X-Rays mit neuem Trainer

Das Team um die Nationalspieler Robert Garett, Marvin Willoughby und Demond Greene gilt in der s.Oliver BBL seit Jahren als das der "jungen Wilden". In Würzburg setzt man schon lange erfolgreich das Konzept um, junge Talente - z.T. aus dem eigenen Nachwuchs - zu fördern und langfristig in eine bestehende Mannschaft zu integrieren. So hat man 1998 den Aufstieg geschafft und sich in der 1. Liga etabliert. Manch großes Team wurde in der Vergangenheit schon von ihnen in die Knie gezwungen. Und was aus dem größten Würzburger Talent wurde, ist der Basketballnation hinreichend bekannt: Dirk Nowitzki führt seine Dallas Mavericks mit überragenden Leistungen von Sieg zu Sieg. Doch unser "German Wunderkind" sähen die Würzburger Verantwortlichen momentan wohl lieber wieder in den eigenen Reihen. Denn es läuft nicht so ganz rund bei den X-Rays. Den Saisonstart kann man mit bisher drei Siegen und sechs Niederlagen sicher nicht als geglückt betrachten. Dabei hatte sich Pit Stahl mit seiner Truppe viel vorgenommen. Nicht nur in der s.Oliver BBL, sondern auch in der NEBL (Tabellenletzter der Gruppe B mit einem Sieg und fünf Niederlagen) wollte man zeigen, was man drauf hat: Spritzigen, temporeichen und dynamischen Basketball, wie ihn das Publikum in der heimischen Carl-Diem-Halle zu schätzen weiß. Verstärkt hat man den Kader unter anderem mit Björn Gieseck (2,07 m, 107 kg) auf der "langen" Position. Der 26-jährige Powerforward und Center überzeugte schon im Probetraining als Verstärkung unter den Körben. Außerdem verpflichtete man den US-Amerikaner Brian Myers, der vom Zweitligisten Avitos Lich nach Würzburg wechselte. Besonders wichtig für das Team war auch die Weiterverpflichtung des erst 18-jährigen kroatischen Junioren-Nationalspielers Kresimir "Cresco" Loncar (2,08m), der bei der U21-WM sein enormes Potential gezeigt hatte. Er passt besonders in das Würzburger Nachwuchs-Konzept. Trotz der Verstärkungen und dem bekannten Kampfgeist der X-Rays reichte es bisher nur für Platz elf der Tabelle. Zuletzt mussten Garett und Co. eine schwere Schlappe gegen die starken Skyliners aus Frankfurt hinnehmen (75:106). "Wir hatten keine Chance in diesem Spiel", fasste Pit Stahl das Geschehen auf dem Parkett zusammen. "Wir haben nicht die Dichte in der Mannschaft, um gegen das für mich beste Team der Liga mithalten zu können". Schon zur Pause führte die Mannschaft von Gordon Herbert - in der vergangenen Saison noch verantwortlicher Coach in Würzburg - mit einem komfortablen 21-Punkte Vorsprung. Aufopferungsvoll kämpften sich die Hausherren noch mal heran, aber die Kräfte reichten am Ende nicht. Negativer Höhepunkt war die Disqualifikation von Marvin Willoughby in der 38. Minute. Er war wohl mit einer Entscheidung der Unparteiischen nicht einverstanden gewesen und hatte seinem Frust mit einer Schiedsrichterbeleidigung Luft gemacht. Die Folge: Willoughby wird am Samstag in der Hardtberghalle gegen die Baskets nicht auflaufen. "Wir müssen nun versuchen, irgendwie in die Playoffs zu kommen", ließ Pit Stahl etwas frustriert verlauten. Dieses Ziel wird der bisherige Headcoach Stahl jetzt eher aus der zweiten Reihe verfolgen dürfen, denn seit dem 1. Dezember haben die X-Rays einen neuen Trainer, der die Geschicke in Würzburg zukünftig leiten soll: Mindaugas Lukosius. "In unserer derzeitigen Lage waren wir gezwungen zu handeln. Wir brauchen zusätzliches Know-How, um in der Bundesliga bestehen zu können. Darum haben wir unsere Kontakte zum litauischen Verband genutzt und einen kompetenten Mann engagiert, der sich auch in der europäischen Szene gut auskennt", begründet Manager Prof. Dr. Wolfgang Malisch die Verpflichtung des 42-jährigen Litauers. Trainer Pit Stahl soll, laut Malisch, ein wichtiger Bestandteil des Trainerteams bleiben und eng mit dem neuen Mann zusammen arbeiten. Lukosius stammt aus der Basketball-Hochburg Kaunas, wo er selbst seine Karriere als Spieler begann und mit Atletas Kaunas zweimal die Meisterschaft holte. Später spielte er einige Jahre in Ungarn und beendete seine Laufbahn in Australien. Er sammelte bereits früh Erfahrungen als Trainer im Nachwuchsbereich bei Zalgiris Kaunas. Seit vier Jahren arbeitet Lukosius beim litauischen Sportministerium. Der neue Coach wird am Samstag erstmals an der Seitenlinie stehen. Was er bewirkten kann, wird sich in der Partie gegen die Telekom Baskets zeigen. Die Bonner ihrerseits kamen mit einem Saporta-Cup-Sieg im Gepäck aus Amsterdam zurück, und können nach dem Sieg vergangene Woche beim "Angstgegner" in Weißenfels auch in der s.Oliver BBL zuversichtlich nach vorne blicken. Das Spiel beginnt um 15.00 Uhr in der Hardtberghalle, SAT1 zeigt Ausschnitte dieser Begegnung ab 17.30 Uhr in ran basketball. Fans im Internet können auf der Baskets-Website per LiveSound, LiveScore und Webcam ab 14.30 Uhr dabei sein.