur Wand, Bonn mit einem Bein im Halbfinale. Klar, dass es da wieder eng werden musste. Tatsächlich lagen noch einmal 40 Minuten harte Arbeit vor Coach Koch und seinem Team, ehe sie Ulm am Ende mit 82:69 niedergerungen hatten. Endlich Sicherheit bei den Freiwürfen, ein Brandon Bowman, der an diesem Abend nicht zu stoppen war, und 5.700 Zuschauer im Telekom Dome, die ihr Team zum Sieg trugen, gaben letztlich den Ausschlag in einer Serie, die sehr viel enger war als es das 3-0 für die Baskets am Ende erscheinen ließ.

2014/2015: Endspurt um den (wertvollen?) Heimvorteil

Wenn die Baskets am Freitag, den 15. Mai, zum insgesamt 13. Viertelfinalvergleich gegen Ulm antreten, steht in der laufenden Serie wieder alles auf null. Zwei Spiele, zwei Auswärtssiege, - diesen Trend gilt es zu durchbrechen um einen großen Schritt Richtung Halbfinale zu machen. Doch wenn eins aus der Playoff-Geschichte beider Teams zu lernen ist: It's not over, 'til it's over


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