Telekom Baskets siegen hauchdünn in Gießen

Ein rundum gelungenes Wochenende für Terrence Rencher. Am Freitagabend konnte sich der Baskets-Guard über die Geburt seiner Tochter Siena freuen, 20 Stunden später feierte er zusammen mit seinen Teamkollegen und 250 Bonner Fans den wichtigen Auswärtssieg in der Sporthalle Ost in Gießen. Mit 76:75 siegten die Telekom Baskets Bonn denkbar knapp gegen die zuletzt so erfolgreich aufspielenden Basketballer von Avitos Gießen. Zur Erinnerung: Vor drei Tagen konnten die Hessen im Deutschen Pokal RheinEnergy Cologne hoch bezwingen, zuvor musste in der s.Oliver-BBL mit Leverkusen ein weiteres Team vom Rhein eine klare Niederlage einstecken. Jetzt sollten die Telekom Baskets an der Reihe sein. Doch es kam anders. In einer intensiv geführten Begegnung konnten sich die Baskets über weite Strecken einen kleinen Vorteil heraus spielen. Dies lag vor allem am besseren Spielaufbau der Gäste. Mit Terrence Rencher hatten die Bonner den besten Passgeber der Liga in ihren Reihen. Ein Titel, den der US-Amerikaner, der vor drei Tagen seinen 29. Geburtstag feierte, auch diesmal eindrucksvoll bestätigte. Zahlreiche Zauberanspiele auf Aleksandar Nadjfeji, Mike Mardesich oder Branko Klepac ließen die mitgereisten 250 Bonner Fans jubeln und die Defense der Giessener alt aussehen. Rencher war mit 20 Punkten und neun Assists bester Mann auf dem Spielfeld. Zum Ende des ersten Viertels hatten die Telekom Baskets bereits einen Sieben-Punkte-Vorsprung heraus gespielt (26:19). Der erste Dreier von Hurl Beechum zum 17:14 leitete den kleinen Zwischenspurt der Gäste ein. Die Stärke des Gunman lag aber diesmal weniger im Schuss von Außen, nur zwei von zehn Distanzschüssen sollten ihr Ziel finden, sondern in einer bärenstarken Defense. Gleiches galt für Team-Kapitän Paul Burke, der sich in Gießen wieder in alter Form präsentierte. Burke und Rencher hatten maßgeblichen Anteil daran, dass die Bonner im zweiten Viertel ihre Führung ausbauen konnten. Gießen kam mit der variablen Verteidigung der Baskets nur schwer zurecht und leistete sich zahlreiche Ballverluste. In der 17. Minute markierte Terrence Rencher per Fastbreak das 40:26 und damit die höchste Führung für sein Team. Doch jetzt begann die große Zeit des Greg Stevenson, der bis dahin von Hurl Beechum fast komplett aus dem Spiel genommen wurde. Dem US-Amerikaner gelangen acht Punkte in Folge, darunter zwei Dreier, die Führung der Baskets schmolz bis zum Pausenpfiff auf 44:36 zusammen. Richtig in Gefahr kamen die Baskets erstmals kurz nach dem Seitenwechsel. Der Ex-Bonner Detlef Musch und Guard Billy Donlon brachten Gießen auf drei Punkte heran (46:43, 24.). Das Spiel schien nun zu Gunsten der Hessen zu kippen, doch die Hausherren nutzten gleich mehrere Gelegenheiten nicht, um noch näher heran zu kommen. Die Baskets dagegen behielten die Nerven und konterten eiskalt per Fastbreak. Kurz vor Ende des dritten Viertels betrug die Führung wieder zehn Punkte (58:48, 29.). Die letzten zehn Minuten des Spiels hatten fast schon Playoff-Charakter. Die Telekom Baskets stemmten sich gegen das letzte Aufbäumen der Gastgeber. Die 3.000 Zuschauer in der Osthalle begleiteten nun jeden Bonner Angriff mit einem gnadenlosen Pfeifkonzert. Doch die Baskets zeigten sich dem Hexenkessel gewachsen. Abgebrüht verwerteten sie ihre Chancen und hielten die Giessener auf Distanz. Noch zwei Minuten vor dem Ende sorgt Branko Klepac, der nach dem Spiel von seinem Coach Predrag Krunic ein Extralob für seine Leistung erhielt, mit zwei sicheren Freiwürfen für eine scheinbar komfortable 72:64-Führung. Doch Bonn bringt sich nun fast selbst um den Lohn. Anstatt das Spiel zu beruhigen und die Uhr herunterzuspielen, versuchen die Baskets das Spiel weiter schnell zu halten und von außen die Entscheidung zu erzwingen. Ein Dreipunkt-Wurf und danach zwei Freiwürfe von Rick Stafford, gefolgt von einem weiteren Dreier durch Billy Dolon bringt Gießen 40 Sekunden vor dem Ende bis auf zwei Punkte heran (74:72). Nur zwölf Sekunden später gelingt Mike Mitchell sogar der Ausgleich zum 74:74. Aleksandar Nadjfeji macht im Gegenzug den wichtigsten Korbleger für sein Team an diesem Nachmittag. Gießen bleibt nur noch fünf Sekunden für den Sieg oder wenigstens die Verlängerung. Rick Stafford bringt den Ball und wird bereits kurz nach der Mittellinie von Paul Burke per Foul gestoppt. An der Freiwurflinie hat er die Chance, seine Mannschaft in die Verlängerung zu retten. Der erste Wurf sitzt, der Zweite springt vom Ring in die Arme von Bonns Mike Mardesich. Das Spiel ist aus, die Telekom Baskets gewinnen in Gießen 76:75.