Bonner Rundschau vom 25.09.2001Jetzt träumen Baskets von der Europaliga

Bonn. Können die Telekom Baskets Bonn morgen Abend in Slowenien den Grundstein für eine sportliche Sensation legen? Wenn sie in der dritten und letzten Runde der Europaliga-Qualifikation beim slowenischen Vizemeister Krka Novo Mesto ein gutes Ergebnis erkämpfen, können sie am Freitag beim Rückspiel in der Hardtberghalle das perfekt machen, was ihnen eigentlich keiner zugetraut hatte: Den Sprung in die höchste Liga des europäischen Basketballs. Nach den vier Siegen gegen Darüssafaka Istanbul und KK Split ist der Truppe von Chefcoach Predrag Krunic auch dieser Husarenstreich noch zuzutrauen. Auch wenn die Slowenen wohl ein ganz anderes Kaliber darstellen als die junge Truppe aus Split, die sich personell in einem Umbruch befindet. Aber die Art wie die Bonner in Kroatien auftrumpften, wird ihnen weiteres Selbstvertrauen geben. Mit Bonn und Novo Mesto treffen morgen zwei Klubs aufeinander, die viele Gemeinsamkeiten haben. Das fängt mit dem Hauptsponsor an (Novo Mesto wird von der slowenischen Telekom unterstützt) und gilt auch für den sportlichen Werdegang. Denn ähnlich wie Bonn arbeitete sich Novo Mesto aus der Zweitklassigkeit zur Nummer zwei im Lande empor. Nach einer langen Krise in den 80-er und zu Beginn der 90-er Jahre gelang 1997 der Wiederaufstieg in die Erste Liga, man erreichte danach jedes Jahr zumindest das Halbfinale der nationalen Meisterschaft. Einen Unterschied gibt es aber zu Bonn im ewigen Zweikampf mit Alba Berlin: Novo Mesto stürzte Meister Olimpija Ljubljana im Sommer 2000 vom Thron, gab danach in der 2001 schon ein Gastspiel im europäischen Oberhaus, der Suproleague. Die Slowenen überstanden dabei die Gruppenspiele und scheiterten erst im Achtelfinale am späteren Finalisten Panathinaikos Athen. Slowenen haben schon Europaliga-Erfahrung So wartet auf die Baskets morgen eine mit allen Wassern gewaschene Truppe aus der Tradition des jugoslawischen Basketballs, in der mit Bennett Davison ein US-Boy als Flügelspieler steht, ansonsten aber Jugoslawen, Kroaten und Slowenen den Ton angeben. Mit einem Manko muss Chefcoach Ales Pipan aber fertig werden: Die fehlende Spielpraxis. Denn weder läuft die nationale Meisterschaft schon wieder, noch brauchte Novo Mesto bislang in der Europaliga-Qualifikation einzugreifen, da die zugelosten Gegner aus Schweden (Lulea Planja) und der Schweiz (Lugano) wegen fehlender Erfolgsaussichten verzichteten. Ob das für die ausgeruhten Slowenen ein Vorteil war, oder ob die vier Spiele in zehn Tagen für die strapazierten Baskets sogar ein Vorteil waren, auch das wird sich morgen Abend erweisen. Immerhin bissen auch die gesundheitlich angeschlagenen Bonner wie Hurl Beechum, Mike Mardesich und Aleksandar Nadjfeji in Split auf die Zähne und kämpften gegen die schwindenden Kräfte an. Zu denken geben wird Predrag Krunic und Co-Trainer Carsten Schul aber, dass ihren Jungs noch die Konstanz fehlt, dass sie wie schon im Hinspiel nach brillanten Phasen auch wieder in tiefe Löcher fielen. So ließen sie die Gastgeber nach deutlichen Führungen immer wieder heran kommen, anstatt die Partie frühzeitig zu entscheiden. Zwar täuscht das 90:86 mehr Dramatik vor, als die Partie in Wahrheit bot, denn spätestens nach dem Dreier des überragenden Terrence Rencher (22 Punkte, 89 Prozent Trefferquote) zum 84:63 (34. Minute) war das Weiterkommen nicht mehr in Gefahr. Dass sie die Kroaten danach aber zu einem 23:6-Lauf kommen ließen, war schon fahrlässig. Zwar hatte das Telekom-Team den im Hinspiel nicht zu bremsenden bulligen Center Josko Poljak sehr gut im Griff (nur vier Punkte), dies ging aber auf Kosten eine hohen Foulbelastung. Am Ende musste Marc Suhr mit fünf Fouls auf die Bank, mit Rencher, Nadjfeji, Beechum, Burke, Zecevic und Klepac standen aber nicht weniger als sechs andere mit vier Fouls kurz vor der Elimination. "Wir haben viel zu viele unnötige Fouls kassiert", kritisierte denn auch Carsten Schul, der auch Schwächen im Rebound (Bonn 28, Split 36) notiert haben wird. Alle Baskets fiebern jetzt aber dem kommenden Freitag entgegen. "Wir stehen ganz kurz davor, uns und Bonn mit der Champions-League einen Traum zu erfüllen", sagte Präsident Wolfgang Wiedlich. Hinspiel am Mittwoch (20 Uhr) und Rückspiel (20.00 Uhr) werden von Radio Bonn-Rhein-Sieg live übertragen, der Vorverkauf für Freitag läuft schon. Tickets gibt es bei vielen Bonn-Ticket-Vorverkaufsstellen und im Internet unter der Adresse www.bonnticket.de (Telefon-Hotline 0180-5001812)