Bei uns spielen nur Jungs aus Bonn und Umgebung

Bonn. Mit Platz vier kehrte das U 16-Team der Telekom Baskets Bonn von der Endrunde um die deutsche Basketball-Meisterschaft in Berlin zurück. Allein die Teilnahme war eine Überraschung und ein großer Erfolg für die Truppe von Peter Schmücker. Mit dem leitenden Jugendtrainer der Baskets sprach Gerhard Mertens.General-Anzeiger: Sie waren mit der U-16 der Telekom Baskets Bonn unter den letzten Vier in Deutschland und hatten die Meister aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hinter sich gelassen. Nun sind sie mit zwei Niederlagen aus Berlin zurückgekehrt. Enttäuscht? Peter Schmücker: Ja, im Halbfinale gegen den Süd-Meister Breitengüßbach, Partner von TSK Bamberg, hatten wir eine größere Chance als es das Ergebnis widerspiegelt. GA: Woran lag es? Schmücker: Wir lagen schnell mit 4:16 hinten, sind nicht aggressiv genug gestartet, was wichtig gewesen wäre, weil der Gegner körperlich überlegen war. GA: Gibt es in Oberfranken mehr größere 15-Jährige als in Bonn? Schmücker: Die Verteilung des Längenwachstums ist, denke ich, überall gleich, aber die Teams unserer Gegner sind Anlaufpunkte für die besten Spieler einer größeren Region. Der TV Langen hat fast die gesamte Hessenauswahl bei sich konzentriert, Breitengüßbach/Bamberg die Bayern-Auswahl, und hinter IBBA Berlin verbirgt sich die Internationale Basketball-Akademie mit einem hohen Ausbildungsstandard. Bei uns spielen nur Jungs aus Bonn und Umgebung. GA: Was nehmen Sie als Erfahrung mit? Schmücker: Dass alle nur mit Wasser kochen, und dass man auch mit bescheidenen Mitteln viel erreichen kann. Alle unsere Gegner haben Top-Trainingsbedingungen, Berlin schlug mit mehreren Co-Trainern, Videoteam und Physiotherapie-Team auf; da wird das ganze Jahr wie in einem Bundesliga-Team gearbeitet. Wohnen, Trainieren, Hausaufgaben - alles unter einem Dach. In Bonn kann ja noch nicht einmal unser Bundesligateam optimal trainieren. Ich hoffe, dass es bald eine Basketballhalle gibt, in der man auch Einzeltraining durchführen kann. GA: Wird man aus den aktuellen deutschen Jugendmeisterteams irgendwann Spieler in der Bundesliga sehen? Schmücker: Darüber entscheiden drei Faktoren. Erstens: Wie geht das gesamte Umfeld zwischen Schule, Eltern und Trainer mit einem solchen Erfolg um? Persönlichkeit und Charakter eines Talents sind ausschlaggebende Größen. Zweitens: Kann die Trainingsintensität bis zum Seniorenalter gehalten und noch gesteigert werden? Diese Konstanz ist - drittens - sehr wichtig, denn ein Bundesliga-Spieler muss Woche für Woche erstligataugliche Leistung bringen. Leider ist es häufig so, dass ein Jugendlicher nach einem Titelgewinn gleich seine Nase durch den Himmel trägt, deshalb ist das Umfeld enorm wichtig, das den Spieler auf dem Teppich halten muss. GA: Sie meinen, Jugendliche heben zu schnell ab? Schmücker: Teilweise können Sie gar nichts dafür. Wie soll sich ein 14- oder 15-Jähriger denn fühlen, der bereits von Agenten angesprochen wird? Der denkt doch, ich bin schon wer, dabei steht er erst am Anfang. GA: Ihre Mannschaft hatte in der NRW-Liga außer Leverkusen und Paderborn kaum ernsthafte Gegner. Und plötzlich spielt man gegen die Landesmeister . . . Schmücker: Das ist sicherlich ein Problem. Deshalb wäre ich durchaus dafür, wenn auf der U 20- oder U 18-Ebene eine Bundesliga oder eine Nord- und Südliga eingerichtet wird.