Sogar Trainer werden mal bestochen

Immer in den Sommermonaten Juni, Juli und August kommt ihre große Zeit: Die Spieler-Agenten im internationalen Basketball, die den hoch bezahlten Korbjägern aller Länder die "Drecksarbeit" abnehmen, bei den Vereinen um möglichst viel Geld zu pokern. Alle Verhandlungen über Abschluss oder Verlängerung eines Vertrages laufen nur über diese mächtigen Drahtzieher im Hintergrund. Ohne gleich "Betriebsgeheimnisse" der Telekom Baskets zu verraten, gab Sportmanager Arvid Kramer in einem Gespräch mit der Rundschau hochinteressante Einblicke in seine Erfahrungen mit diesem schillernden Berufsstand. Er erzählte, mit welchen Methoden diese Vermittler arbeiten und wie Kramer versucht, sich dagegen zu wappnen. Denn da die Spieleragenten auf Provisionsbasis arbeiten und unmittelbar von der Höhe der ausgehandelten Vertragssummen profitieren, operieren sie mit allen Tricks und ohne große Skrupel den Spielern gegenüber. So vermitteln sie die Dribbelkönige rund um den Erdball ohne Rücksicht auf deren Befindlichkeiten. Auf dem Spielermarkt gibt´s auch Mengenrabatt Als Beispiel mag das Schicksal eines US-Boys herhalten, den Kramer und Trainer Predrag Krunic für den Fall im Blick hatten, dass Terrence Rencher nicht geblieben wäre: Der 24-jährige Aubrey Reese. Ein Spieler, der unbedingt von seinem Klub weg will. Nicht verwunderlich: War er doch von seinem Agenten zu Shakhter Irkutsk vermittelt worden, einem russischen Erstligisten in Ostsibirien am Baikalsee, wo es in den Wintermonaten nachts minus 25 grad kalt ist und es sich tagsüber auf minus 15 Grad "erwärmt". Ob er sich dort wohl fühlen konnte, war dem Agenten egal. Hauptsache, er hatte an der Vermittlung verdient. Da Rencher geblieben ist, muss Reese nun hoffen, dass ein anderer Klub ihn aus der unwirtlichen Region wegkauft. Aber es geht nicht immer nur um die einzelne Provision: "Manchmal fragen Agenten uns auch, für welche Position wir sonst noch Spieler suchen. Sie bieten uns dann zwei oder drei Leute aus ihrem Pool zu günstigeren Preisen an." Mengenrabatt nach dem Motto: Nimmst Du meinen Center, bekommst Du einen Flügelspieler günstig dazu. Klar, dass dann für den einzelnen Spieler auch weniger an Gehalt rausspringt: Der Agent achtet vor allem auf seinen Profit. Noch schlimmerer Fall: Es ist ein offenes Geheimnis, dass Trainer mit den Agenten gemeinsame Sache machen und mitkassieren. Kramer lächelt nur hintersinnig: "Ich habe auch gehört, dass es so etwas gibt." Im Klartext: Ein Coach macht sich bei seinem Klubvorstand vehement für die Verpflichtung eines bestimmten Spieler stark und kassiert dann zehn Prozent von dessen Jahresgehalt als "Provision", ohne dass Spieler und Verein den Geheimdeal zwischen Coach und Agent je erfahren. "Nicht alle Trainer haben wie Predag Krunic den Charakter, solche Angebote auszuschlagen", betont Arvid Kramer. Am Beispiel des Ex-Kapitäns Paul Burke macht der Baskets-Manager aber klar, dass auch Vereine knallhart sein können, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern. "Vor einem Jahr gab es folgende Ausgangslage: Wir hatten mit Predrag Krunic einen neuen, ganz jungen Trainer, viele Spielerwechsel und einen sehr frühen Saisonstart durch die Europaliga-Qualifikation. Der Agent von Paul wusste, dass wir da von drei Seiten unter Druck standen und hat ein sehr hohes Gehalt herausgepokert." Burke als Schulbeispiel für das Pokerspiel Dieses Jahr war es umgekehrt: Es gab die Unsicherheit um den Fernsehvertrag, alle Klubs mussten sparen, die Baskets hatten Rencher schon weiter verpflichtet und standen bei weitem nicht so unter Druck, Burke unbedingt zu halten zu müssen. Konsequenz: Die Baskets boten ihrem Kapitän zwar einen Vertrag zu deutlich reduzierten Bezügen an, hatten aber gleichzeitig Kontakt geknüpft zu anderen Spielern, die in Frage kamen, falls Burke mit dem neuen Vertrag nicht einverstanden war. Und so präsentierten die Bonner vor gut einer Woche mit Brian Brown einen Nachfolger, der aber selbst Insidern in Deutschland kaum ein Begriff war. Wie schaffen es die Baskets immer wieder, solch unbekannte Spieler "auszugraben", die sich in Bonn sehr schnell zu Leistungsträgern entwickeln? Neben Burke stehen Hurl Beechum, Aleksandar Nadjfeji und Aleksandar Zecevic, letztlich auch Sinisa Kelecevic im ersten Bundesligajahr für diese "No-Name"-Spieler. Mit Brown, Greg Miller und dem letzten Neuzugang Oluama Nnamaka haben die Bonner jetzt drei solche "Überraschungseier" im Kader. "Man muss risikobereit sein. Und man muss eben viele Kontakte auf der Basketballwelt pflegen", erklärt Kramer die Vorgehensweise. So macht er sich mit Trainer Predrag Krunic die Mühe, immer das Urteil von drei oder vier Fachleute einzuholen, die den Kandidaten aus eigener Anschauung kennen. Vor allem: Da werden auch gezielt mögliche Negativ-Einschätzungen erfragt, indem etwa der Trainer des Lokalrivalen des Teams kontaktiert wird, in dem der Spieler Vertrag hatte. Bau einer Mannschaft ist wie ein Puzzlespiel Außerdem umgehen Kramer und Krunic schon mal die Agenten für den ersten Kontakt zu einem Spieler. Da fragt sich Kramer dann bei einem amerikanischen College in stundenlangen Telefonaten nach der Rufnummer durch, bis er den Jungen an der Strippe hat. Am Ende brüten beide über dem Puzzlespiel, das da heißt: Eine neue Baskets-Truppe zusammen bauen. Beide haben dann ihre endlosen Listen mit Spielernamen vor sich, Kramer mehr aus den USA, Krunic mehr aus dem ehemaligen Jugoslawien. Und dann wird abgewogen, wer zusammen passt. Geht es dabei aber wirtschaftlich in den kritischen Bereich wie zuletzt bei der Verpflichtung von Brad Traina aus Italien, der alles andere als ein "Billig-Transfer" war, wird der Deal letztlich erst in einer "Elefantenrunde" abgesegnet, in der auch andere Vorstandsmitglieder vertreten sind: "Bei solchen Entscheidungen wollen wir und brauchen wir die Solidarität aller Abteilungen. Denn sie sind ja von möglicherweise deshalb notwendigen Sparmaßnahmen betroffen und müssen sie mittragen", begründet Präsident Wolfgang Wiedlich. Quelle: www.rundschau-online.de