General Anzeiger Online vom 01.11.05:"Ich bekomme schon jetzt eine Gänsehaut"

Bonn. Es ist, als wäre ein Sohn nach Hause zurückgekehrt. Sinisa Kelecevic kam am Montag aus dem Hände schütteln gar nicht mehr raus. Überall bekannte Gesichter, überall große Freude darüber, dass der 35-Jährige wieder für die Telekom Baskets Bonn spielt. "Irgendwie ist es verrückt. Bonn war meine erste Station im Ausland und wird vielleicht meine letzte Station sein. Ich kann mir gut vorstellen, hier meine Karriere zu beenden", sagte Kelecevic. Zum dritten Mal spielt er inzwischen für die Baskets. "Das ist schon außergewöhnlich, zeigt aber auch, wie sehr ich diesen Klub, diese Stadt und die Atmosphäre hier schätze. Ich bekomme schon jetzt eine Gänsehaut, wenn ich an den Empfang durch die Fans denke", blickte der 2,06 Meter große Power Forward auf das Spiel am Dienstag (19.30 Uhr, Hardtberghalle) im Fiba EuroCup gegen den BC Kiew voraus. Er habe den Hype um seine Person im Internet verfolgt. "Ich bin überwältigt und kann den morgigen Tag kaum erwarten", sagte Kelecevic am Montag nach dem Training. Der Kroate war der letzte, der die Halle verließ, nachdem er noch ein paar Freiwürfe geübt hatte. Er könne noch nicht viel über sein neues Team sagen, sein erster Eindruck sei aber gut. "Die meisten Spieler kenne ich ja schon. Es scheint einen sehr starken Zusammenhalt in der Truppe zu geben", meinte er. Er selbst wolle alles tun, um seinen Beitrag zum Erfolg zu leisten. Kelecevic: "Ich bin zwar jetzt schon 35 Jahre alt, aber ich fühle mich körperlich noch gut und bin in den letzten drei Jahren ja auch nicht spazieren gegangen. Ich habe zuletzt drei Jahre in der ersten Liga Italiens gespielt, und jeder Basketballer weiß, dass die stark ist." Zwar war er mit der vergangenen Saison in Cantu nicht zufrieden, weil er in einem Team mit sehr vielen Amerikanern Außenseiter gewesen sei, davor aber, beispielsweise in Triest, habe er im Schnitt 15 bis 16 Punkte und um die sieben Rebounds gesammelt. Am Dienstag gegen Kiev werde er den Baskets aber noch nicht viel helfen können. Das sieht auch Mike Koch so. "Vielleicht spielt er ein paar Minuten. Es braucht schon noch Zeit, bis er in die Mannschaft integriert ist. Aber er hatte alle Voraussetzungen, uns da zu helfen, wo wir noch Schwächen haben", sagte der Bonner Co-Trainer. Und meinte speziell die Reboundarbeit und die Korbgefährlichkeit in Brettnähe. Der Ex-Europameister sieht gegen Kiev eine ganz schwere Aufgabe auf die Baskets zukommen. Koch: "Die Mannschaft gehört zu den Favoriten auf den Gewinn des EuroCups." In der Ukraine ist das Team eine Klasse für sich. Besitzer und Manager ist die ukrainische Basketball-Legende Alexander Volkov, der mit der sowjetischen Nationalmannschaft 1988 in Seoul Olympiasieger wurde. Im Etat von sechs bis sieben Millionen Euro lässt sich auch eine eigene Passagiermaschine unterbringen, mit der die rund 40 Mitglieder starke Delegation des ukrainischen Meisters am Montag auf dem Flughafen Köln/Bonn landete. In vier von bisher fünf Spielen der ukrainischen Superleague konnte das Team des italienischen Cheftrainers Renato Pasquali (vormals Benetton Treviso) seine Gegner mit mehr als 30 Punkten deklassieren. Ebenso gut lief es beim Auftaktspiel im EuroCup vor einer Woche, als dem lettischen Vizemeister BC Barons Riga durch ein klares 99:72 die Grenzen aufgezeigt wurden. Zwar wird Kiew auf der Spielmacherposition gleich auf zwei Leistungsträger verzichten müssen - der Serbe Dragan Lukovski und der Amerikaner LaMarr Greer sind verletzt, doch das Team ist ausgeglichen genug besetzt, um das kompensieren zu können. Auf der Centerposition etwa dominiert der 2,13 Meter große ehemalige jugoslawische Nationalspieler Ratko Varda. US-Forward Michael Harris und Dusan Kecman sorgen von den Flügeln her für viel Gefahr. "Wir sind Außenseiter und können befreit aufspielen", urteilte Mike Koch.