Im Hexenkessel von Izmir

Baskets reisen in die Türkei

TJ Shorts II (rechts) und die Baskets treffen auf Errick McCollum und Pinar Karsiyaka

Die Rückkehr der Fans

Die „Mustafa Kemal Atatürk Karsiyaka Sporthalle“ hat Platz für 5000 Zuschauer. In der eng gebauten Arena sind die Spieler im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Armlänge vom Geschehen entfernt, so nah sitzen sie am Spielfeldrand. Was im besten Fall für eine tolle, lautstarke Atmosphäre sorgen kann, wurde dem Club Anfang des Jahres zum Verhängnis. Denn am 10.02.2022 schaukelte sich die Stimmung im BCL-Spiel gegen Lenovo Tenerife nach einem eigentlich harmlosen Scharmützel zweier Spieler derart hoch, dass sich ein Fan zu einem Schubser gegen Teneriffas Sasu Salin hinreißen ließ. Die Konsequenzen für den Verein: eine Geldstrafe von 20.000 Euro und zwei BCL-Heimspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Strafe ist nun verbüßt, den türkischen Fans dürstet es nach hochklassigem internationalem Basketball – und natürlich nach einem Sieg im engen Rennen um die „Last 16“.

Karsten Tadda kennt die Atmosphäre in Karsiyaka bereits: In der Saison 2017/2018 traf er mit Oldenburg am 10. Spieltag der Basketball Champions League auf den türkischen Club: „Für jemanden, der sowas noch nie erlebt hat, kann die Stimmung sicherlich zu einem Erlebnis werden. Aber das gehört zum Spiel“, meint der Routinier gewohnt abgeklärt.

Ausgangslage in der Gruppe B

Auch für die Baskets ist das Spiel richtungsweisend. Als Tabellenführer der Gruppe B könnten sie mit einem Sieg den Einzug in die nächste Runde perfekt machen – ohne den Umweg über die Qualifikationsrunde (Play-Ins) nehmen zu müssen. Dem vorausgesetzt ist allerdings ein zeitgleicher Sieg AEK Athens (Platz vier) gegen Reggio Emilia (Platz drei).

Flo Koch springt ein

Da Zach Ensminger gesundheitlich angeschlagen und sein Einsatz am Mittwochabend daher noch offen ist, ist Florian Koch von den Dragons Rhöndorf mit nach Izmir gereist. „Wir haben Flo vor der Saison für Fälle wie diesen für die Basketball Champions League gemeldet. Da Mike Kessens in der BCL nicht als sogenannter Home-Grown-Player gilt und Zach möglicherweise ausfällt, können wir so sicherstellen, dass wir die erforderliche Quote von fünf Home-Grown-Spielern in einem 12-Mann-Kader erfüllen“, sagt Sportmanager Daniel Seffern. Der ehemalige langjährige Baskets-Profi (insgesamt 204 Einsätze für Bonn) spielte zuletzt in der Saison 2016/2017 für die Telekom Baskets Bonn und schloss sich im Sommer dieses Jahres den Dragons Rhöndorf in der ProB an. 

Ein Spieler gilt erst dann als Home Grown für seine Mannschaft, wenn er im Alter zwischen 12 und 20 Jahren mindestens drei Jahre im jeweiligen Land gespielt hat. Der in Genf geborene Michael Kessens ist somit trotz seiner deutschen Staatsbürgerschaft kein Home-Grown-Spieler, da er erst im Alter von 26 Jahren zum ersten Mal für einen deutschen Verein spielte (2017/2018 in Bremerhaven).

Verletzungsupdate

Ob Tyson Ward (verpasste vier Spiele mit einer Oberschenkelverletzung) wieder einsatzbereit ist, wird sich erst am Spieltag entscheiden.

Heimstarke Türken schocken Euroleague-König

Auch ohne die Unterstützung ihrer Fans ist Pinar Karsiyaka in der BCL zuhause noch ungeschlagen: zwei Spiele, zwei Siege. AEK wurde mit 91:88 besiegt, Reggio Emilia schlugen sie ebenfalls knapp mit 83:76. Auch ein Blick auf die Dreierquote untermauert die Heimstärke: Während Karsiyaka auswärts nur 33 Prozent seiner Dreipunktewürfe trifft, sind es in eigener Halle starke 47 Prozent. 

In der heimischen Liga konnten sie zuletzt auch auswärts gewinnen: Am vergangenen Sonntag schlug KSK den amtierenden, zweifachen Euroleague-Sieger Anadolu Efes nach zweifacher Verlängerung mit 112:111. Herausragender Mann war der frisch von Galatasaray gewechselte Kolumbianer Braian Angola, der in gut 42 Minuten Einsatzzeit 35 Punkte auflegte.

“Das war ein sehr beeindruckender Sieg", honoriert Baskets-Headcoach Tuomas Iisalo die Leistung Karsiyakas. "Es ist ein starkes Team mit hoher individueller Qualität und klarer Rollenverteilung. Mit Braian Angola haben sie einen weiteren Schlüsselspieler verpflichtet, der im ersten Spiel noch nicht dabei war. Es ist für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel, daher freuen wir uns auf eine intensive Begegnung in einer hitzigen Atmosphäre."

„Kaf Sin Kaf“

… lautet der Schlachtruf der Karsiyaka-Fans. „Kaf Sin Kaf“ ist die arabische Aussprache der Club-Initialen „KSK“ (steht für Karsiyaka Sports Klub), die auf die Gründung des Vereins im Jahr 1912 zurückgeht.

Übertragung

Das Spiel wird live auf dem YouTube-Kanal der Basketball Champions League übertragen.