General-Anzeiger-OnlineFlexibilität ist bei den Bonner Baskets Trumpf

Bonn. Ein Trainer im Zwiespalt. Einerseits ist Predrag Krunic mit der Zusammensetzung seines neuen Teams sehr zufrieden. "Wir haben, glaube ich, eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend.Unsere Fans werden wieder schnellen, attraktiven Basketball zu sehen bekommen und hoffentlich eine gute Verteidigung. Gut ist, dass die meisten Spieler sehr flexibel einsetzbar sind und sich sehr gut ergänzen", so Krunic mit Blick auf den Kader des Basketball-Bundesligisten Telekom Baskets Bonn. Andererseits aber sieht er für die ersten Monate der am 22. Oktober beginnenden Saison zwei Hauptprobleme. "Ich werde erst Ende September mit der kompletten Mannschaft trainieren können, weil einige Nationalspieler mit ihren Ländermannschaften unterwegs sind", so Krunic. Damit meinte er Spielmacher Balazs Simon (Ungarn), Shooting Guard Kristaps Janicenoks (Slowenien), Forward Oluoma Nnamaka (Schweden) und Kapitän Branko Klepac (Deutschland). Die ersten beiden Vorbereitungsturniere müssen mit dem dezimierten Kader bestritten werden, der erste Komplettauftritt folgt erst am 29. September bei der Saisoneröffnung in Pepinster (Belgien). Die hätten die Bonner gerne in der Hardtberghalle bestritten, doch das ist das zweite Problem. Krunic: "Durch die Neuverlegung des Hallenbodens werden wir erst zu Saisonbeginn in der eigenen Halle trainieren und spielen können. Das macht die Aufgabe für uns nicht einfacher." Er blicke zwar optimistisch nach vorne, weil die Baskets im Gegensatz zur vergangenen Saison mehr Leistungsträger halten konnten und er vom Potenzial der Neuen, von denen er einige über Jahre hinweg beobachtet hat, überzeugt sei. Aber wie harmonisch sich das Spieler-Puzzle letztlich zu einem Ganzen zusammenfüge und wie lange das brauche, sei völlig offen. Mehr als das Ziel "Erreichen der Play-off-Runde" wolle er deshalb nicht vorgeben. Zwischen den Zeilen lässt der 36-Jährige, der seinen Vertrag gerade erst bis 2007 verlängert hat, allerdings spüren, dass er seinem Team durchaus mehr zutraut. Etwa wenn er vom Quartett im Aufbau spricht und von der Erfahrung seines Spielmachers Branko Milisavljevic. Er sei aufgrund seiner Korbgefährlichkeit auch als Shooting Guard einsetzbar und könne deshalb auch gut gemeinsam mit Simon auf dem Feld stehen. "Das", so Krunic, "war in der vergangenen Saison mit Aleksandar Capin und Loukas Lazoukits nicht möglich." Was seinen etatmäßigen Shooting Guard Janicenoks angeht, scheut Krunic zwar den Vergleich mit dessen Vorgänger Rimantas Kaukenas, doch sei er überzeugt, dass sich der Lette einen Namen in der BBL machen werde. Gleiches gelte für den Slowenen Dragan Miletic auf der gleichen Position. "Dragan hat in der vergangenen Saison in einer stark besetzten Mannschaft nicht so viel gespielt, aber er hat alles, was man auf dieser Position braucht", so Krunic. Große Stücke hält er auch auf Aleksandar Djuric. Der neue Center sei ein Arbeiter und Teamspieler, der sowohl unter dem Korb als auch von außen für Gefahr sorgen könne. Krunic hofft, dass das Centerspiel nicht nur von den individuellen Stärken Djurics profitiert, sondern vom Zusammenspiel der langen Kerls überhaupt. Auch hier ist Vielseitigkeit gefragt. Die Stärken von Power Forward und Leitfigur Aleksandar Nadjfeji sind bekannt, eine gute Ergänzung sollen Klepac und Neuzugang Martin Mihajlovic sein, die sowohl Center als auch Power Forward spielen könnten. Zudem erhofft sich Krunic von Center Peter Huber-Saffer eine Leistungssteigerung. Das gilt aber auch für die Forwards Altron Jackson und Nnamaka, der der vergangenen Saison mit seiner starken Defense den Stempel aufdrückte, aber im Angriff noch mehr Potenzial hat. Den angesprochenen Zwiespalt löst Krunic so auf: "Sagen wir, ich habe eine Vision von dem neuen Team. Inwieweit sich diese Vision aufgrund der genannten Probleme und der Unerfahrenheit einiger Spieler zu einem realistischen Bild entwickelt, muss man abwarten." Schließlich sei es für einen Simon, Miletic oder Mihajlovic die erste Saison außerhalb ihres Heimatlandes. "Da kann man nicht unbedingt voraussetzen, dass sie den Sprung direkt schaffen", schränkt der Bonner Coach ein.