General-Anzeiger-Online vom 29.11.05Mit einem Sieg von Europa verabschieden

Bonn. "Das nächste Spiel ist immer das schwerste", hat einst Sepp Herberger gesagt und ist seitdem unzählige Male mit diesem Satz zitiert worden, nicht nur im Fußball. Und doch gibt es Situationen, in denen man diesen Spruch abwandeln darf. Für die Telekom Baskets Bonn etwa ist nicht das Spiel am Dienstag im Fiba EuroCup gegen den BC Barons Riga (19.30 Uhr, Hardtberghalle) das schwerste, sondern das dann folgende Heimspiel in der Basketball-Bundesliga gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Alba Berlin (Samstag, 18.30 Uhr, Hardtberghalle, live in Premiere). "Gegen Riga können wir ohne Druck aufspielen", stellte Trainer Michael Koch fest. Nach fünf Niederlagen in der Gruppe G ist der Zug in Richtung Zwischenrunde schon längst abgefahren. Ohne Druck aufspielen heißt für Koch aber nicht, das Spiel nicht ernst zu nehmen. "Wir wollen uns mit einem Sieg aus dem EuroCup verabschieden", sagte er. "Das sind wir auch unserem Publikum schuldig, das zuletzt nicht gerade mit Siegen verwöhnt worden ist." Letztlich gehe es auch darum, sich gegen Riga auf die schwere Aufgabe gegen Berlin vorzubereiten. "Wir müssen in allen Bereichen einen Schritt nach vorne machen", sagte Koch. Im Hinspiel kassierten die Baskets in Riga eine bittere 70:87-Niederlage. Allen noch in schlechter Erinnerung ist das dritte Viertel, dass die Bonner sage und schreibe mit 10:38 abgaben. Für Koch sind solche Einbrüche symptomatisch für die Auftritte seines Team. "Wir schaffen es, über eine gewisse Zeit lang richtig gut zu verteidigen. In anderen Phasen kann es aber passieren, dass so gut wie gar nichts zusammenläuft", fasst er zusammen. "Unser Ziel muss sein, über 40 Minuten auf einem konstant hohen Niveau zu verteidigen." Zuletzt in Tübingen wollte das noch nicht funktionieren. "Unser Angriff hat uns im Spiel gehalten", blickte Koch zurück. Es sei einerseits eine wichtige Erkenntnis, diese Qualität zu haben, andererseits reiche das gegen Teams mit einer guten Verteidigung nicht aus. Auch im Rebound müsse man noch deutlich zulegen. "Wir haben wenig Spieler", so Koch, "die von Haus aus gute Rebounder sind." Verbesserungen seien nur möglich, wenn sich jeder für die Rebounds verantwortlich fühle. Am Dienstag gegen Riga wollen die Baskets das umsetzen. Michael Koch macht sich um den Gegner aber nicht allzu viele Gedanken. "Wir werden im Training ein paar Mal die Systeme Rigas durchspielen, das muss reichen. Wichtiger ist, dass wir uns auf unsere eigenen Systeme konzentrieren", meinte der 39-Jährige. Anders als in Tübingen, als er Spieler wie Ivan Tomeljak, Artur Kolodziejski, Martin Mihajlovic und Aljaz Janza kaum einsetzte, sollen die Bankspieler heute häufiger spielen. In einem engen Spiel wie in Tübingen vertraut Koch vor allem auf seine Leistungsträger. "Ich habe es für wichtig gehalten, dass Andrew Wisniewski die vollen 45 Minuten durchspielt." Und dass Branko Klepac am Ende auf dem Feld stand. "Er wird jetzt dafür kritisiert, dass er die Freiwürfe nicht verwandelt hat. Aber den entscheidenden letzten Rebound, den hat er geholt", sagte Koch. "Branko ist von der Einstellung her ein absolutes Vorbild."