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Stadt Bonn stellt die Weichen für die neue Baskets-Halle

General-Anzeiger vom 28.01.04

Verwaltung und alle Fraktionen plädieren für Drei-Millionen-Euro-Zuschuss - Firma Lidl übernimmt Projektsteuerung

 

Von Bernd Leyendecker

 

Bonn. "Ich bin ziemlich begeistert." Sagte OB Bärbel Dieckmann am Dienstag vor der Presse - und man hatte den Eindruck, den Stein zu hören, der ihr vom Herzen gefallen ist. Denn der Verwaltungsvorstand hatte am Vormittag eine Vorlage an den Rat verabschiedet, wonach den Telekom Baskets für den Bau ihrer neuen Halle ein einmaliger städtischer Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro gewährt werden soll.

Nachdem alle Ratsfraktionen der Vorlage zustimmen wollen, geht die OB nun von einem einstimmigen Beschluss aus. Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich zeigte sich ebenfalls erfreut. Nun gelte es, das 13-Millionen-Euro-Projekt (ohne Grundstück) "zügig und solide anzugehen".

 

Im Sommer 1999, nach dem Gewinn der deutschen Vize-Meisterschaft, hatte Bärbel Dieckmann den Baskets eine neue, größere Halle versprochen - in absehbarer Zeit. Doch der Prozess zog sich hin. Zum einen war die Standortfrage strittig, zum anderen musste die Finanzierung geklärt werden.

 

Im vergangenen Jahr einigte man sich auf das ehemalige BGS-Grundstück im Stadtbezirk Hardtberg. Zwischenzeitlich ein herber Nackenschlag aus Düsseldorf: Der obligatorische und mündlich schon zugesagte 3,2-Millionen-Euro-Zuschuss wurde zurückgezogen. Viele sahen da die Baskets-Halle als Opfer auf dem Altar der NRW-Olympia-Bewerbung.

 

Auch die spätere Rechnung der Baskets, die Halle am ehesten in Verbindung mit einem Media-Markt realisieren zu können, ging nicht auf. Der Regierungspräsident und die Stadtverwaltung sagten: Dieser Markt ist zentrenschädlich.

 

Mit der Lebensmittelkette Lidl, die jetzt auch die Projektsteuerung für das Gesamtareal übernimmt und dort auch weiteren Einzelhandel - Tierfutter, Kfz-Zubehör, Getränke-/Lebensmittelmarkt - sowie eine Tankstelle ansiedeln möchte, wurde nun ein Investor gefunden, mit dem Verwaltung und Baskets gleichermaßen zufrieden sind.

 

Die OB sagte am Dienstag: "Die Telekom Baskets haben den Namen Bonn ganz positiv nach draußen getragen." Daher habe sie sich stets für die Halle engagiert. Ihr Ziel sei es nun, "möglichst früh" die notwendigen baurechtlichen Entscheidungen für die Bebauung des BGS-Grundstücks zu treffen: "Ich gehe davon aus, dass der erste Spatenstich Ende diesen Sommers erfolgen kann."

 

Stadtkämmerer Ludger Sander betonte, der Zuschuss könne ohne Erhöhung der Kreditaufnahme gewährt werden. Das Grundstück - Preis: 1,4 Millionen Euro - werde aus dem Fünf-Millionen-Euro-Topf "Erwerb von unbebauten Grundstücken" bezahlt, und durch Einsparungen im Investitionshaushalt sowie Gelder aus der Sportpauschale und der Entwicklungsmaßnahme Hartberg könne der Restbetrag finanziert werden.

 

In der Gesamtfinanzierung für das Projekt bestehe so noch ein Loch von rund 900 000 Euro. "Die Baskets haben sich verpflichtet, diese Lücke zu schließen", sagte die OB und fügte hinzu: "Dieses Finanzkonzept ist auch ohne Landeszuschuss sicher." Mit Geldern aus Düsseldorf ist noch zu rechnen.

 

Denn neben der künftigen großen Halle für 5 800 Zuschauer wird auch eine Dreifach-Sporthalle (Ausbildungszentrum) gebaut, die vornehmlich von Jugendlichen genutzt werden soll - und für derartige Projekte gibt's zusätzliche Fördermittel.

 

Wiedlich dankte der OB und den Fraktionen, dass "nun ein verbindlicher Rahmen für das Hallenprojekt abgesteckt wurde". Er sprach von einem "Tag, der für die Telekom Baskets Herausforderung und Zukunft zugleich bedeutet". Die Herausforderung werde man aber nur bestehen, wenn in den nächsten Monaten Sponsoren und Fans "die Größe der Aufgabe erkennen und alle uns unterstützen".

 

Ziel des Vereins sei "kein Schlösschen, sondern eine funktionale Basketball-Halle mit angegliedertem Ausbildungszentrum - und das Ganze mit so wenig Kredit und so viele Eigenleistung wie möglich". Sollte der Rat die Vorlage beschließen, gehe er davon aus, dass dies "zusätzliche Kräfte freimacht auf dem Weg zur Umsetzung der ersten vereinseigenen Basketballhalle der Bundesliga", sagte der Baskets-Präsident.

 

Wie berichtet, hatten CDU und SPD bereits am Montag dem Konzept zugestimmt. Werner Hümmrich (FDP) sagte am Dienstag, auch seine Fraktion unterstütze das Konzept: "Das ist eine sehr gute Lösung." Peter Finger (Die Grünen) kündigte ebenfalls das Ja seiner Fraktion an. "Die Baskets haben viel für die Stadt getan; jetzt sollten wir ihnen die Hand reichen, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch international einen erfolgreichen Basketballauftritt möglich machen."

 

Es gibt nur Gewinner

 

Kommentar

 

Bernd Leyendecker

 

Bonn. Es gab viele Gründe dafür, warum sich die Stadt so schwer tat, den Bau einer neuen Halle für das Bonner Sport-Aushängeschild Nr. 1 mit zu finanzieren. Andere Städte wie Bamberg, Braunschweig, Trier, Hagen oder Tübingen haben da viel früher Nägel mit Köpfen gemacht und entsprechende Projekte tatkräftig unterstützt.

 

Gleichwohl: In der seit vielen Monaten angespannten wirtschaftlich schweren Zeit zeugt es von einer ziemlich guten Kondition von Rat, Verwaltung und Baskets-Vereinführung, dass letztlich doch noch ein ordentliches Finanzkonzept für die Halle zustande gekommen ist. An dieser Kondition können sich Branco Klepac & Co. fast schon ein Beispiel nehmen.

 

Nun also sieht es so aus, dass die mehrfach von allen Fraktionen versprochene Halle tatsächlich gebaut wird. Bei diesem Projekt gibt es nur Gewinner: Die Baskets, die ab übernächster Saison in einer 5 800 Zuschauer fassenden Arena spielen können, die für sie auch aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist, um sich dauerhaft in der Bundesliga behaupten zu können.

 

Die Stadt, die sich dann endgültig auch "Sportstadt" nennen darf. Die anderen Bonner Sportvereine, denen künftig pro Jahr rund 5 000 Hallenstunden zusätzlich zur Verfügung stehen, da die 40 Jugendteams der Baskets dann auf ihren eigenen Spielfeldern trainieren. Und die Anwohner rund um das BGS-Areal, die neue Einkaufsmöglichkeiten "vor Ort" erhalten. Wer will da noch Verlierer sein?


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