Gipfeltreffen in der Max-Schmeling-Halle

Bonn und Berlin kämpfen um die Tabellenführung

Kaum zu halten war TJ Shorts II im Pokalspiel gegen Berlin: Mit seinen 36 Punkten erzielte der Aufbauspieler die meisten Punkte, die je ein Baskets-Spieler in einem Pokalspiel markierte. (Foto: Tilo Wiedensohler)

„Ich war noch nie in dieser Halle“, sagt Baskets-Headcoach Tuomas Iisalo und fügt lachend an: „Aber unser Präsident Wolfgang Wiedlich hat mir die historische Bedeutung der Max-Schmeling-Halle aus Basketssicht erklärt.“ Denn in der Saison 1996/97 erreichten die Telekom Baskets als erster Aufsteiger überhaupt prompt die Finalserie um die Meisterschaft. Und in der Veranstaltungshalle, benannt nach dem 2005 verstorbenen deutschen Weltmeister im Schwergewichtsboxen und gelegen im Ortsteil Prenzlauer Berg des Bezirks Pankow, spielten die Baskets gegen Alba Berlin ihr erstes BBL-Finale, das damals auch von Bonner Fan-Hundertschaften im Sonderzug angesteuert wurde. 

Trainingswoche gut genutzt

„Wir haben zuletzt regelmäßig zwei Mal die Woche gespielt, was mit viel Reiseaufwand verbunden war. Dass wir jetzt eine ganze Trainingswoche Zeit hatten, ist sehr wichtig für uns", sagt Iisalo. „So konnten wir uns nicht nur länger auf das Spiel vorbereiten, sondern auch die Dinge behandeln, die uns in den vergangenen Spielen zwar aufgefallen sind, wir jedoch aufgrund des engen Terminplans nicht angehen konnten. Da standen stets die Erholung und die Vorbereitung aufs Spiel im Vordergrund.“ Ohne das zusätzliche Spiel unter der Woche habe er nun im Training noch mehr von seinen Spielern verlangen können. „Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann wir zuletzt nur ein Spiel in einer Woche gespielt haben. Ich glaube das war vor dem Crailsheim-Spiel“, so Iisalo.

Zusätzlich zur beeindruckenden BBL-Bilanz (12 Siege bei nur einer Niederlage) konnte Alba Berlin zuletzt auch drei der vergangenen vier Euroleague-Spiele gewinnen und ist somit pünktlich zum easyCredit BBL-Gipfeltreffen in Topform. Iisalo ist aufgefallen: „Auch Berlins Nationalspieler Johannes Thiemann und besonders Maodo Lo kommen immer besser in Fahrt, nachdem sie einige Zeit pausieren mussten.“ Auch wenn es für den Gastgeber nun das dritte Heimspiel binnen einer Woche sein wird: „In unseren bisherigen Duellen hatten wir noch nie das Gefühl, dass wir gegen eine müde Berliner Mannschaft spielen. Sie spielt exzellenten Basketball, und wir erwarten am Sonntag ein Alba-Team in Bestform! Wir müssen extrem fokussiert sein und benötigen den größtmöglichen Einsatz, um mit ihnen mitzuhalten.“

Eine Strategie feiert ihr Comeback

Im Defense-Repertoire der Albatrosse befindet sich in dieser Saison auch die sogenannte Box-And-One-Verteidigung: Während im Grunde vier Spieler eine Zonen-Verteidigung spielen, widmet sich der verbleibende fünfte Spieler mit einer Mann-Mann-Verteidigung meist dem gefährlichsten gegnerischen Ballhandler und/oder Guard. Iisalo: „Die Box-And-One-Verteidigung wird nur noch sehr selten genutzt, aber wenn, dann um das Tempo des Spiels zu verändern oder die gegnerische Mannschaft zu überraschen.“ Für den finnischen Taktik-Liebhaber ist es dennoch eine interessante Variante: „Berlin hat diese Verteidigung in manchen Spielen auch über längere Phasen hinweg gespielt. Sergio Scariolo hat es als Trainer der spanischen Nationalmannschaft während der Europameisterschaft erfolgreich genutzt. Auch die Toronto Raptors haben die Box-And-One in den NBA-Finals 2019 gespielt, als Scariolo dort Co-Trainer an der Seite von Headcoach Nick Nurse war. Es ist interessant zu sehen, wie die diese Verteidigung in den Top-Ligen ein Comeback erfährt.“

85. Auflage der "Mutter aller Spiele"

Am Sonntag werden sich die Telekom Baskets Bonn und Alba Berlin zum 85. Mal in einem Pflichtspiel (BBL, Pokal, Europapokal) seit der Saison 1996/1997 gegenüberstehen. Zum ersten Mal überhaupt trafen beide Teams jedoch bereits 1995 aufeinander: In einem Testspiel verloren die damals von Bruno Socé trainierten Baskets als Zweitligist gegen den amtierenden Korac-Cup-Sieger und Vizemeister Berlin knapp mit 78:84. Rückblick >>>

Zu Beginn der laufenden Saison standen sich Bonn und Berlin auch in der ersten Pokalrunde gegenüber. Berlin entschied die Begegnung knapp mit 98:95 für sich. 

From a land down under

Finn Delany und Berlins Yanni Wetzell kennen sich nicht nur aus der neuseeländischen Basketball-Nationalmannschaft (2017), sondern waren auch in der Saison 2020/2021 Teamkollegen bei den New Zealand Brakers - dem einzigen neuseeländischen Team, das auch in Australiens Basketballliga NBL antritt. 

TV-Übertragung

Das Spiel wird live ab 14:45 Uhr auf Magenta Sport und ab 15:00 Uhr auf Sport1 übertragen.