Nadjfeji macht alle Mitspieler stärker

In der bisherigen Saison blieben die Telekom Baskets in Bundesliga und ULEB-Cup erst sieben Mal ungeschlagen, dann folgten zehn Niederlagen in 14 Spielen, ehe es wieder aufwärts ging. Über die Gründe sprach Bert Mark mit Trainer Predrag Krunic.Frage: Eine solche Niederlagenserie war für die Baskets und auch für Sie eine ganz neue Erfahrung. Haben Sie da besonderen Druck vom Präsidenten oder Manager gespürt? Krunic: Nein, überhaupt nicht. Alles lief auch intern ganz ruhig ab. Natürlich gab es viele intensive Gespräche, in denen wir einen schnellen Weg aus der Krise gesucht haben. Wir haben ja auch die Gründe des Misserfolgs gesehen. Frage: Nämlich? Krunic: Nun, es waren hauptsächlich die Verletzungen von wichtigen Spielern. Erst Jackson, dann Nadjfeji und Djuric. Dadurch haben wir deutlich den Rhythmus verloren, den wir bei dem guten Start hatten. Der Start war vielleicht auch zu gut, denn einige der Spiele hatten wir nur ganz knapp gewonnen und dabei keine gute Defense gespielt. Uns war das trotz der Siegesserie schon damals bewusst. Frage: Was heißt, den Rhythmus verloren? Krunic: Das hat zwei Aspekte. Zum einen fehlen die Spieler natürlich als Leistungsträger, als Scorer; zum anderen mussten die Rollen innerhalb des Teams ganz neu verteilt werden. Ich musste da vieles versuchen, habe teilweise Milisavljevic und Simon zusammen aufs Feld geschickt, die großen Positionen mussten völlig neu besetzt werden. Das kann nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei gehen. Frage: Sie sagen, es gab keinen Druck von oben auf Sie. Haben Sie denn nach der vierten, fünften Niederlage den Druck auf die Mannschaft erhöht? Krunic: Nein, das wäre völlig falsch gewesen. Es gab ja auch keine Probleme innerhalb des Teams oder zwischen den Spielern und mir. Es war im Gegenteil eine ganz positive Erfahrung, dass die Spieler im Training absolut toll mitgezogen haben. Sie dann nach den Niederlagen noch anzubrüllen, hätte überhaupt nichts gebracht. Denn sie waren ja genauso frustriert wie ich. Frage: Andere Vereine haben in solchen Situationen Ersatz verpflichtet; Bamberg hat Nahar geholt, Köln mit Ovcina und Willoughby gleich zwei Spieler, zuletzt auch Leverkusen mit Nate Fox. Stand das für Bonn nie zur Diskussion? Krunic: Wir haben natürlich auch das diskutiert. Dass wir es nicht gemacht haben, hatte drei Gründe: Zum einen war die Dauer der Verletzungen zu Beginn immer schwer abzuschätzen. Erst hieß es bei Jackson, er würde zehn oder 14 Tage ausfallen, dann wurden es mehrere Wochen. Ähnlich war es bei Nadjfeji und Djuric. Zweitens fehlten natürlich auch die Finanzmittel für eine Neuverpflichtung, die uns weiter geholfen hätte. Und drittens ist es unsere Philosophie in Bonn, möglichst mit einem Kader durch die gesamten Saison zu gehen. Denn neue Spieler sind auch immer ein Risiko für das Teamgefüge. Frage: Aber Sie haben doch 2004 mit der Nach-Verpflichtung von Djordje Djogo gute Erfahrungen gemacht? Krunic: Das ist richtig. Er war ein absoluter Teamspieler, der sich deshalb auch sehr schnell integriert hat. Frage: Ist das Thema denn endgültig abgehakt, oder könnte es bis Ende der Wechselfrist am 28. Februar doch noch einen Neuzugang geben? Krunic: Da ich in den kommenden Spielen auch wieder mit Djuric rechne, glaube ich nicht. Allenfalls für den Fall, dass sich bis dahin ein wichtiger Spieler erneut eine schwere Verletzung zuzieht. Frage: Als Nadjfeji und Djuric fehlten, haben Klepac und Huber-Saffer die Lücken überraschend gut geschlossen. Kann das im Verlauf der Saison ein Vorteil werden, dass sie jetzt längere Spielzeiten hatten? Krunic: Sie haben in der Tat einen guten Job gemacht. Sie werden jetzt auch um ihre Position kämpfen, das gibt eine positive Konkurrenz im Team. Und mit ihnen sind jetzt mehr Spieler daran gewöhnt, richtig harte Defense zu spielen. Dass die Defense wieder ein hohes Niveau erreichte, war ja auch der Grund dafür, dass wir die letzten Spiele wieder gewonnen haben. Frage: Wie beurteilen Sie Milisavljevic auf der Spielmacher-Position? Mal spielt er überragend, dann fast schon chaotisch mit vielen Ballverlusten. Macht das einen Trainer nicht wahnsinnig? Krunic (lacht): Nun, er spielt eben mit vielen Emotionen. Man muss ihm zugute halten, dass sich seine Position nach den Verletzungen von Nadjfeji und Djuric auch verändert hatte. Er fühlte sich noch mehr in der Verantwortung und glaubte, alles machen zu müssen, Spielaufbau und Scoren. Das war zu viel. Es ist gut, dass wir jetzt eine kleine Pause haben. Da kann auch er mental regenerieren. Frage: Zuletzt hatte Balazs Simon sogar mehr Spielzeit als er. Wird das künftig häufiger so sein? Krunic: Das hängt vom Gegner und der Spielsituation ab. Für Simon war besonders wichtig, dass Nadjfeji zurück gekommen ist. Er profitiert von so einem erfahrenen Spieler ganz enorm. Ich denke überhaupt, dass alle jetzt endgültig gesehen haben, wie wichtig Nadjfeji für unsere Mannschaft ist. Er ist nicht nur selbst stark, er macht auch alle seine Mitspieler stärker. Frage: Dragan Miletic spielt fast überhaupt nicht, obwohl er in den Vorbereitungsspielen keinen schlechten Eindruck hinterlassen hatte. Krunic: Er ist ein ganz wichtiger Faktor für unser Training. Ich habe ihn über seine Rolle nicht im Unklaren gelassen, bevor er zu uns gekommen ist. Er kann also nicht negativ überrascht sein, und ist es auch nicht. Frage: Wenn Sie sehen, wie stark Brian Brown in dieser Saison in Trier spielt, war es da nicht falsch, ihn im Sommer 2003 weggeschickt zu haben? Krunic: Damals hatte er eine völlig falsche Selbsteinschätzung, träumte von der NBA. Er ist dann zurück in die USA, hat dort aber nur einen Vertrag bekommen, bei dem er kaum Geld verdient hat. Mit dieser Erfahrung ist er als Person sicher gereift und viel realistischer. Aber er hätte diese Erfahrung eben nicht bei uns machen können. Frage: Die Bundesliga hat nach mehr als der Hälfte der Saison ihre Hierarchie gefunden. Was können die Baskets noch erreichen? Krunic: Wir sind jetzt Sechste, zwei Siege hinter den Spitzenclubs und zwei Siege vor den Teams hinter den Play-off-Plätzen. Es ist also noch viel möglich, nach oben, aber auch nach unten. Das heißt, wir müssen in wirklich jedem Spiel absolut an unsere Grenzen gehen. Primäres Ziel ist, die Play-offs überhaupt zu erreichen; dann versuchen wir, eine möglichst gute Position für die Play-offs zu bekommen. Und in den Play-offs, da werden die Karten dann wieder völlig neu gemischt.