GA-Online vom 27.07.2003: Die Baskets sind ja nicht mit Bonn verheiratet"

Von Hansjürgen Melzer und Gert auf der HeideBonn. Viele Unternehmen reduzieren ihre Sportförderung. Die Telekom tut das nicht. Stephan Althoff, bei dem Bonner Konzern fürs Sportsponsoring zuständig, äußert sich im GA-Interview zur Tour de France, zum Engagement der Telekom im Fußball und zu den Telekom Baskets. Mit Althoff sprachen Hansjürgen Melzer und Gert auf der Heide.GA: Ganz Deutschland redet über das Duell Armstrong gegen Ullrich, aber kaum einer mehr vom Team Telekom. Ist das nach Jahren im Rampenlicht eine ernüchternde Erkenntnis für den Sponsor? STEPHAN ALTHOFF: Logisch, dass Jan jetzt im Mittelpunkt steht. Aber das Team Telekom hat gezeigt, dass es sportlich konkurrenzfähig ist. Diesen Status wollen wir halten und sogar verbessern. GA: Hätte ein Jan Ullrich aufgrund seiner einzigartigen Popularität nicht mit allen Mitteln gehalten werden müssen? ALTHOFF: Wir haben es ja versucht und sind an die Grenze dessen gegangen, was vertretbar war. Es war ein lukratives Angebot. GA: Teamchef Walter Godefroot verweist darauf, dass bei Bayern München auch die Tore des Brasilianers Elber bejubelt werden. Dennoch ist den Radsportfans nicht einzuimpfen, dass sie sich für den Kasachen Winokurow oder den Kolumbianer Botero begeistern sollen. Ist da nicht der Sponsor gefragt, korrigierend einzuwirken? ALTHOFF: So etwas ist eine Frage der Zeit. Viele Jahre war das Team Telekom praktisch eine deutsche Nationalmannschaft. Jetzt wollen wir die Mannschaft international ausbauen. Heute kennen nicht nur Radsportfans den Namen Winokurow und wissen, dass er fürs Team Telekom fährt. GA: Lässt sich Godefroots Einkaufspolitik, auf starke Ausländer zu setzen, auch so interpretieren, dass er sich bei einem Ausstieg der Telekom für einen anderen Global Player als Sponsor interessant machen will? ALTHOFF: Es gibt bei der Telekom ein hundertzehnprozentiges Bekenntnis zum Radsport. Walter Godefroot hat keine Veranlassung, sich für andere Unternehmen schön zu machen. Wir streben jetzt eine europäische und keine deutsche Nationalmannschaft mehr an. Wenn allerdings einer wie Jan Ullrich da wäre, würden wir ihn verpflichten. GA: Neben dem Radsport engagiert sich die Telekom mehr und mehr im Fußball. Dass der Konzern insgesamt 45 Millionen Euro ausgibt, um sich bei der WM 2006 zu präsentieren, werden die meisten nachvollziehen können. Aber wie vermitteln Sie Ihr Engagement bei Bayern München, das pro Jahr immerhin 20 Millionen kostet? ALTHOFF: Sicher, die Bayern polarisieren. Doch spätestens, wenn sie international spielen, drücken wieder alle die Daumen. Es hat sich ja einiges geändert bei den Bayern. Ballack und Elber sind Sympathieträger. Allenfalls bei Kahn oder Hoeneß gehen die Meinungen manchmal auseinander. Und selbst das wird sich ändern. Du brauchst im Sportsponsoring vor allem eines: einen langen Atem. Das hat man ja bei unseren Radsport-Engagement gesehen, wo wir in der Anfangsphase manchmal als Schneckenpost verhöhnt worden sind. GA: Schon jetzt ist die Telekom laut Umfrage-Ergebnissen Deutschlands bekanntester Sportsponsor. Lohnen solch riesige Investitionen überhaupt noch? ALTHOFF: Sportsponsoring als Instrument ist nicht so schnell erschöpft. Es geht ja nicht nur um Deutschland. Wir machen unsere Marken auch international bekannt. Vor allem kannst du dein Image darüber dramatisch verbessern, zumal als ehemalige Behörde. GA: Wie hoch ist der Sportsponsoring-Etat der Telekom? ALTHOFF: Rund 50 Millionen Euro pro Jahr. Das sind drei Prozent des Marketing-Etats und etwas mehr als früher. Wegen der WM 2006. GA: Warum geht die Telekom nicht in die Formel 1? ALTHOFF: Wir waren ja bis vor einem Jahr bei McLaren und haben gelernt: Formel 1 muss man richtig oder gar nicht machen. Unser kleines Engagement hat sich nicht ausgezahlt. GA: Aber die Einschaltquoten sind doch fantastisch. ALTHOFF: Nur in Deutschland und Italien. Ansonsten geht das zurück. Wenn Formel 1, dann müsste es ein magenta-farbenes Auto sein, das in drei Jahren gewinnen kann. Oder eine Frau muss am Steuer sitzen. Aber dieses Paket käme uns dreimal so teuer wie jetzt die Bayern. GA: Es heißt, die Telekom zahle 10 Millionen für die Präsentation der Sportschau. ALTHOFF: Viel zu hoch gegriffen. GA: Dennoch, die Telekom lässt sich ihre nationale und internationale Präsenz im Sport einiges kosten. Wie passen die Telekom Baskets da rein? ALTHOFF: Das ist ja kein klassisches Sponsoring. Es ist unser Zeichen der Verbundenheit mit der Stadt Bonn. Unter rein finanziellen Gesichtspunkten dürften wir das nicht machen. Da fehlen die Fernsehzeiten. GA: Kann sich das ändern? ALTHOFF: Solange die NBA entschlossen war, eine Europaliga zu machen, hatten wir große Hoffnungen in den Basketball gesetzt. Aber nach dem 11. September haben die einen Rückzieher gemacht. Heute fehlt mir der Glaube, dass Basketball schnell den großen Durchbruch schafft. Außerdem muss man sehen, dass der Fußball alles in den Schatten stellt. GA: Was also ist in Bonn möglich? ALTHOFF: Wohl nicht mehr als eine gute Rolle in der Bundesliga. Auch weil eine entsprechende Halle fehlt. Die Baskets machen einen guten Job, stellen sich jedes Jahr klug und preiswert ihre Mannschaft zusammen, können aber nicht mitbieten, wenn Berlin oder Köln ihre Spieler abwerben. GA: Warum baut die Telekom nicht die Baskets-Halle? ALTHOFF: Das ist nicht unsere Philosophie. Wir wären eventuell gewillt, durch den Kauf des Hallen-Namens Unterstützung zu geben. GA: Können Sie verstehen, dass sich eine Stadt wie Bonn dermaßen schwer tut mit dem Hallenbau? ALTHOFF: Nein. Uns stört, dass es eine Hängepartie geworden ist. Mittlerweile bin ich überzeugt, die Stadt will gar nicht. Entweder man baut die Halle. Oder eben nicht. Dann weiß der Verein zumindest, wie er planen kann. Er kann sich mit der Hardtberghalle arrangieren oder seinen Standort wechseln. Die Baskets sind ja nicht mit Bonn verheiratet. GA: Die Telekom hat für Planungssicherheit gesorgt, indem sie den Sponsoringvertrag verlängerte. Allerdings zu reduzierten Bezügen. Wie groß sind die Einbußen der Baskets? ALTHOFF: Der Vertrag ist wesentlich leistungsabhängiger geworden. Wenn die Baskets Meister werden, bekommen sie in etwa dasselbe wie letztes Jahr.