Süß zu sein, ist schon mal anstrengend

Bonn. Ihr Markenzeichen sind ultrakurze Röckchen, sie schenken den Zuschauern immer ihr strahlendstes Lächeln, sie tanzen für ihr Leben gern - und sie sind bei den Spielen der Telekom Baskets Bonn in der Hardtberghalle nicht mehr wegzudenken: Die Baskets Dynamics, die Cheerleader-Gruppe des dreifachen deutschen Vizemeisters. 15 junge Damen und mit Alexander Werk ein junger Mann geben den Heimpartien mit ihren Auftritten einen optisch reizvollen Rahmen, den keiner mehr missen will. Training auch in Garagen oder Wohnzimmern Sicher, sie stehen naturgemäß immer etwas im Schatten der erfolgsgewohnten Korbjäger. Aber bei der Präsentation der Mannschaft und nach der Schlusssirene bei deren Verabschiedung bilden sie mit ihren silberfarbenen Puscheln das Spalier für die Spieler. Und in allen Auszeiten sowie in der Halbzeitpause gehört ihnen das Parkett allein. Mal zu Disco-Rhythmen, mal zu eingängigen Pop-Hits präsentieren sie ihre Tänze, winken den Publikum zu und sorgen damit vor allem für eins: gute Laune. So ist unübersehbar, dass (natürlich) viele Männer auf den Rängen mit sehr wohlwollenden Blicken die Vorführungen der gut gebauten Mädels verfolgen. Aber auch die weiblichen Zuschauer freuen sich über diese Auflockerung der Spiele - nicht nur, weil mit Alex Werk auch für ihre Augen "was dabei" ist. Was so leicht aussieht, so locker und flüssig präsentiert wird, was sicher auch eine erotische Komponente hat, ist aber Ergebnis eines regelmäßigen und intensiven Trainings. Denn im Grunde stehen die Cheerleader vor der gleichen Aufgabe, die ein weltbekanntes Fotomodell mal so umschrieben hat: "Süß auszusehen ist schon manchmal sehr anstrengend, aber genau das darf der Betrachter nicht sehen." Sonja Waßmuth nickt: "Ja, dieser Satz trifft es ziemlich genau." Wer die Gruppe bei ihren Übungsabenden besucht, sieht, dass dort zwar ein lockerer Ton vorherrscht, aber sehr konzentriert gearbeitet wird. "Wir trainieren jeden Dienstag und Donnerstag je zwei bis drei Stunden", umreißt Alexandra Weber den zeitlichen Aufwand abseits der Spiele. Und das seit knapp einem Jahr völlig ohne Trainerin. Denn Anfang 2001 gab es einen entscheidenden Einschnitt für die Crew, die seit 1996 die Baskets unterstützt. Damals waren sie als Gruppe der Tanzschule Kreutz zum Telekom-Team gestoßen, traten in den folgenden fünf Jahren als "Shooting Stars" auf und trainierten in der Tanzschule. Chefin der Truppe war eine Tanzlehrerin. Mit der Zeit wuchs aber der Wunsch, eigene Tanzideen und eigene Musik auszuprobieren, auch über das Outfit selbst zu bestimmen. Als dies zu "Unstimmigkeiten" (Weber) führte, kam es zum Bruch. Ein Großteil der Cheerleader verließ die Tanzschule, sie wurden offiziell Mitglieder der Baskets. Im Januar Trennung von Tanzschule und Trainerin Nur mussten sie "über Nacht" völlig auf eigenen Beinen stehen. "Mit acht neuen Mitgliedern haben wir innerhalb einer Woche ein komplettes Programm aufgestellt", erinnert sich Sonja Waßmuth an die stressige Phase im Januar/Februar 2001. Sie war wie acht andere der heutigen "Dynamics" von der ersten Stunde der "Shooting Stars" an dabei. Mit der Erfahrung dieses "harten Kerns" gelang es, alle Schwierigkeiten zu überwinden ("wir haben zum Teil in Kellern und Garagen trainiert") und beim Spiel gegen Würzburg am Karnevalssamstag (immer ein Jahreshöhepunkt) unter dem neuen provisorischen Namen "Starlights" wieder auf dem Parkett zu stehen. Von den Zuschauern fast völlig unbemerkt war die Abnabelung vollzogen worden. Bald lief auch das Training in der Hardtberghalle und im Helmholtz-Gymnasium wieder in geregelten Bahnen. Im Sommer konnten die Baskets-Fans dann per Internet über den endgültigen neuen Namen entscheiden, seitdem heißen sie "Baskets Dynamics". Durch personellen Zuwachs erreichte die Gruppe auch wieder eine Größe, dass Ausfälle problemlos verkraftet werden. Besonders attraktive Neuzugänge wie Christine Weißensee und Anne Flaspöhler haben dabei den ästhetischen Gesamteindruck der Truppe zweifellos weiter gesteigert. Die Eigenständigkeit hatte zur Folge, dass es keine Chefin oder keinen Chef mehr gibt. Zwar erledigt Alexandra Weber viel Organisatorisches und ist Ansprechpartnerin bei der Buchung der Gruppe bei Gastauftritten, bei allen Entscheidungen herrscht aber Basisdemokratie in Reinkultur. Jedes Mitglied kann eigene Vorschläge zur Choreographie oder zur Musik vorführen, anschließend wird mehrheitlich beschlossen. Oft werden aber die Ideen auch im Gruppentraining weiter entwickelt, bis eine neue "Auszeit" daraus geworden ist. An die 30 solcher Kurz-Programme haben die Dynamics auf Lager. Wichtig ist dabei die absolute Präzision, weil in den 60 Sekunden Spielpause zwischen Ein- und Auslaufen allenfalls 40 bis 45 Sekunden Zeit für den eigentlichen Auftritt bleiben. So werden die Schrittkombinationen, die Armbewegungen, das Entwickeln eines Gruppenbildes am Ende vor der breiten Spiegelwand im Gymnastiksaal der Hardtberghalle immer und immer wieder geübt - bis alles wie im Schlaf sitzt. Denn während der Spiele müssen die Cheerleader zu jeder Sekunde parat sein, weil sie nie wissen, wann sie dran sind. Auch ohne Trainerin wird Disziplin groß geschrieben. "Wer unentschuldigt beim Training fehlt, zahlt eine Strafe, wenn dies mehrfach passiert, kann dies zum Ausschluss führen", berichtet Alex Werk. Alle sind aber mit so viel Spaß dabei, dass sie sich auch selbst Sondertraining auferlegen. "Wenn mal jemand wegen einer Prüfung eine zeitlang nicht trainieren kann, üben wir neue Programmteile schon mal zu zweit oder dritt im Wohnzimmer", erzählt Jessica Vietz. Auch außerhalb der Spiele fungieren die Dynamics als Botschafter der Baskets. Ob bei Stadtteilfesten, anderen Sportveranstaltungen oder Events der Sponsoren sind sie gerne gesehene Gäste. Seit sie Vereinsmitglieder sind, tragen die Baskets die Kosten für das Outfit. Denn neben den (selbst entworfenen!) Trikots muss bis hin zu Schuhen und Söckchen alles einheitlich sein. Traum vom rauschenden Applaus der Basketsfans Die Dynamics haben noch viel Ehrgeiz, sich weiter zu verbessern. Fernziel ist dabei, mal an offiziellen Cheerleader-Meisterschaften teilzunehmen. "Da fehlt uns aber noch einiges vor allem im akrobatischen Bereich", urteilt Alex Werk. Zum Beispiel müsse jeder einen Spagat vorführen können, zudem seien schwierige Hebefiguren mit Pyramiden mit bis zu drei Cheerleadern übereinander zu bewältigen. Das heißt: Immer weiter trainieren und mit jedem Monat ein Stückchen besser werden. Wichtiger als Medaillenehren bei Meisterschaften ist den Dynamics aber eh die Resonanz der Baskets-Fans. Ihr Traum: Mal mit ebenso begeistertem Applaus verabschiedet zu werden wie die Mannschaft ...