Spanien, wir kommen!

Die Anzeigetafel der Bonner Hardtberghalle zeigte es deutlich. Soeben hatten die Telekom Baskets denkbar knapp mit 83:84 gegen den jugoslawischen Erstligisten FMP Zeleznik Belgrag verloren, doch die 3.000 Fans feierten, als sei ihr Team soeben Deutscher Meister geworden. Trotz der Niederlage hatten die Baskets die Runde der letzten Acht im europäischen Saporta-Cup erreicht. Im nach der Euroleague zweithöchsten europäischen Wettbewerb des Vereinsbasketballs, wartet nun im Viertelfinale Pamesa Valencia aus Spanien auf den Deutschen Vizemeister. Den Grundstein für diesen Erfolg legten die Baskets bereits vor einer Woche beim Hinspiel in Belgrad. Damals siegte die Truppe von Headcoach Predrag Krunic überraschend mit 91:88 beim Tabellenzweiten Jugoslawiens. Beim Rückspiel am Dienstagabend in Bonn hätte daher auch eine knappe Niederlage mit weniger als drei Punkten gereicht. Am Ende war es nur ein Punkt, doch über weite Strecken der Begegnung sah es so aus, als ob Belgrad das bessere Ende für sich behalten sollte. Anders als in den letzten Pflichtspielen, wirkten die Baskets phasenweise wie gelähmt, selbst einfache Korbleger sollten nicht gelingen. Die ganze Mannschaft spielte, als ob die Last des möglichen Viertelfinales wie Blei auf ihren Schulten läge. Trotzdem hielt man sich bis zur Pause gut im Spiel. Wie schon beim Ligaspiel gegen Hagen vor drei Tagen war es vor allem Aleksandar Nadjfeji, der die Akzente im Bonner Spiel setzte. Coach Krunic hatte es auch nicht leicht, denn Paul Burke, beim Hinspiel in Belgrad noch der entscheidende Mann bei den Bonnern, war wegen einer starken Erkältung angeschlagen in die Partie gegangen, Tilo Klette und Marc Suhr immer noch nicht einsatzbereit. Terrence Rencher mühte sich, doch auch der US-Guard in Reihen der Baskets ließ sich von der nervösen Spielweise seiner Teamkollegen anstecken. Dass die Begegnung bis zum Seitenwechsel ausgeglichen verlief, verdankten die Baskets besonders ihrer guten Verteidigungsarbeit. Die Offense war bis zu diesem Zeitpunkt keine Offenbarung. Auch die Distanzschützen standen diesmal auf verlorenem Posten. Ganze zwei Würfe bei zehn Versuchen sollten ihr Ziel treffen. Folglich versuchte man es durch die Mitte und da bissen sich die Bonner Spieler an der gut eingestellten Belgrader Defense allzu oft die Zähne aus. Trotzdem schafften es die Baskets, den Rückstand bis zum Seitenwechsel bei drei Punkten zu halten (45:48). Nach der Pause wurden die Gäste zunehmend mutiger. Belgrads Mladen Sekularac hatte maßgeblichen Anteil am ersten Zwischenspurt zum 59:50 für sein Team (25.). Bei den Bonnern gelang zu diesem Zeitpunkt so gut wie nichts. So verlegte der sonst so sichere Terrence Rencher einen einfachen Korbleger und ließ sich gleich darauf den Ball aus den Händen stehlen. Die Baskets wirkten verunsichert, stemmten sich aber mit Kampf dagegen. Auch die 3.000 Fans leisteten jetzt lautstark ihren Beitrag, damit der Traum vom Viertelfinale doch noch wahr werden konnte. In der 27. Minute war der Vorsprung der Jugoslawen bereits auf elf Punkte angewachsen, doch die Baskets kamen zurück. Aleksandar Nadjfeji ackerte unter dem Korb und gab keinen Ball verloren. Sieben Minuten vor dem Ende lagen die Baskets noch acht Punkte hinten (65:73), das Bonner Spiel wurde jedoch zunehmend besser. Auch deshalb, weil Belgrad nervös wurde und in Foulprobleme geriet. Die Zuschauer spürten förmlich, dass nun die Baskets den größeren Willen zum Sieg hatten. Hallensprecher Frank The Voice Piontek schien schon zu ahnen, wohin die Reise gehen sollte. Spanien, wir kommen, fasste er trocken die folgende Aufholjagd der Bonner zusammen. Während Belgrad versuchte, den Vorsprung über die Zeit zu retten, drehten Rencher, Nadjfeji und Mardesich jetzt endlich auf. Zwei Korbleger in Folge von Aleksandar Nadjfeji zum 80:80 bringen zwei Minuten vor Schluss erstmals wieder den Ausgleich. Die Halle tobt. Belgrad kontert, doch Mike Mardesich trifft beim nächsten Angriff traumhaft sicher aus der Halbdistanz zum 82:82 (39.). Belgrad muss nun mindestens drei Punkte erzielen, um seine Chancen zu wahren. Die ersten beiden schafft Nicolic von der Freiwurflinie. Noch acht Sekunden sind zu spielen und die Baskets haben den Ball. Die Gäste haben erst zwei Mannschaftsfouls auf ihrem Konto, taktische Fouls gegen Bonn würden daher keinen Ballbesitz bedeuten. Jetzt kommen die beiden griechischen Schiedsrichter ins Spiel. Trotz mehrfacher Aufforderung wollen sich die Betreuer und Spieler der Belgrader Bank nicht setzen, nach der dritten Ermahnung folgt ein technisches Foul gegen die Bank. Bonn erhält zwei Freiwürfe mit anschließendem Ballbesitz. Spätestens jetzt ist das Spiel gelaufen, auch, wenn Paul Burke nur einen Freiwurf zum 83:84-Endstand verwandeln kann. Wir hätten das Spiel schon viel früher gewinnen können, so der Bonner Team-Kapitän nach dem Spiel. Irgendwie standen wir uns heute aber selber im Weg. Wir können besser spielen und haben das wenigstens in der Schlussphase beweisen können. Belgrads Coach Miodrag Baletic trug das Ausscheiden seines Teams aus dem Saporta-Cup mit Fassung: Wir haben heute zwei gleichwertige Teams gesehen, die es beide verdient gehabt hätten, in die nächste Runde zu kommen. Mein Kompliment an Bonn, vor allem für die gute Leistung beim Hinspiel in Belgrad. Die Telekom Baskets stehen nach der Saison 2000/2001 zum zweiten Mal im Viertelfinale des Saporta-Cups. Gegner der Bonner ist dort das Team von Pamesa Valencia, der gegenwärtige Tabellenfünfte der spanischen Liga. Valencia konnte sich im Rückspiel gegen Estudiantes Madrid klar mit 89:68 durchsetzen. Die Baskets empfangen die Spanier zunächst am 19.03.2002 in der Hardtberghalle. Das Rückspiel findet eine Woche später am 26.03.2002 in Valencia statt.