General Anzeiger vom 14.05.2003:Krunic fordert von jedem den letzten Einsatz

Bonn. Das Spiel war gerade erst vorbei, schon stand die Mannschaft der Bayer Giants Leverkusen wieder in einer großen Traube zusammen und steckte die Köpfe zusammen - mittendrin Heimo Förster. Nach der 79:92-Niederlage gegen die Telekom Baskets Bonn und deren Ausgleich zum 2:2 in der Viertelfinalserie um die deutsche Basketballmeisterschaft schwor der Trainer seine Spieler schon auf das alles entscheidende fünfte Spiel ein, das am Mittwoch um 19.30 Uhr (live in Radio Bonn/Rhein-Sieg) in der Hardtberghalle stattfinden wird. Gesucht wird der Halbfinalgegner des TSK Bamberg, der am Montag völlig überraschend Vizemeister Rhein Energie Cologne mit 3:1 ausgeschaltet hatte. Försters Kampfansage Förster wurde später auch gegenüber der Presse deutlich. Gefrustet von der Niederlage und der angeblichen Benachteiligung durch die Schiedsrichter sagte er den Baskets den Kampf an. "Wir werden in Bonn gewinnen, auch gegen die Schiedsrichter oder die Fans." Die Baskets haben verstanden. Sie haben aus den zwei Niederlagen in den ersten beiden Viertelfinalspielen gelernt, wissen, dass die Giants ihren Worten durchaus Taten folgen lassen können. "Wir müssen vor allem auf dem gleichen Niveau verteidigen wie zuletzt in Leverkusen und damit dem Angriff des Gegners gleich den Wind aus den Segeln nehmen", meinte Sportmanager Arvid Kramer. "Wir dürfen uns nur auf dieses eine Spiel konzentrieren und keinen einzigen Gedanken an das Halbfinale verschwenden", erklärte Trainer Predrag Krunic. Denn klar ist: Den Bonner Spielern ist ein Halbfinalgegner Bamberg lieber als Köln. Zuletzt hatte Spielmacher Terrence Rencher beim Top-Four-Pokalturnier in Berlin gehofft, dass die Bamberger Köln eliminieren. Krunic verweigerte am Mittwoch sogar jeden Kommentar zum Kölner Aus: "Ich beschäftige mich nur mit meiner Mannschaft. Mir war aber vorher klar, dass es Überraschungen geben kann. Alle Play-off-Mannschaften sind sehr eng beieinander." Auch Bambergs Trainer Dirk Bauermann weiß das. Er kann in Ruhe die möglichen kommenden Gegner beobachten und wird am Mittwoch in der Hardtberghalle spionieren. "Egal, wer da im Halbfinale kommt, wir werden unsere Chance suchen. Wenn wir auf dem Niveau weiterspielen, können wir auch das Finale erreichen", sagte Bauermann am Mittwoch. Derweil arbeitet Krunic akribisch an der optimalen Vorbereitung seiner Truppe für das entscheidende Spiel. Harte Trainingseinheiten gibt es nicht mehr, dafür werden Videoanalysen und persönliche Gespräche mit den Spielern groß geschrieben. Wie wichtig die sein können, zeigt das Beispiel Brad Traina, der am vergangenen Sonntag mit 30 Punkten seine Formkrise vergessen machte. Krunic: "Mit ihm habe ich vor dem vierten Spiel viel geredet. Es hat offenbar geholfen." Der 35-Jährige weiß aber auch, dass ein Traina oder Terrence Rencher in Bestform allein nicht ausreichen werden, um einen zu allem entschlossenen Gegner zu bezwingen. "Jeder", so Krunic, "muss auf seine Weise Akzente setzen, muss das Letzte von sich geben." Er erwartet einen sehr aggressiv eingestellten Gegner, der auch vor harten Fouls nicht zurückschreckt. "Da müssen wir cool bleiben und dürfen uns nicht provozieren lassen. Sonst verlieren wir die Kontrolle", so Krunic. Dass in der von Krunic für so immens wichtig gehaltenen Verteidigung alles unter Kontrolle bleibt, dafür soll wohl auch wieder Olouma Nnamaka sorgen. Der schwedische Nationalspieler ist aufgrund seiner herausragenden Abwehrqualitäten derzeit erste Wahl und hat Brian Brown aus der Startformation verdrängt. Garant dafür, dass Mittwochabend alles im fairen Rahmen bleibt, könnte Boris Schmidt sein. Der kleine Schiedsrichter ist dafür bekannt, auch bei kleineren Verstößen rigoros durchzugreifen. Das musste Bonns Brian Brown im zweiten Spiel erkennen, als Schmidt zwei Technische Fouls gegen ihn verhängte. "Man kann über Boris Schmidt denken wie man will, aber er hat seine Linie, die er durchzieht. Darauf kann man sich gut einstellen", meinte Baskets-Pressesprecher Michael Mager. Tricks beim Kartenverkauf? Die Hardtberghalle wird Mittwochabend ausverkauft sein. Lediglich ein Restkontingent wird aus Rückläufen noch an der Abendkasse, die um 18.00 Uhr öffnet, zur Verfügung stehen. "Wir hätten die doppelte Anzahl an Karten verkaufen können", meinte Mager. Im Zuge des Vorverkaufs soll es Fans zufolge zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein. So hätten sich bestimmte Vorverkaufsstellen Karten auf Halde ausgedruckt. Normalerweise wird dies erst auf Anfrage des Kunden getan. Auf diese Weise soll sicher gestellt werden, dass alle Vorverkaufsstellen auf das gesamte Kontingent noch nicht verkaufter Tickets Zugriff haben.