"Wiz" Held und tragische Figur zugleich

Das war nichts für schwache Nerven. Nach einer hochdramatischen Schlussphase mussten sich die Telekom Baskets am siebten Spieltag der Basketball-Bundesliga dem Team von BS Energy Braunschweig mit 90:91 (18:28, 25:24, 25:18, 22:21) geschlagen geben.24 Sekunden vor dem Ende stand es 90:90 bei Ballbesitz Braunschweig, als sich die Baskets dazu entschlossen, den Gegner durch ein taktisches Foul an die Freiwurflinie zu zwingen, um so den letzten Angriff für sich zu haben. Braunschweigs Tyray Person musste an die Linie und konnte nur einen Wurf zum 91:90 für sein Team verwandeln. Bonns Bester, Andrew Wisniewski, hatte es jetzt in der Hand, seine Baskets im letzten Angriff zum Sieg zu werfen. 29 Punkte hatte der US-Guard und BBL-Topscorer bis dahin bereits auf dem Konto, doch anstatt den Weg zum Korb zu suchen, um so einen Korbleger zu erzielen oder wenigstens ein Foul zu ziehen, setzte Wiz vier Sekunden vor Spielende alles auf eine Karte und drückte von jenseits der Dreierlinie ab. Der Ball sprang nur auf den Ring und der Sieg ging an die Niedersachsen. So tragisch der letzte Angriff durch Andrew Wisniewski auch gewesen sein mag, das Spiel hatten die Baskets an diesem Abend vor über 3.200 Zuschauern an anderer Stelle verloren. Das ohne Jason Conley (Nasenbeinbruch) und Milos Paravinja (Knieverletzung) angetretene Team von Headcoach Danijel Jusup wirkte vor allem im ersten Viertel müde und unkonzentriert. Das schwere Spiel gegen Kiev im Europapokal vom vergangenen Dienstag schein einigen Akteuren noch in den Körpern und Köpfen zu stecken. Ganz anders die Gäste aus Braunschweig. Ex-Bundestrainer Henrik Dettmann hatte sein Team auf die Baskets glänzend eingestellt. Eine ganze Reihe von vermeidbaren Ballverlusten für Bonn waren die Folge. Nach drei Minuten lagen die Baskets schon 2:9 zurück. Bei Viertelende stand es 18:28 für die Gäste, die eine Minute vorher sogar schon mit 13 Punkten geführt hatten (24:11). Nur mühsam fanden die Baskets im zweiten Viertel besser ins Spiel. Das Fehlen von Jason Conley machte sich besonders beim Rebound und den Angriffsoptionen bemerkbar. Jason bringt immer eine unberechenbare Komponente ins Spiel, die uns heute sehr geholfen hätte. In der ersten Halbzeit hat uns Braunschweig zu leicht ausgerechnet, erklärte Coach Jusup später. Michael Meeks und Andrew Wisniewski waren maßgeblich für den ersten Zwischenspurt der Baskets im zweiten Viertel verantwortlich. Zuerst machte der Teamkapitän fünf Punkte hintereinander, danach setzte Wiz mit zwei Dreiern noch sechs Punkte drauf. Bonn war durch einen 11:2-Lauf zum 33:36 in der 14. Minute wieder auf Tuchfühlung mit den Gästen. Doch die hatten besonders durch Chauncey Leslie die passende Antwort. Der Braunschweiger sorgte bis zur Pause durch einen Korbleger und danach drei Drei-Punkte-Würfe für elf Zähler in Folge und damit für den deutlichen 43:52-Halbzeit-Rückstand der Baskets. Nach der Pause zeigten sich die Baskets wie verwandelt. Jetzt lief der Ball schnell durch die eigenen Reihen und die Zonenverteidigung der Gäste wurde mit Distanzschüssen ausgehebelt, während die Lücken in der Defense für die Braunschweiger immer geringer wurden. Nach 24 Minuten gingen die Baskets durch Wisniewski erstmals seit Spielbeginn wieder in Führung (59:57), doch größer als drei Punkte sollte der Bonner Vorsprung nicht werden. Braunschweig nutzte nach wie die vor die immer wieder auftauchende Unkonzentriertheit der Bonner gnadenlos aus. Hinzu kam ein immer größer werdendes Foulproblem bei den Baskets, die ihrem Kapitän Michael Meeks schon zu Beginn des vierten Viertels mit fünf Fouls verloren hatten. So entwickelten sich die letzten Minuten des Spiels zu einen echtem Krimi, der alle Fans in der Halle schon längst von den Sitzen geholt hatte. Braunschweig lebte jetzt besonders von seinen Freiwürfen (insgesamt 23 von 39 Bonn nur neun von elf), während die Baskets immer wieder wichtige Dreier einstreuen konnten. So auch 30 Sekunden vor dem Ende, als Perincic den Ausgleich zum 90:90 aus der Distanz markierte und dabei sogar noch gefoult wurde. Der Bonner Flügelspieler verwarf jedoch seinen Bonus-Freiwurf und so nahm das Schicksal mit dem unglücklichen Ausgang für Bonn seinen Lauf. Baskets-Coach Danijel Jusup: "Ich habe gestern schon beim Training gemerkt, dass meine Spieler heute nicht gut drauf sein würden. Das hat sich leider mit den Ballverlusten in der ersten Halbzeit gezeigt. Trotzdem hätten wir am Ende noch gewinnen können. Ich bin Wiz nicht böse, er war gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Conley hat uns heute sehr gefehlt." Braunschweigs Trainer Henrik Dettmann: "Natürlich haben wir am Ende Glück gehabt, aber wir sind natürlich froh, in Bonn gewonnen zu haben. Das ist hier fast unmöglich. Wir sind mit dem bisherigen Saisonverlauf sehr zufrieden, zumal wir eine sehr neue Mannschaft haben."