Die Hardtberghalle wurde zum Tollhaus

Seit dem Aufstieg der Telekom Baskets in die BBL vor acht Jahren gab es schon einige Spiele auf dem Hardtberg, die unvergessen blieben. Am Freitagabend war es wieder soweit. In einem dramatischen, hochklassigen und äußerst attraktiven Spiel, bezwangen die Bonner vor 3.500 restlos begeisterten Zuschauern, darunter mehr als 100 jecke Hessen, den Angstgegner aus Frankfurt erstmals in eigener Halle mit 84:79. Und das, obwohl gleich drei Leistungsträger aus der Starting-Five fehlten oder angeschlagen waren. So musste Baskets-Headcoach Predrag Krunic nach wie vor auf Center Miladin Mutavdzic verzichten, der wegen einer Operation am Meniskus erst wieder in rund drei Wochen auflaufen kann. Ebenfalls stark angeschlagen: Baskets-Guard Aleksandar Capin. Der 21jährige verstauchte sich am vergangenen Mittwoch den Knöchel und konnte nur unter starken Schmerzen laufen, folglich saß Aco zu Beginn des Spiels nur auf der Bank. Zu allem übel ging auch noch Rimantas Kaukenas mit Fieber und einer bösen Entzündung am rechten Fuß ins Spiel. Doch die Teamkollegen sprangen in die Bresche. Allen voran Loukas Lazoukitz, der über 23 Minuten das Bonner Spiel gestaltete und dabei eine gute Figur machte. Gleich mehrmals konnte der junge Grieche seine Mitspieler mit spektakulären Pässen in Szene setzen. Auf der Center-Position glänzte in der Anfangsphase mit sechs schnellen Punkten Teamkapitän Branko Klepac, aber der überragende Mann der ersten Halbzeit war wieder einmal Aleksandar Nadjfeji. Ob per Dreier oder direkt am Korb, Sasa war von den Gästen kaum zu stoppen und erzielte bis zum Seitenwechsel 16 seiner insgesamt 26 Punkte. Ihm kaum nach stand Altron Jackson, der besonders im zweiten Durchgang aufdrehte, 25 Punkte machte und acht Rebounds holte. Das Topspiel des 20. Spieltages der BBL zwischen dem Tabellenzweiten vom Main und dem Dritten vom Rhein hielt über die gesamten 40 Minuten, was es versprach. Dabei ging das erste Viertel eindeutig an die Gastgeber, die in der kochenden Hardtberghalle in der 9. Minute bereits mit 25:16 in Front lagen. Bei den Gästen, die in Bonn noch nie ein Spiel verloren hatten, sorgte in dieser Phase vor allem Chris Williams dafür, dass der Rückstand nicht zu groß wurde. Skyliners-Coach Gordon Herbert reagierte und stellte sein Team vor allem in der Defense besser auf. Prompt geriet das bis dahin souveräne Spiel der Baskets ins Wanken. Besonders Nationalspieler Pascal Roller erhielt zu wenig Aufmerksamkeit durch die Bonner Verteidigung und bedankte sich gleich dreimal mit einem Drei-Punkte-Wurf. Bis kurz vor der Pause konnten die Frankfurter einen Sieben-Punkte-Vorsprung herausspielen (48:41) und es schien fast so, als ob die Gäste auch beim fünften Bonner Gastauftritt den Spielverderber spielen wollten. Gegen die auf allen Positionen hervorragend besetzten Franfurter konnten die Baskets nur mit viel Kampf und noch mehr Herz bestehen. Drei Minuten nach der Pause kamen die Bonner unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Fans wieder zum Ausgleich (50:50). Doch der Geräuschpegel erfuhr noch eine Steigerung, als direkt im Anschluss Lazoukits per Dreier das 53:50 markierte. Drei Minuten danach brachte Nadjfeji mit einem Dunking sein Team sogar mit neun Punkten in Führung (63:54, 27.). Doch die Gäste vom Main reagieren ganz im Stil einer Spitzenmannschaft. Ein 12:2-Lauf bringt den Skyliners zu Beginn des letzten Abschnitts erneut die Führung (66:65). Die Dramatik erreicht in den folgenden Minuten ihren Höhepunkt. Altron Jackson kontert mit einem Freiwurf und einem Dreier, doch der starke Pascal Roller antwortet trocken ebenfalls aus der Distanz. Bis 22 Sekunden vor dem Ende bleibt das Spiel auf des Messers Schneide. Neuzugang Djordje Djogo gelingen zwei ungemein wichtige Ballgewinne, Rimantas Kaukenas behält trotz einer katastrophalen Bonner Freiwurfquote von mageren 59% im entscheidenden Moment die Nerven und verwandelt zwei Bonuswürfe sicher zum 82:79. Die Spannung ist kaum auszuhalten, als im Gegenzug Skyliner Tyrone Ellis nach einem Foul an die Linie muss. Der sonst so sichere Schütze zeigt Nerven und vergibt beide Würfe. Den Baskets ist der Sieg am Karnevalsfreitag nicht mehr zu nehmen. Jackson vollstreckt elf Sekunden vor Schluss ebenfalls von der Linie zum 84:79-Endstand für sein Team. Jetzt brechen in der Hardtberghalle alle Dämme. Die Zuschauer stürmen das Spielfeld und Bonns größte Polonaise macht sich mit Spielern, Cheerleadern und Fans auf den Weg. Topscorer Aleksandar Nadjfeji meinte: Wir hatten viele Verletzte und dennoch sehr gut gekämpft. Ich bin sehr stolz auf den Sieg. Danke an die großartigen Fans, die uns zum Sieg getrieben haben. Frankfurts Pascal Roller: Wir hatten das Spiel nie ganz in den Griff bekommen, aber in so einer Atmosphäre zu gewinnen ist sehr schwer. Unsere Defense war nicht gut genug. Viel Zeit zum Feiern bleibt den Telekom Baskets nicht, denn bereits am Aschermittwoch wartet der nächste schwere Brocken auf die Bonner. Im Viertelfinale um den BBL-Pokal geht es um den Einzug in das TOP4-Turnier. Gegner bei diesem Endspiel ist kein geringer als das Team von RheinEnergie Köln. Tickets gibt es noch an allen Baskets-Vorverkaufsstellen von Bonnticket.