General Anzeiger vom 15.09.2001Das Punkten liegt Terrence Rencher im Blut

Istanbul. "Guter Job, Coach." Hurl Beechum schlug seinem Trainer krachend auf die Schulter. In seinem ersten Pflichtspiel und gleichzeitig seiner ersten internationalen Bewährungsprobe als verantwortlicher Trainer der Telekom Baskets Bonn führte Predrag Krunic den Basketball-Bundesligisten zu einem insgesamt überzeugenden 94:81-Sieg bei Darüssafaka Istanbul. Damit könnte die Chance, diese erste Qualifikationsrunde zum Einzug in die EuroLeague zu überstehen, kaum besser sein. Ein Sieg oder sogar eine Niederlage mit zwölf Punkten im Rückspiel am Sonntag in der Hardtberghalle (16 Uhr) brächte die Bonner in die zweite Runde, die mit einem Heimspiel am Donnerstag (19.30 Uhr, Hardtberghalle) beginnen würde. Gegner könnte Rytas Vilnius sein, das sein erstes Spiel gegen KK Split deutlich mit 87:71 gewann und damit im Rückspiel, das ebenfalls am Sonntag stattfindet, klar favorisiert ist. "Wir können diese Qualifikation schaffen", strotzte Team-Kapitän Paul Burke nach diesem Erfolg nur so vor Selbstvertrauen. Krunic und sein Assistent Carsten Schul würden ihm gerne zustimmen, doch war das Trainerduo der Baskets unmittelbar nach dem Spiel schon wieder mehr mit den Schwächen der Mannschaft beschäftigt, die sie in der zweiten Hälfte gezeigt hatte. "Wir haben den zweiten Abschnitt mit fünf Punkten verloren. Damit kann man nicht zufrieden sein", meinte Schul. Man werde die noch zur Verfügung stehenden Trainingseinheiten bis zum Spiel am Sonntag nutzen, um daran zu arbeiten. Insbesondere wurde kritisiert, dass in der Schlussphase die Rebounds eine leichte Beute der Türken geworden waren. Dennoch ist gerade nach der ersten Halbzeit in Istanbul die Zuversicht bei den Baskets groß, eine Mannschaft zu haben, die in der Bundesliga wieder eine gute Rolle spielen und sich auch auf europäischem Parkett sehen lassen kann. Auffallend die bereits rund laufenden Angriffssysteme, die vom neuen Spielmacher Terrence Rencher hervorragend inszeniert wurden. Kein Zweifel, der Amerikaner ähnelt in seiner Spielweise Derrick Phelps, dem ehemaligen Bonner "General", wirkt allerdings explosiver, mit mehr Zug zum Korb und wesentlich gefährlicher (22 Punkte). Er ließ erahnen, warum er immer noch den Punkterekord an seiner ehemaligen Universität in Texas hält. "Ich habe damals in vier Spielzeiten mehr als 2 000 Punkte erzielt. Punkten liegt mir im Blut", sagte Rencher, der allerdings nicht ganz mit sich zufrieden war: "Ich hatte fünf Ballverluste. Daran muss ich arbeiten." Insgesamt sei es aber ein sehr guter Anfang für die Baskets gewesen. "Wir haben einen Monat auf diesen Tag hingearbeitet, und jeder hat gezeigt, dass er bereit ist." Aus der Sicht von Burke unterscheiden sich die neuen Baskets deutlich von denen der vergangenen Saison. "Man kann jetzt schon sehen, dass unsere Verteidigung viel besser sein wird. Istanbul hatte nur einen offenen Schuss. Wir werden künftig in der Lage sein, Spiele auch über die Abwehr zu gewinnen, wenn es im Angriff einmal nicht so gut läuft", sagte der 28-Jährige. Allerdings dürfe man sich solche Einbrüche wie im letzten Viertel gegen die Türken nicht erlauben. Burke: "Da haben wir die Kontrolle verloren und schlechte Entscheidungen getroffen." Für das Spiel am Sonntag appellierte Krunic an seine Spieler: "Keiner darf denken, dass wir schon in der nächsten Runde sind. 13 Punkte Vorsprung kann man im Basketball leicht verlieren, wenn man nicht konzentriert ist und den Gegner nicht mehr ernst nimmt."