Baskets-Horrortrip an die Grenze zu Asien

Die bisher weiteste Reise der Telekom Baskets Bonn ging im letzten Winter ins Land der Tartaren. Im tiefgefrorenen Kazan war eine Boeing für den Rückflug nicht aufzutauen, so dass die Baskets an einem bitterkalten Morgen nicht weiter wussten. Eine eingemottete Propellermaschine wurde aus einem Schuppen geholt, und dort hatte eine mürrische Babuschka im Fellmantel das Sagen, die keine Widerworte duldete", erinnert sich Baskets-Pressemann Michael Mager. Und es war auch der Moment, als Basketballprofis an ihre Kinder und Frauen dachten", sagt Sport-Manager Arvid Kramer Ob das wohl gut geht? Man landete schließlich außerplanmäßig, aber sicher in Gorki, wo eine Linienmaschine wartete. Als im vergangenen Juli in Barcelona die ULEB-Cup-Gruppen ausgelost wurden und die Kugel Bonn" neben die von Perm" fiel, war Kramer leicht erregt" und wenig später auch Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, der gerade über dem Baskets-Sparkonzept brütete. Das Los bedeute Kosten, Reisestrapazen, Gesundheitsrisiken und damit letztlich auch einen Nachteil im Bundesliga-Wettbewerb", so Wiedlich. Denn kaum zurück, müssen die Baskets schon wieder in den Bus nach Würzburg. Aber wir drücken uns nicht. Wer A sagt, muss auch B sagen. Wir vertreten hier Deutschland." Weit, Kazan, weiter, Perm: Die 1,3 Millionen-Metropole liegt mitten im Uralgebirge, Luftlinie rund 3.500 Kilometer von Bonn entfernt. Eigentlich kein Problem. Aber: Als definitiv feststand, dass der neue Flughafen in Perm nicht fertig würde, hatten wir ein dickes Problem", sagt Kramer. Hilfe versprach der kleine Bruder von Baskets-Star Aleksandar Nadjfeji, Stevan Nadjfeji, der bei Perm spielt. Er zeigte uns zwei Lösungen: Entweder zehn Stunden im Bus von Kaliningrad aus oder vier Stunden in einer Turbo-Prop-Maschine von Moskau aus", sagt Kramer. Die Baskets entschieden sich für Turbo-Prop". Wenn heute abend das Meisterschaftsspiel gegen Ludwigsburg (Beginn 19.30 Uhr) auf dem Hardtberg abgepfiffen wird, geht`s gleich ins Bett", weiß Team-Betreuer Sebastian Hammel, dessen Rucksäcke längst mit Power-Riegeln und Vitaminen gepackt sind. Denn schon morgen früh um sieben treffen sich Rencher, Traina & Co. auf dem Flughafen Köln/Bonn. Abflug nach Frankfurt, dort umsteigen in den Flieger nach Moskau, wo man um 15.45 Uhr Ortszeit auf dem berüchtigten, weil heruntergekommenen Airport Scheremetjewo 2" landet. Dann geht es im Bus 1,5 Stunden quer durch Moskau zum Flughafen Domodedowo", wo sich um 20 Uhr vor allem der 2,20 Meter lange Baskets-Center Aleksandar Radojevic in der kleinen Turbo-Prop-Maschine zusammenfalten" muss, um sich erst nach vier Stunden wieder entfalten" zu können. Um Mitternacht dann, so der Reiseplan, Landung in Perm. Die Baskets haben sich vorab schlau gemacht bei den Madrider Kollegen, die Perm schon hinter sich haben. Das Hotel soll ganz okay sein, das Essen nicht, und die Halle mit 7.000 immer ausverkauft", weiß Kramer. Und das Gastteam erhält meist die Zimmer zur vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße und später vom russischen Meister Ural-Great Perm eine 30-Punkte-Packung. Aber nicht wegen der Zimmer, sondern wegen der Reisestrapazen." Der spürbare Heimvorteil der Russen gerät auswärts, wenn man selbst im 14-Tage-Rhythmus die 3.500-Kilometer-Tortur in Knochen und Gelenken hat, zum Nachteil: 82:94 in Badalona, zuletzt gar 68:86 in Gravelines. Da werde ich natürlich oft gefragt »Was soll der ganze Quatsch?«", sagt Wiedlich, aber was sollen die Spieler von Ural-Great sagen?" Die Baskets wollen jedenfalls die Punkte nicht einfach so abgeben. Deshalb haben wir den Montag als zusätzlichen Entspannungstag eingeplant", sagt Kramer, der froh ist, dass man nicht im Januar nach Perm muss. Noch liegt kein Schnee." Der Ruhetag wird kombiniert mit einer neuerlichen karitativen Initiative des Baskets-Fan-Clubs Die Fans Defense". Fans, Spieler und ein WDR-Kamerateam werden die Kinderkrebsklinik besuchen. Das vom WDR gegründete Projekt Die Kinder von Perm" hat die Klinik 1995 mit Spendengeldern finanziert, und seit dem ersten Saison-Heimspiel sammeln die Helfer um den Fanclub-Vorsitzenden Reiner Berhausen bereits. Starben 1995 noch neun von zehn Kindern in Perm an Leukämie, können heute acht von zehn geheilt werden. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, nicht nur zu trommeln, sondern auch solche Dinge zu tun", sagt Berhausen. Beim Rückspiel der Russen auf dem Hardtberg sollen dann die Sammelbüchsen prall gefüllt sein.