Bei dem Job keine Sekunde gezögert

Jochen Luksch wird bei den Telekom Baskets zum 1. Oktober hauptamtlicher Geschäftsführer der BonBas GmbH. Über seine Vorstellungen und Ziele sprach Bert Mark mit dem 41-jährigen Juristen. Frage: Wie lange haben Sie nach dem Angebot der Baskets mit sich gerungen, einen sicheren Job aufzugeben und die berufliche Zukunft bei den Baskets zu suchen? Luksch: Ich habe da keine Sekunde gezögert. Ich halte die Aufgabe und den Zeitpunkt einzusteigen, für unwiederbringlich: von der sportlichen Perspektive her als auch von der Entwicklung der GmbH. Und beides in Kombination mit der neuen Halle - da wartet eine faszinierende Arbeit. Frage: Was kommt an Aufgaben auf Sie zu? Luksch: Die Komplexität kann ich in Teilen nur erahnen, in anderen Teilen gut erfassen, weil ich die handelnden Personen seit Jahren kenne. Die Dimension ist jedenfalls riesig. Frage: Wie würde Sie das Berufsbild beschreiben? Luksch: Ich würde zunächst erklären, dass es zwei getrennte juristische Personen gibt: Den Telekom Baskets e.V. und die BonBas GmbH. Die Trennung ist klar: einmal der Amateur-Sportbereich und davon getrennt alles, was mit dem Bundesligateam zu tun hat. Die GmbH, bei der ich angestellt bin, kümmert sich um die gesamte Abwicklung des wirtschaftlich ausgerichteten Profisportbetriebes. Frage: Was heißt das konkret? Luksch: Das beginnt bei der Zusammenstellung der Mannschaft - alle Spieler plus Trainer sind Angestellte der GmbH -, geht über die Geschäftsstelle mit ihren Angestellten und das gesamte Ticketing bis hin zur Vermarktung, sprich Sponsorenverträge plus Fernseh-Übertragungsrechte. Und dazu kommt als zurzeit spannendstes Projekt: die neue Halle, bei der die GmbH Bauherr wird. Frage: Sind Sie gerade als Jurist für den Job prädestiniert? Luksch: Mein juristischer Hintergrund ist ein Vorteil, den ich objektiv mitbringe. Es ist so, dass ich zu Haftungsfragen etwas sagen oder arbeitsrechtliche und steuerrechtliche Themen mitgestalten kann. Hinzu kommen alle juristischen Fragen für den Hallenkomplex. Ich werde aber nur unter anderem als Jurist angestellt, denn die Baskets haben ein extrem verändertes Anforderungsprofil. Dass ein Angestellter nur einen Aufgabenbereich erhält, dafür ist die Firma Baskets viel zu klein. Wir geben Printprodukte heraus, arbeiten mit Caterern zusammen, produzieren Fanartikel, müssen Werbung akquirieren - alles Aufgaben, die nichts mit dem Kern des Profisports zu tun haben. Frage: Mit Ihrer juristischen Kompetenz haben Sie Vorteile gegenüber Arvid Kramer, der als Sportmanager ganz nah an der Mannschaft ist. Gibt es im Vergleich zu ihm ein Defizit im sportlichen Bereich? Luksch: Ich kann Arvid in seiner sportlichen Kompetenz nicht ersetzen, was aber nach Auffassung von Präsident Wolfgang Wiedlich auch nicht das Ziel meiner Anstellung ist. Es wäre absurd, wenn ich mit diesem Ziel antreten würde. Deshalb wird Arvid weiter zum Basketsteam gehören. Frage: Aber wer sitzt mit Spielern oder Agenten zu Vertragsverhandlungen am Tisch? Luksch: Zurzeit Arvid und Wolfgang. Ich werde später mit von der Partie sein. Es wird Budgetvorgaben geben, innerhalb derer Arvid handeln kann. Das kann er auch von San Diego aus. Seine Erfahrung mit Agenten und Spielern ist unverzichtbar, aber natürlich wird Headcoach Predrag Krunic immer das letzte Wort bei Neuverpflichtungen haben. Frage: Was kommt auf Sie im Zusammenhang mit der neuen Halle dazu? Luksch: Bis zur letztendlichen politischen und rechtlichen Genehmigung gibt es noch viele Verhandlungen mit der Stadt, mit den Ausschüssen, mit dem Kämmerer. Da bin ich, auch weil ich noch meinen alten Job habe, in einer Nebenbei-Funktion, weil alles in der Person und Arbeitskraft Wolfgang Wiedlich zusammenläuft. Wenn ich am 1. Oktober antrete, ist diese Hürde hoffentlich genommen. Dann stehen Vorbereitungen der Bauarbeiten und Beauftragung der Bauunternehmen an, während das Finanzierungskonzept ja glücklicherweise schon weitgehend steht. Frage: Und richtig heiß wird es für Sie in der Bauphase? Luksch: Mit Sicherheit. Da wird unser ganzes Team gefordert sein. Für die eigentliche Bauleitung haben wir erfahrene Personen ausgeguckt, und der Architekt Jan van Dorp, der bisher die größte Last trug, und das ohne einen Cent Honorar, wird dann hoffentlich etwas entlastet. Frage: Können die Baskets so ein Projekt alleine stemmen? Luksch: Wenn ich die Baskets-Geschichte betrachte, war das nie anders. Andererseits sehen die Leute auch, wenn Aufgaben sie zeitlich oder inhaltlich überfordern. Deshalb wird es beim Hallenbau ohne Hilfe von außen nicht gehen. Es ist ein Spagat: Was können wir uns an Fremdhilfe leisten? Was ist unverzichtbar? Hätten die Baskets bislang für jede zusätzliche Aufgabe eine Agentur eingeschaltet, wäre sicher keine regelmäßige Play-off-Teilnahme möglich gewesen. Frage: Spätestens wenn die Halle fertig ist, wird auch Ihre Marketing-Vergangenheit gefordert. Müssen die Baskets diesem Bereich dann nicht mehr Aufmerksamkeit widmen, den sie bei ausgelasteter Hardtberghalle auf Sparflamme kochen konnten? Luksch: Daran besteht kein Zweifel. Ich würde auch in aller Bescheidenheit behaupten, dass ich das kann. Ich verkaufe gerne. In dem Sinne, dass ich ein gutes Produkt den richtigen Leuten, im richtigen Umfeld und in der richtigen Form präsentiere. Aber ich werde nicht am 1. Oktober antreten und am 15. Oktober erklären, was ich anders machen möchte. Denn die Baskets haben viele Erfahrungen und gute Instinkte aus den vergangenen acht Jahren, um zu beurteilen, was geht und was nicht. Frage: Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Gibt es Ziele für den sportlichen Bereich? Luksch: (lacht) Ich werde jetzt nicht sagen, ich will mit den Baskets 2007 Deutscher Meister werden. Nein, was ich mir wünsche: Dass wir mit der Halle die Basis für eine längerfristigere Planung des Teams schaffen. Klassisches Basketsproblem: Einjahresvertrag, Steigerung des Marktwertes, zack ist der Spieler weg. Leistungsträger längerfristig zu binden - das müssen wir mittelfristig schaffen. WAS IST BONBAS? Die BonBas GmbH (Bonn-Baskets), deren hauptamtlicher Geschäftsführer Luksch am 1. Oktober wird, wurde nach der Ankündigung von Sportmanager Arvid Kramer gegründet, im Herbst nach San Diego in seine US-Heimat zurückzukehren. Kramer war bislang Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der Baskets GmbH. Die Neugründung erfolgt auch, weil die Aufgabengebiete der GmbH im Zusammenhang mit dem Bau und Betrieb der neuen Baskets-Halle stark erweitert werden. Fast alle großen Sportvereine haben ihre Profi-Abteilungen von ihren Breitensportvereinen (e.V.) juristisch abgekoppelt und in der Buchführung streng getrennt. Zum einen, um steuerliche Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Ebenso wichtig: Gerät eine Profiabteilung in finanzielle Turbulenzen oder geht Konkurs, ist der Verein nicht existenziell betroffen. Auch nach dem Aus für ein Profiteam überleben Jugend- und Breitensport. (MK)