Milisavljevic ist der Held vom Hardtberg

(Stimmen, Interviews...) Diesen Samstagabend werden die 3.500 Zuschauer in der ausverkauften Hardtberghalle so schnell nicht vergessen. Nach einer hochdramatischen Schlussphase eines stets engen Spiels gelang den Telekom Baskets nach fast drei Jahren wieder ein Sieg gegen dem rheinischen Nachbarn aus der Domstadt. Mit 78:77 (27:21, 14:16, 18:24, 19:16) gewann das Krunic-Team gegen RheinEnergie Köln und unterstrich mit dieser Energieleistung seine Ambitionen auf die Playoffs. Der Erfolg gegen Köln hatte einen Namen: Branko Milisavljevic. Über eine Woche war der serbische Aufbauspieler der Bonner durch eine schmerzhafte Virusinfektion außer Gefecht gesetzt und es schien eigentlich unmöglich, dass Zeko überhaupt im Baskets-Dress würde auflaufen können. Neun von zehn Spielern hätten mit diesen Schmerzen nicht gespielt, staunte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich nach dem Spiel. Doch Milisavljevic biss auf die Zähne und machte unter Schmerzen sein bislang bestes Spiel für die Telekom Baskets. Mit 29 Punkten und sieben Assists drückte er dem Derby unter den Augen des Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke, der zur Halbzeit einen Bonner Sieg (Wir gewinnen") prophezeite, und Stadtwerke-Chef Professor Hermann Zemlin, seinen Stempel auf. Am Ende war er es fast alleine, der den ersten Sieg Bonns nach acht Niederlagen in Folge gegen Köln unter Dach und Fach brachte. Unter einer beeindruckenden Kulisse, die jedem Playoff-Spiel alle Ehre gemacht hätte, starteten die Baskets schlecht ins 1. Viertel. Schnell lag man nach knapp drei Minuten bereits mit 2:8 in Rückstand. Aleksandar Nadjfeji leitete mit seinem Korbleger zum 4:8 den ersten Bonner Zwischenspurt ein. Vier Minuten später führten die Hausherren 15:10 (7.). Von da ab gestaltete sich das Spiel bis zur Schlusssirene völlig offen. Zur Hilfe kam den Bonnern schon im ersten Viertel die Foulbelastung der Gäste. Oluoma Nnamaka zwang Köln Bill Edwards schon in der Anfangsphase zu zwei Fouls. In der 8. Minute musste RheinEnergie-Coach Armin Andres seinen amerikanischen Starspieler, der noch letzte Woche gegen Braunschweig 30 Punkte markierte, mit dem dritten Foul vom Feld nehmen. Dennoch sollten Edwards am Ende nach 23 Minuten noch 14 Punkte gelingen. Im zweiten Durchgang gönnte Coach Krunic seinem Aufbauspieler eine Pause, was prompt bestraft wurde. Der für Branko Milisavljevic auf das Feld gekommene Balazs Simon konnte dem Druck der Kölner Verteidigung nicht immer Stand halten. In zwei Minuten hatten die Gäste die Bonner 27:21-Führung nach dem ersten Viertel aufholt und in einen 27:28-Rückstand verwandelt. Als es in der 16. Minute sogar 32:36 stand, musste Krunic handeln und Milisavljevic zurück ins Spiel bringen. Prompt gelang Köln bis zur Halbzeit nur noch ein einziger Punkt, während die Baskets wieder zum 41:37-Pausenstand nachlegen konnten. Jetzt wurde das Spiel immer mehr zur reinen Nervensache. Auch, weil Altron Jackson, der durch eine Zerrung im Oberschenkel die letzten beiden Tage kaum trainieren konnte, vorsorglich auf der Bank Platz nehmen musste. Sicher ein Grund, warum die Baskets besonders in der zweiten Halbzeit beim Rebound allzu oft das Nachsehen hatten. So geht der Tabellenführer der Basketball-Bundesliga drei Minuten vor dem Ende des Spiels durch seinen Topscorer McElroy mit 74:70 in Führung. Milisavljevic antwortet mit seinem dritten Dreier zum 73:74. Wieder legt Köln, diesmal durch Edwards, nach (73:76). 16 Sekunden stehen noch auf der Spieluhr, als Milisavljevic seinen Gegenspieler Johannes Strasser aussteigen lässt und von jenseits der Dreipunktelinie den 76:76-Ausgleich markiert. Die Dramatik erreicht ihren Höhepunkt, als Marco Pesic für die Domstädter im direkten Gegenzug nur einen seiner beiden Freiwürfe im Bonner Korb unterbringen kann. Der letzte Angriff gehört den Baskets mit Branko Milisavljevic, der seiner fast übermenschlichen Leistung an diesem Abend durch den entscheidenden Wurf zum 78:77-Sieg knapp vier Sekunden vor dem Ende die Krone aufsetzt. Baskets-Trainer Predrag Krunic: "Das war ein sehr hartes Spiel. Für mein Herz aber war es ein Topspiel. Der Sieg war sehr wichtig für die Playoffs und unsere Moral gegen Köln. Ich konnte Milisavljevic vertrauen, weil er - trotz seiner starken Schmerzen - in den letzten beiden Tagen gut trainiert hat. Jackson hat wenig gespielt, weil er in den letzten Tagen krank war." RheinEnergie-Coach Armin Andres: "Wir haben zwei gravierende Fehler zum Ende hin gemacht. Zum einen waren wir vorbereitet, dass Topmann Milisavljevic spielen wird, trotzdem haben wir ihn nicht aus dem Spiel genommen. Zum anderen hat sich Bill Edwards selbst aus dem Spiel genommen."