„Als Trainer musst du ein Boot mit sieben Löchern mit nur sechs Korken retten“

Headcoach Tuomas Iisalo im Kurzinterview vor dem Test gegen Hamburg

Foto: Jörn Wolter

Achtung: Dauerkarten haben für das Testspiel keine Gültigkeit
Aufgrund eines zeitgleichen Aufbaus für eine Fremdveranstaltung im Telekom Dome kann das Foyer nicht betreten werden. Wir bitten um Verständnis. Der Einlass wird dennoch wie gehabt über den Haupteingang des Telekom Dome abgewickelt. Fürs leibliche Wohl ist trotzdem gesorgt: Im Umlauf hinter Block Süd wird sowohl ein Getränke- als auch Essensstand geöffnet sein. Erstmals werden dort die Bonner Pizzabäcker von „Das Pizza Prinzip“ ihre leckeren Speisen anbieten. Im Außenbereich wird zudem der Dunking-Imbiss geöffnet sein. Im Anschluss an das Spiel findet auf dem Spielfeld ein kurzer Fantalk mit Baskets-Headcoach Tuomas Iisalo statt. 


Vor dem Testspiel sprach Marius Volkmann mit Tuomas Iisalo über den aktuellen Stand der Vorbereitung:

Volkmann: Hallo Tuomas, vielen Dank, dass du dir in der stressigen Saisonvorbereitung kurz Zeit genommen hast. Nach dem Testspielsieg gegen Spirou Charleroi warst du nicht ganz zufrieden und hast angemerkt, dass du im Training die Balance zwischen Grundlagen und neuen taktischen Dingen anpassen möchtest. Was hat sich seitdem getan?

Iisalo: Wir haben am vergangenen Wochenende in Frankfurt deutlich ausgewogener gespielt. Für uns ist unsere Identität das Wichtigste. Das bedeutet, dass wir zu diesem Zeitpunkt in der Saisonvorbereitung unsere Grundlagen auf einem sehr hohen Niveau und mit hoher Intensität umsetzen wollen. Das ist uns gegen Frankfurt besser als gegen Charleroi gelungen. Beim Coaching geht es immer darum, ein Boot mit sieben Löchern mit nur sechs Korken vor dem Untergehen zu retten. Es treten immer irgendwo Probleme auf, auf die man schnell reagieren muss. Es ist also ein ständiges Rotieren. Aber die Mannschaft trainiert sehr hart und will auch die Änderungen, die wir einfließen lassen, umsetzen. Das gefällt mir sehr gut.

Du hast heute nach dem Training lange mit Finn Delany geplaudert. Wie wichtig ist es für dich in der Saisonvorbereitung, deine Spieler auch auf einer persönlichen Ebene kennenzulernen?

Es ist enorm wichtig. Ich sage immer, dass wir alle Menschen sind und es daher immer um die Interkation untereinander geht: Interaktion innerhalb des Trainer-Stabs, zwischen Spielern und Trainern und Spielern und Spielern. Daher ist für uns auch das Trainingscamp so wichtig. Dort lernt man sich erst so richtig kennen und findet Gemeinsamkeiten heraus. Bei dem einen ist es Basketball, beim anderen vielleicht etwas ganz anderes. Wir lernen einander nicht nur besser kennen, sondern entwickeln auch ein Verständnis dafür, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat. Es ist nicht nur ein Sport, der von Maschinen gespielt wird. Ich weiß, dass wir unsere Spieler im Training hohen Belastungen aussetzen. Aber wenn das Training vorbei ist, versuchen wir auch auf einer menschlichen, persönlichen Ebene miteinander umzugehen, anstatt eine strikte Trainer-Spieler-Beziehung zu führen. Bislang haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, im Training sehr fordernd und fokussiert zu sein, uns aber außerhalb der Trainingszeiten als Menschen besser kennenlernen.

Morgen findet das erste Spiel vor den Baskets-Fans statt. Was erwartest du von dem Spiel und deiner Mannschaft?

Ich denke, es wird ähnlich wie im letzten Jahr sein: Im damaligen Testspiel gegen Braunschweig konnte man schon eine gewisse Nervosität bei den Spielern spüren, was normal ist. Wir haben erneut viele neue Spieler, die im Telekom Dome noch nicht vor unseren Fans gespielt haben, die sehr gespannt aufs neue Team sind. Aber deshalb machen wir ja auch solche Tests: Die Mannschaft muss sich daran gewöhnen. Ich erwarte von beiden Teams, dass sie mit hoher Intensität spielen. Nicht nur, weil das Spiel vor Fans ausgetragen wird, sondern weil es in der DNA beider Teams verankert ist. Es werden Fehler passieren, aber ich hoffe, dass wir mit unserem Einsatz diese Fehler kompensieren und einen guten ersten Eindruck hinterlassen können.

Jeremy Morgan wurde gegen Frankfurt vorsichtshalber geschont, ist er wieder fit und kann morgen mitspielen?

Zu diesem Zeitpunkt in der Saisonvorbereitung hat jeder Spieler kleinere Probleme, das ist normal. Diese Woche, genau wie die Woche davor und die Trainingswoche in Rogla, waren für das Team die körperlich anstrengendsten. Wir überladen die Jungs aktuell, damit sie anschließend eine Superkompensation erleben, die sie nach der Erholungsphase hoffentlich auf ein neues Level über ihrem vorherigen Niveau bringt. Momentan sieht es danach aus, dass wir mit unserem vollständigen Kader antreten können, aber niemand ist aktuell bei 100 Prozent.  

Mit Frankfurt, nun Hamburg und anschließend Oldenburg stehen bzw. standen drei BBL-Teams in den letzten Wochen der Saisonvorbereitung auf dem Plan. Wolltest du so das Wettkampf-Level langsam bis zum Saisonstart anheben?

Genau. Wir planen die Pre-Season immer so, dass wir uns stetig steigern müssen. Es ist wichtig, dass wir eine gute Balance dabei finden, den Spielern einerseits Selbstbewusstsein zu geben, sie aber andererseits mit Problemen und Herausforderungen zu konfrontieren. Wir sind sehr froh, dass wir in dieser Woche auf gute Teams wie Hamburg und Oldenburg treffen. Wir hatten etwas Pech, dass bei Frankfurt zwei wichtige Spieler fehlten, weswegen vielleicht auch unser Sieg so deutlich ausgefallen ist. Auch bei Cedevita haben Spieler gefehlt. Wir simulieren durch unseren eng getakteten Pre-Season-Plan unseren Saisonstart, der für uns dicht aufeinanderfolgende Spiele in der Basketball Champions League und easyCredit BBL voraussieht. Damit testen wir auch unsere Termin- und Trainingsplanungen für die Saison und fordern dazu das Feedback der Spieler ein. So können wir ausloten, wie wir die Spieler konstant fordern können, ohne sie im Training zu verheizen und sie genug Zeit für die Erholung haben.