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The Fire

Ex-Baskets Ryan Thompson kehrt mit Ulm zurück nach Bonn

Basketballer gibt es wie Sand am Meer. Erst recht in Zeiten wie diesen, wo die Welt besser vernetzt ist denn je. Partien in Asien können in Europa live verfolgt werden. Jede noch so unwichtige Statistik wird festgehalten und analysiert. Die Nadeln im Heuhaufen haben sich deutlich gemehrt, doch ist der Haufen selbst heutzutage ebenfalls ungleich größer geworden. Und doch ist es der gute alte “Eye Test”, welcher zweifelsfrei belegt: Ryan Thomspon hat etwas, das sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt.

Aus RT7 wird RT5: Ryan Thompson hat nicht nur die Farbe des Trikots gewechselt. (Fotos: BBU'01/Jörn Wolter)

Es ist diese unverschämte Ruhe, die der Flügel auf dem Feld ausstrahlt. Diese unterschwellige Arroganz, die allen Anwesenden in der Halle vermittelt: Der 1,98 Meter-Mann kann sich nur selber stoppen. Das Dribbling zum Korb ist zu explosiv, als das der lange erste Schritt gestoppt werden könnte. Sein Oberkörper strotzt vor mehr Stabilität, als der Verteidiger durch Drücken und Schieben versucht ihn aus der Bahn zu bringen. Die Passfähigkeiten aus dem Pick-and-Roll sind zu gut, als dass ein Doppeln wirklich helfen würde. Der Distanzwurf ist zu stabil, um als Verteidiger immer unter dem Block herzugehen.

Ryan Thompson ist eine fleischgewordene, basketballerische Allzweckwaffe. Das wird den Bonner Fans als auch dem Rest der Liga nochmals haarklein vor Augen geführt, als der Amerikaner im Sommer 2016 in der Bundesstadt anheuert. Er ist keiner, der mit der Brechstange vorweg rennt und gegnerische Defensivreihen auf Verdeih und Verderb niederzureißen versucht. Doch er ist einer, der mit seinem offensive Repertoire durchaus Spiele entscheiden kann – und legt damit den Grundstein für die Bonner Heimstärke anno 2016/2017.

Gegen Bremerhaven (98:93) legt er 27 Punkte auf, wobei er immer wieder den Weg ans Brett sucht und trotz Fouls für Zählbares sorgt (12/12 Freiwürfe). Beim 95:83-Erfolg über München stellt er der FCB-Defense mehr Fragen, als diese taktisch beantworten kann – und geht mit 32 Punkten (4/7 Dreier, 14/15 Freiwürfe) vom Feld. Das Bonner Karnevalsspiel gegen Bayreuth (101:94) wird erst durch seine Effizienz (8/10 Feldwürfe) und gutes Auge (6 Assists) zur erfolgreichen Sause.

You can’t escape the history that you was meant to make

Dabei stand einige Zeit gar nicht fest, ob Ryan Thompson mit Ende 20 überhaupt noch professionell Basketball spielen würde. Noch dazu für Bonn ganz zu schweigen. Dabei schien es für ihn doch so gut zu laufen. Meister mit Bamberg anno 2015, dann der Wechsel zu Roter Stern Belgrad. Beim serbischen Traditionsclub findet er als einziger Amerikaner im Kader nie den Frieden, den er braucht, um seine sportlichen Qualitäten aufs Feld zu bringen (4,4 PpS, 1,6 RpS). Dann der Wechsel in die Türkei nach Trabzonspor, wo es zwar statistisch etwas besser aussieht (8,0 PpS, 2,6 RpS), doch clubinterne Querelen und ein schier nie zur Ruhe kommendes Personalkarussell setzen Thomspon extrem zu.

„Ich war kurz davor, die Schuhe an den Nagel zu hängen und mit Basketball aufzuhören“, verrät er später. Ein Glück, dass er sich gegen den vorzeitigen Sport-Ruhestand entscheidet und stattdessen bei den Baskets anheuert. „Hier will ich helfen. Hier will ich die Liebe zum Spiel zurückfinden, die mir fast abhandengekommen ist.“ Dabei scheinen die saisonalen Begleitumstände im Rheinland zwar besser, aber auch nicht völlig störungsfrei zu sein. Zwei Tage vor dem BBL-Start übernimmt Predrag Krunic. Josh Mayo muss sich herber Kritik erwehren und seinen Distanzwurf finden. Julian Gamble braucht ebenfalls, bis er sich an die Gangart im deutschen Oberhaus gewöhnt hat. Thompson: „Das alles ist überhaupt kein Problem für mich, denn die Mannschaft gibt mir das Gefühl gebraucht zu werden.“

There’s something in your heart
And it’s in your eyes

Die Erinnerung an jeweils eine halbe Saison in Serbien und der Türkei hält ihn wachsam. Und hat den Fokus leicht verschoben. Es geht eben nicht mehr nur um Basketball. Oder den schnöden Mammon. Oder sportlichen Erfolg. Es geht um eine bestmögliche Kombination all dessen. Und darum, die Liebe zum Spiel wiederzufinden. Und all das ausgerechnet in Bonn? Bei einem Club, der im Vorjahr entgegen seiner langjährigen Tradition die Playoffs verpasste? „In gewisser Weise haben gab es viele Parallelen“, sagt Thompson. „Ich habe, ich will etwas beweisen. Und der Verein ebenfalls.“ Es ist ein gemeinsames Ziel, welches die Organisation und letztlich den gesamten Kader an einem Strang ziehen lässt.

Mit Erfolg. Zur Halbzeit der Hauptrunde stehen die Baskets so gut, dass sie sich für die Teilnahme am Pokalwettbewerb qualifizieren. Der Telekom Dome wird wieder einer ligaweit gefürchteten Feste (Bilanz reguläre Saison: 12-5). In den BBL-Playoffs schaffen es Thompson und Co. dem Serienmeister aus Bamberg die einzige Postseason-Niederlage beizufügen – noch dazu in der Frankenhölle wohlgemerkt (92:93). International sind die Bundesstädter von allen deutschen Mannschaften am längsten unterwegs und ziehen erstmals in der Vereinsgeschichte in ein Halbfinale (FIBA Europe Cup) ein.

One love, one game, one desire

Die Liebe zum Spiel ist geblieben. Der Spaß zurückgekehrt. Es war klar, dass Thompsons Auftritte im magentafarbenen Dress nicht unbemerkt bleiben würden. Schon gar nicht in Ulm. Immerhin hatte er den Schwaben schon während der Saisonvorbereitung beim Turnier in Rhöndorf mit einem männlichen Dunk über Braydon Hobbs hinweg angedeutet, dass er wieder Bock auf Ballsport hat. Beim Besuch der „Spatzen“ im Telekom Dome bringt der Swingman mit 20 Punkten, vier Rebounds und zwei Assists von allem ein bisschen auf die Anzeigetafel.

„Ryan besitzt herausragende Fähigkeiten im Eins-gegen-Eins, ist aber für einen Small Forward überraschend stark im Kreieren für seine Mitspieler“, gibt Ulms Headcoach Thorsten Leibenath nach der Unterzeichnung des Zweijahres-Vertrags zu Protokoll. „Ryan ist ein sehr vielseitiger Spieler, der bereits unter Beweis gestellt hat, dass er in der BBL ein absoluter Leistungsträger ist.“ Aber er ist vor allem einer, der seinen inneren Frieden und auf dem Feld genügend Freiheiten braucht. Nur dann wird sich das Meer regelmäßig auch zukünftig vor Thomspon teilen und die Fans von den Sitzen reißen.







 

Die nächsten Heimspiele der Telekom Baskets Bonn

 

Mi. 4. Oktober 2017 – 19:00 Uhr - easyCredit BBL

Telekom Baskets Bonn vs. ratiopharm ulm


Di. 10. Oktober 2017 – 20:00 Uhr - Basketball Champions League

Telekom Baskets Bonn vs. Telenet Oostende


Fr. 13. Oktober 2017 – 20:30 Uhr - easyCredit BBL

Telekom Baskets Bonn vs. Oettinger Rockets Gotha


 

Tickets für die Heimspiele der Telekom Baskets Bonn gibt es hier:

·         Baskets Online-Ticket-Shop: www.baskets.de/ticketshop
·         General-Anzeiger Vorverkaufsstellen
·         Eventim-Vorverkaufsstellen
·         Baskets Ticket-Hotline: 0228 50 20 14
·         Baskets Fanshop bei INTERSPORT SPORTPARTNER (Friedrichsstr. 45, Bonn-Innenstadt)
·         Baskets Sportfabrik (direkt im Telekom Dome)
·         An der Tageskasse im Telekom Dome bei Heimspielen der Telekom Baskets Bonn


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