Telekom Baskets lassen den Hardtberg beben

Sie tobten, sie feierten, sie jubelten. 3.500 begeisterte Fans sorgten für Gänsehaut-Atmosphäre in der restlos ausverkauften, viel zu kleinen Bonner Hardtberghalle. Soeben hatten die Telekom Baskets Bonn den neuen Rivalen vom Rhein, RheinEnergy Cologne, mit 85:73 besiegt und damit dem Tabellemführer der s.Oliver-BBL die erste Niederlage seit 12 Spieltagen zugefügt. Nur die ersten beiden Saisonspiele hatten die Kölner bisher verloren, eines davon war die 85:66-Auftaktniederlage gegen die Telekom Baskets. Als einer der heissen Favoriten auf die Deutsche Basketball-Meisterschaft nach Bonn gereist, spielte der Liga-Neuling zunächst souverän. Schnell wurde auch den größten Bonner Optimisten klar, dass hier das derzeit beste Team der Liga zu Gast war. Die Truppe von Erfolgscoach Svetislav Pesic zeigte von Beginn an Nervenstärke, die Baskets dagegen wirkten nervös; die Erwartungen der Fans schien eher wie eine Last zu wirken. Waren in den letzten Spielen die Schüsse von außen ein Erfolgsrezept der Bonner, hatten Beechum & Co im ersten Viertel zunächst Ladehemmung. Ganz anders die Gäste: Der erste Dunking von Terrence Rencher wurde zwar verschlafen, danach war Köln jedoch hellwach und zumeist einen Schritt schneller. Der überragende C.C. Harrison war es, der knapp eine Minute vor dem Viertelende sein Team auf zwölf Punkte in Front brachte. Die Baskets brauchten ihre Zeit um ins Spiel zu finden. Auch zu Beginn der zweiten zehn Minuten war es vor allem Harrison, der RheinEnergy komfortabel in Führung hielt. Jeden Versuch der Baskets näher heran zu kommen, konterte der Kölner US-Star eiskalt per Dreier. Die Wende des Spiels leitete Gunman Hurl Beechum ein. Mehrere Versuche hatte der Bonner Topscorer bis dahin daneben gesetzt, bis in Minute 14 sein erster Dreier durch das Netz rauschte. Für Fans und Teamkollegen eine Initialzündung. Zoran Kucic konnte für den Tabellenführer per Korbleger noch einmal kontern, danach kam der Baskets-Express ins Rollen. In einem beeindruckenden 22:2-Punkte-Lauf machten die Telekom Baskets bis kurz nach Beginn der zweiten Hälfte aus einem 28:37-Rückstand eine 50:39-Führung. Die Hardtberghalle wurde zum Tollhaus. Der sechste Mann tat sein übriges, dass die Baskets die Kontrolle des Spiel nicht mehr aus der Hand gaben. Die Kölner hatten es zu diesem Zeitpunkt ihren Topscorer C.C. Harrison zu verdanken, nicht weiter zurück zu fallen. Auch aus unglaublichen Positionen versenkte Harrison vier Schüsse von der Dreierlinie. Doch jetzt trafen auch die Bonner Distanz-Schützen wieder. Aleksandar Zecevic, Hurl Beechum und Terrence Rencher konnten die Annäherungen der Gäste jeweils per Dreier abwehren. Mit seinem achten Dreipunkte-Wurf brachte C.C. Harrison sein Team zu Beginn des letzten Viertels nochmals auf 67:69 heran, doch die Baskets verloren nicht die Nerven. Allen voran Terrence Rencher, der cool dem Spiel seinen Stempel aufdrückte und Schlüsselspieler des Bonner Erfolgs war. Die Fans in einen Freudentaumel schoss allerdings ein anderer: Kapitän Paul Burke, mit einer Gehirnerschütterung angeschlagen ins Spiel gegangen, brachte sein Team mit einem Dreier aus über acht Metern endgültig auf die Siegerstraße (81:71, 36.). Von da an war Feiern angesagt. Nicht nur, dass man den Tabellenführer und Rivalen aus der Nachbarstadt eindrucksvoll bezwingen konnte, auch hatte das Team von Headcoach Predrag Krunic, unter den Augen des mit großen Beifall begrüßten Bonner Ex-Trainers Bruno Soce, den Anschluss an die Tabellenspitze gewahrt und so die Liga weiter spannend gemacht. Baskets-Coach Predrag analysierte nach dem Spiel gewohnt nüchtern: Meine Mannschaft hat sich an das gehalten, was ich ihr vorher gesagt habe. Nach dem schlechten ersten Viertel haben wir unserer Defense umgestellt, das war der Schlüssel zum Sieg. Krunic lobte besonders die Leistung seines Teamkapitäns. Paul Burke hat am Ende einen hundertprozentigen Job gegen Harrison gemacht und das ohne Foul. Sein Trainer-Kollege Svetislav Pesic nannte das Spiel eine Begegnung auf sehr hohem Niveau." Seinem Team habe jedoch die mentale Stärke ein wenig gefehlt. Baskets-Guard Terrence Rencher brachte es auf den Punkt: Wir wollten den Sieg einfach mehr.