Das 350-Teile-Puzzle

Nach zehn Jahren Dauereinsatz: Baskets investieren in ein neues Holzparkett im Telekom Dome

Bloß keinen Fehler machen: Die 338 "Puzzleteile" wollen passgenau zusammengefügt werden.

Dazu wettbewerbsübergreifend 254 Pflichtspiele, in denen zuweilen Schwergewichte wie John Bowler (129 Kilo!) von Grundlinie zu Grundlinie liefen und dem Parkett punktuell alles abverlangten. Auch Champagner machte dem stets penibel gepflegten Boden nichts aus. So feierte erst ALBA Berlin 2009 die Meisterschaft im Telekom Dome, drei Jahre später Brose Bamberg den Pokalsieg. Es sei schon erstaunlich, „dass das Holzparkett so lange einsatztauglich war“, sagt Hallenchef Hans-Günter Roesberg.

Roesberg erklärt die unvermeidbare Abnutzung: „Die Oberflächenstruktur und die Federn der einzelnen Parkett-Elemente weisen nach zehn Jahren einen gewissen Verschleiß auf. Da entstehen mitunter die berühmten »Löcher im Boden«, die jeder Basketballer kennt, wenn eine Holzspielfläche nicht mehr auf jedem Quadratdezimeter die gleichen Eigenschaften aufweist. Im Worstcase kann es letztlich gar dazu kommen, dass eine der insgesamt 350 Platten reißt oder gar bricht – was unmittelbar einen Spielabbruch bedeuten würde.“ Unwahrscheinlich war das trotzdem, „denn kleinere Macken hatten wir immer direkt ausgebessert. Im Endeffekt ist wie bei den Sportlern: Eine gute Prävention ist die halbe Miete.“

Also rund 350 Puzzle-Teile, die schließlich – zusammengebaut – eine  608 Quadratmeter große Gesamtfläche ergeben. Hört sich einfach an. Aber: Muss das Parkett wegen einer Fremdveranstaltung ab- und später wieder aufgebaut werden, „entscheidet neben der Beanspruchung letztlich der sorgfältige Umgang über die Lebensdauer“, sagt Roesberg. „Schnell bricht da einmal eine Ecke ab, und wenn das jedes Mal passiert, schrumpft eben die Boden-Lebenszeit.“ Insofern mache die recht lange Lebensdauer des alten Parketts bei fast täglicher Beanspruchung „unserer Hallentechnik ein großes Kompliment“, sagt Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich. „Nun war die Investition nicht mehr länger aufzuschieben, und die 60.000 Euro dafür haben wir frühzeitig eingeplant.“ Es sei klar, dass nach zehn Jahren nun die Phase der Instandhaltung und Erneuerung anbreche, „aber wenn wir  das alles Stück für Stück planen und umsetzen, ist es wirtschaftlich hoffentlich machbar“, sagt Wiedlich. Zu den nächsten größeren Herausforderungen gehöre die Kernsanierung der Betonoberflächen im Halleninnern und ein neuer Hallenanstrich.

Doch diesmal entwickelte sich das neue Holzparkett zum Sorgenkind. Eigentlich sollte es mit Beginn des Trainingslagers Mitte August startklar sein, doch daraus wurde nichts. „Die Bohrlöcher für die Verankerung der Korbanlage auf dem Parkett fehlten, und die Magenta-Lackierung der Außenflächen hatte verschiedene Farbtöne und ein Randstreifen war ganz ohne Farbe“, sagt Roesberg. „Dass jetzt alles aus einem Guss ist, bedeutete eine Verzögerung von fast drei Wochen“, meint Wiedlich,  „aber bei so großen Maßnahmen laufe selten alles glatt.“ Schließlich ging es noch um Feinarbeit: Die lackierte Fläche bestehe ja aus Einzelteilen, erklärt Roesberg, „deshalb musste sie nach der Flächenlackierung sorgfältig geschnitten werden, alle Kanten wurden mit Schleifpapier geschliffen, wobei uns die Schreinerei Voelzgen tatkräftig unterstützt hat“. Letzte Maßnahme: Das Auftragen einer Wachsschicht, einer sogenannten Sportcare-Schicht – und dann durfte das neue Basketsteam endlich loslegen. Das Parkett ist nun reif und empfangsbereit für die nächsten Basketball-Schlachten auf dem Hardtberg. Und natürlich den Alltag, wozu die Trainingseinheiten des BBL-Basketsteams ebenso gehören wie einzelne des Rhöndorfer ProB-Teams oder der Jugend-Bundesliga-Mannschaften in JBBL und NBBL.

Was für ein Trost: Das geschichtsträchtige Baskets-Altparkett endet nicht zerschreddert als Holzpellets, sondern wird vom Hersteller aufgearbeitet und wieder verkauft. Und wird dann auf seine ganz alten Tage in einer Halle dienen, wo es nicht mehr einer Intensivnutzung ausgesetzt ist. „Wo das sein wird, wissen wir nicht“, sagt Wiedlich. „Kann auch sein, dass darauf nicht mehr Basketball stattfindet, sondern entspanntes Mutter-und-Kind-Turnen.“


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