Rencher in letzter Sekunde

Der Mann scheint keine Nerven zu haben. Eiskalt verwandelt US-Guard Terrence Rencher nur eine Sekunde vor dem Abpfiff den letzten Angriff seiner Telekom Baskets zum 84:82 beim polnischen Saporta-Cup-Vertreter Anwil Wloclawek. Bonn gewinnt damit sein letztes Gruppenspiel und sichert sich den wichtigen zweiten Tabellenplatz, der Heimrecht beim Achtelfinal-Rückspiel bedeutet. Zuvor hatten die rund 4.000 Zuschauer in der ausverkauften Halle in Wloclawek ein spannendes Spiel gesehen, dass am Ende fast noch zu Gunsten der Gastgeber gekippt wäre, hätte nicht Terrence Rencher den Überblick behalten. Bereits am frühen Morgen musste Baskets-Coach Predrag Krunic die erste Hiobsbotschaft hinnehmen. Mike Mardesich plagten Magenprobleme, ein Einsatz des Centers kam nicht in Frage. Folglich stand erstmals nach der langen Verletzungspause wieder Branko Klepac in der Starting Five der Bonner, der gleich zu Beginn die ersten Punkte per Dunking ablieferte. Die Baskets legten los wie die Feuerwehr. Schon nach vier Minuten erzielte der Spieler des Monats Januar der s.Oliver BBL, Hurl Beechum, per Dreier das 11:2 für sein Team. Anwil Wloclawek brauchte eine ganze Weile um ins Spiel zu finden, hatte aber in Ed O´Bannon aus den USA einen unermüdlichen Antreiber, der sein Team Punkt für Punkt wieder heran brachte. Bis zum Ausgleich sollte es aber vorerst nicht reichen. Bonn behielt vor allem unter den Körben die Oberhand und konnte lange Zeit einen kleinen Vorsprung halten. Nicht zuletzt wegen der konzentrierten Defense, in der besonders wieder Hurl Beechum hervor stach. Im Angriff blieb der Gunman diesmal jedoch blass. Lediglich neun Punkte standen am Ende auf seinem Konto, alles Drei-Punkte-Würfe. Ihre gute Form der letzten Wochen bestätigten dagegen Aleksandar Nadjfeji und Aleksandar Zecevic, die 23 bzw. 15 Punkte erzielen konnten. Zecevic glänzte zusätzlich mit neun Rebounds. Lagen die Baskets zur Pause noch mit 38:34 in Front, sollte sich dies nur wenige Minuten später ändern. Freiwürfe durch Ed O´Bannon zum 48:47 brachten Anwil erstmals in Führung. Jetzt war das Spiel völlig ausgeglichen. Die Baskets wankten im Hexenkessel von Wloclawek, fielen jedoch nicht. Zu verdanken hatten sie dies besonders der Umsicht und dem Selbstvertrauen von Terrence Rencher, der in der entscheidenden Schlussphase die Verantwortung übernahm. Eine Minute vor dem Abpfiff führen die Baskets 78:76, als Rencher eiskalt per Dreier auf 81:76 erhöht. Doch Anwil schafft durch Freiwürfe und Fastbreaks 13 Sekunden vor dem Ende den 82:82-Ausgleich. Terrence Rechner schnappt sich den Ball, lässt die Uhr herunter laufen, zieht drei Sekunden vor Ende in die Zone und bringt seinem Team per Korbleger den Sieg und damit den zweiten Tabellenplatz der Gruppe C, noch vor dem russischen Vizemeister und Tabellenführer UNICS Kazan, der sein Spiel gegen Amsterdam zwar gewinnen konnte, im direkten Vergleich gegen die Baskets jedoch schlechter abschneidet. In ihrer dritten Saporta-Cup-Saison qualifizieren sich die Telekom Baskets zum dritten mal für die nächste Runde. Gegner im Achtelfinale ist das jugoslawische Team von FMP Zeleznik aus Belgrad. Die Jugoslawen gewannen ihr letztes Spiel bei Croatia Split mit 78:73 und wurden so Dritter der Gruppe D. Bonn muss am 26.02.2002 zunächst in Belgrad antreten, am 05.03.2002 kommt es dann in der Hardtberghalle zum Rückspiel. Sollten die Telekom Baskets das Achtelfinale überstehen, wartet im Viertelfinale Pamesa Valencia oder Estudiantes Madrid. "Wir sind froh im kommenden Achtelfinale gegen Belgrad im Rückspiel den Heimvorteil zu haben. Dies war unser Ziel. Zusammen mit unseren Fans ist dann gegen Belgrad alles möglich", so Baskets-Sportmanager nach dem Spiel in Wloclawek.