Bonn in Braunschweig nicht zu stoppen

Die Telekom Baskets bleiben weiter ohne Niederlage in der Basketball-Bundesliga. Am vierten Spieltag fuhren die Bonner einen in dieser Höhe sicher unerwarteten 85:64-Sieg (15:17, 18:25, 15:21, 16:22) bei BS|Energy Braunschweig ein. Und das, obwohl sich die Niedersachsen erst vor zwei Tagen durch einen 76:66 über den früheren Serienmeister Alba Berlin auszeichnen konnten.Besser konnten wir nicht in die Saison starten, lautetete der trockene wie treffende Kommentar von Baskets-Coach Predrag Krunic nach der Schlusssirene. Sein Team hatte in der mit 3.500 Zuschauern nur halb gefüllten Volkswagenhalle eine eindrucksvolle Vorstellung geboten. Wie schon in der vergangenen Saison demontierten die Baskets das Team von Trainer Scalabroni durch einen Sieg mit 21 Punkten Vorsprung. Nur in der Anfangsphase schien es, als könnten die Braunschweiger ihre starke Leistung vom vergangenen Freitag an diesem Sonntagnachmittag wiederholen. Nach knapp sieben Minuten waren den Baskets gerade einmal fünf Punkte gelungen und die Hausherren führten 12:5. Doch die restlichen drei Minuten des ersten Viertels gaben einen Vorgeschmack auf den weiteren Ablauf des Matches. Die Baskets legten einen ersten Zwischenspurt ein und entschieden durch einen 12:3-Lauf in 180 Sekunden den ersten Spielabschnitt doch noch für sich (17:15). Es war besonders Kristaps Janicenoks, der den Bonner Angriff ans Laufen brachte. Der von der Bank kommende lettische Nationalspieler machte in gerade einmal drei Minuten sieben Punkte und das in fast allen Varianten: Fastbreak mit Korbleger, Freiwürfe, Dreier. Ein Ruck ging durch das Bonner Team und von nun an bestimmten die Baskets das Geschehen. Wenn es schnell ging, liefen die Hausherren zumeist hinterher. Altron Jackson zeigte sich erneut in starker Form. Dem US-Amerikaner in den Bonner Reihen gelang im vierten Spiel der Saison das dritte Double-double, d.h. zweistellige Werte bei Punkten (16) und Rebounds (10). Egal ob vorne oder unter dem eigenen Korb: Jackson hatte seine Finger fast an jedem Ball. Die starke Leistung der Bonner in Braunschweig beruhte jedoch nicht auf der Leistung eines einzelnen Spielers, sondern auf der Vorstellung des gesamten Teams. Predrag Krunic setzte insgesamt elf Spieler ein. Besonders erfreulich war der Auftritt der Bonner Bankspieler. So wurde Kristaps Janicenoks mit 19 Punkten Topscorer des Spiels. Und das in gerade einmal 22 Minuten. Oder Martin Mihajlovic. Der junge Slowene, der eigentlich hinter Aleksandar Djuric und dem noch verletzten Peter Huber-Saffer Center Nr. 3 im Bonner Kader ist, spielte beherzt und erfolgreich: Neun Punkte (darunter ein Dreier) bei einer Wurfquote von 100%. Im dritten schweren Spiel nach Perm (Fiba-Europapokal) und Berlin wirkte Braunschweig oft einen Schritt zu langsam. Vor allem die Bonner Teamdefense agierte zu schnell und aggressiv und zwang damit die Gastgeber zu schlechten Würfen oder ungenauen Pässen. Anders die Baskets: War der Ball erst einmal gewonnen, ging es zumeist ohne Umwege Richtung Braunschweiger Korb. Dort standen den 58% Wurfquote auf Bonner Seite nur magere 40% von BS|Energy gegenüber. So nahm das Schicksal für die Braunschweiger spätestens in der zweiten Halbzeit seinen Lauf. Hatte man durch Reaves in der 23. Minute noch einmal auf 46:40 verkürzen können, kam das Team um Aufbauspieler Gordon Firic, der vor zwei Tagen gegen Berlin noch 21 Punkte markierte, jetzt gehörig unter die Räder. Zum letzten Viertel führten die Baskets bereits mit 63:48. Vier Minuten später lagen gar 23 Punkte zwischen Bonn und Braunschweig (71:48). Ein Freiwurf des Kanadiers Karangwa, der mit insgesamt elf Punkten bester Schütze seines Teams wurde, beendete eine über vier Minuten lange Durststrecke ohne Punkte der Hausherren. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt längst gelaufen. Das finale Highlight setzte Baskets-Nachwuchsspieler Max Brammertz, der bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz die letzten Bonner Punkte zum 85:64-Endstand beisteuerte. Baskets-Coach Predrag Krunic: "Ich bin sehr zufrieden. Mein Team hat heute eine sehr gute Defense gezeigt, jeder hat sehr gut gespielt. Das war der Grund für diesen Sieg. Braunschweig hatte drei Spiele in fünf Tagen, das war sicherlich sehr schwer." BS|ENERGY-Coach Ken Scalabroni: "Glückwunsch an Bonn. Sie haben verdient die Punkte aus Braunschweig entführt. Bonn war in allen Belangen einen Tick schneller, vor allen Dingen in der Defense." Nach zwei Doppelspieltagen zum Auftakt der BBL-Saison 04/05 haben die Telekom Baskets als einziges von 16 Teams noch eine weiße Weste. Mit 8:0 Punkten führen sie die Bundesliga-Tabelle an. Der erste große Härtetest folgt am kommenden Samstag, den 6. November 2004 in der Bonner Hardtberghalle. Dann empfangen die Baskets das Team von Alba Berlin.