'Wiz' ist der Held von Frankfurt

Die Telekom Baskets Bonn haben am Samstagabend ein fast schon verloren geglaubtes Spiel noch gedreht und Vizemeister Deutsche Bank Skyliners mit 89:82 nach Verlängerung (14:15, 20: 21, 18:20, 25:21, 12:5) besiegt. Zwei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit egalisierte Baskets-Pointguard Andrew Wisniewski eine 77:74-Führung der Skyliners durch einen Dreipunkte-Wurf und erzwang damit die Verlängerung, in der sich das Bonner Team mit 12:5 Punkten durchsetzen konnte. Vor 8.500 Zuschauern in der Frankfurter Festhalle erwischten die Baskets zunächst den besseren Start. Andrew Wisniewski sorgte mit zwei Korblegern (einer mit Foul) nach Frankfurter Ballverlusten schnell für eine 5:0-Führung der Bonner. Doch der Vizemeister benötigte nicht lange, um ins Spiel zu finden. Vier Minuten später lagen die Baskets 5:7 zurück. Das Spiel gestaltete sich von da an über weite Strecken völlig offen, wobei beide Teams mit ihren taktischen Marschrouten durchaus zu kämpfen hatten. So gelang es den Bonnern über das gesamte Spiel nicht, die von Coach Danijel Jusup angestrebte Gefährlichkeit von der Dreierlinie zu entwickeln. Nur neun von 28 Würfen aus der Distanz fanden ihr Ziel (Quote: 32%). Der Ball musste also näher zum Korb gebracht werden und dies gelang den Baskets ausgesprochen gut. Trotz der Frankfurter Überlegenheit auf der Centerposition, auf der mit Malick Badiane, Bernd Kruel und Mate Milisa gleich drei erstklassige Lange den Bonnern gegenüber standen, gelang es der Jusup-Truppe 23 von 34 Würfe direkt am Brett erfolgreich zu verwandeln. Wir haben heute gezeigt, dass wir genügend Optionen haben, ein Spiel nicht nur von der Dreierlinie aus zu entscheiden, freute sich der Bonner Coach nach Spielende. Besonders lobte er hier Teamkapitän Michael Meeks, der in der Verteidigung über 40 Minuten ackerte und im Angriff wichtige Würfe am Brett und von außen traf. Insgesamt 17 Punkte, acht Rebounds und drei Assists gingen auf das Konto des Deutsch-Kanadiers. Aber auch alle anderen Spieler verdienten sich das Lob ihres Trainers. Hrvoje Perincic, der 19 Punkte erzielte und neun Rebounds holte, Jason Conley mit 13 Punkten und acht Rebounds und Branko Klepac, der besonders in der Verteidigung eine starke Leistung bot. Der herausragende Spieler des Abends war jedoch Andrew Wisniewski. Der gerade erst 24 Jahre alt gewordene Bonner Pointguard machte insgesamt 27 Punkte, drehte vor allem nach der Pause gehörig auf, hielt sein Team in der Schlussphase des vierten Viertels durch fast unmögliche Korbleger im Spiel und krönte sich spätestens mit seinem Dreier zum 77:77-Ausgleich kurz vor Ende der regulären Spielzeit zum unbestrittenen Liebling der rund 150 mitgereisten Bonner Fans. Dabei roch es im dritten Viertel fast schon nach einem Sieg für den deutschen Vizemeister. Die Baskets vernachlässigten immer mehr ihre Verteidigungsarbeit und gestatteten Frankfurt vermehrt leichte Würfe. Ein 9:0-Lauf brachte den Skyliners in der 27. Minute mit 53:43 die höchste Führung. Coach Jusup reagierte und ließ seine Jungs fortan eine Zonenverteidigung spielen. Jetzt kamen die Baskets wieder besser ins Spiel. Artur Kolodziejski konnte in der 36. Minute sogar per Fastbreak erneut eine Führung zum 69:66 markieren, doch nur wenig später folgte die Frankfurter Antwort in Form von zwei Drei-Punkte-Würfen durch Sljivancancin zum 74:70 (38.). Jetzt war Nervenstärke gefragt. Vor allem an der Freiwurflinie, an der sich beide Teams an diesem Abend nicht von der sichersten Seite zeigten. Auch nicht Frankfurts Kavossy Franklin, der acht Sekunden vor dem Ende sein Team mit vier Punkten von der Linie zum 78:74 in Führung bringen kann. Franklin trifft nur einen Wurf und gibt den Baskets damit die Chance, per Dreier die Verlängerung zu erzwingen. Der weitere Ablauf ist bekannt: Wiz trifft und stellt die Weichen für den ersten Auswärtssieg der Telekom Baskets in der BBL-Saison 2005/2006 auf Grün. Frankfurt Coach Ivan Sunara: "In der regulären Spielzeit hatten wir alles unter Kontrolle. Die Mannschaft hat mich heute überrascht, dass sie so gut gespielt hat. Die Intensität hat gestimmt. In der Overtime haben wir praktisch nicht mehr existiert." Baskets-Coach Danijel Jusup: "Ich bin sehr glücklich über unseren Sieg. Es ist wichtig für unser Selbstvertrauen, dass wir schon das dritte Spiel gewonnen haben. Heute hatten wir Glück, weil Frankfurt das Spiel eigentlich schon gewonnen hatte. Aber nach dem letzten 'Dreier' waren sie so geschockt, dass wir das Spiel über die Runden bringen konnten."