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Kölnarena 8. März 2000

Kölnarena-Experiment geglückt - 18.506 Zuschauer beim Spiel der Telekom Baskets Bonn gegen ALBA Berlin 

Am 7. April 2000 kam es in der Kölnarena zu einem denkwürdigen Ereignis und dies in mehrerlei Hinsicht: Zum einem schafften es die Telekom Baskets tatsächlich, über 18.000 Zuschauer für ein Basketball-Bundesliga-Spiel zu motivieren, zum anderen konnte bewiesen werden, dass Basketball in Deutschland tatsächlich ein "schlafender Riese" ist. Dass die Baskets das Spitzenspiel gegen den Deutschen Meister aus Berlin mit 64:72 verloren, dämpfte den äußerst positiven Eindruck dieses Events bei Zuschauern und Medien nur wenig.

Stimmen:

Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich:
"Es ist uns gelungen, den schlafenden Riesen in Deutschland zu wecken".

Baskets Coach Bruno Soce:
"Es war phantastisch, vor einer solchen Kulisse zu spielen"

Alba Berlins Trainer Svetislav Pesic:
"Es gibt in Deutschland ein Zuschauerpotenzial für unseren Sport, heute haben wir den Beweis geliefert", schwärmte Alba Berlins Meister-Trainer Svetislav Pesic

Bundestrainer Henrik Dettmann:
"Ein großer Tag für Bonn und den deutschen Basketball".

Alba Berlins Spielmacher Terry Dehere: 
"Ich hatte das Gefühl, als ob ich in der NBA wäre. Es war unglaublich."

Alba-Vizepräsident Marco Baldi:
Für alle, die was im Basketball bewegen wollen, war das heute ungemein motivierend“.

Dietmar Schott vom Fernsehsender WDR:
"Es war ein historischer Tag für den deutschen Basketball. Ich bin tief beeindruckt"

 

 

Pressespiegel

General Anzeiger vom 30.03.2000

"Im deutschen Basketball ein bisher einmaliges Erlebnis"

Telekom Baskets betreiben für das Spiel in der Kölnarena riesigen Organisationsaufwand

Von Gerhard Mertens

Bonn. Was die Telekom Baskets Bonn für das letzte Hauptrundenspiel der Basketball-Bundesliga in der Kölnarena am 7. April gegen Alba Berlin bewegen, ist gigantisch. Schon seit einiger Zeit läuft die Organisation auf Hochtouren. Und Baskets-Vorsitzender Hans-Günter Roesberg verspricht: "Die Zuschauer werden etwas erleben, was im deutschen Basketball bisher einmalig ist."

Für die Baskets aber auch einmalig im Bezug auf Organisationsaufwand, Personaleinsatz und finanziellen Anstrengungen. "Ich kann es noch nicht genau beziffern, aber am Spieltag selbst werden 400 bis 500 Leute in der Halle sein, die nicht ihrem Vergnügen nachgehen, sondern arbeiten müssen", meinte Roesberg.

Bereits im Vorfeld sind etwa 80 Personen damit beschäftigt, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Alles fing mit einer Bestandsaufnahme vor Ort an. Dabei galt es, selbst die elementarsten Dinge zu klären. Sind die Körbe für den offiziellen Spielbetrieb zugelassen? Oder erfüllt der überdimensionale Multimedia-Würfel in der Mitte der Hallendecke die notwendigen Voraussetzungen für ein Basketballspiel? Und, man höre und staune, die Kölnarena musste nachbessern. Die Korbanlagen mussten mit einer 30-Sekunden-Anzeige ausgestattet, hinter den Körben elektronische Anzeigen mit Spielzeit und Spielstand installiert werden. Denn die Anzeigen auf dem Multimedia-Würfel sind für die Spieler auf dem Feld nur schwer oder gar nicht zu erkennen. Mehr Arbeit haben die Baskets mit der Einrichtung eines Pressezentrums und eines VIP-Raumes, die nicht nur den Medienvertretern die Arbeit und den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten sollen, sondern auch "die für die Baskets typische Atmosphäre ausstrahlen." Zwischen Bonn und Köln müssen zudem alle Werbebanden, -plakate und -fahnen transportiert und in der Halle platziert werden. Das gleiche gilt für die Computer-Anlage des Event-Teams, für das erst noch die Voraussetzungen geschaffen werden müssen, dass sie wie in der Hardtberghalle vom Spielfeldrand aus ihre Musikuntermalung und Jingels einspielen kann. Im direkten Zusammenhang damit steht die Beschallung, die in der 18 000 Zuschauer fassenden Kölnarena zum Problem wird. Gerade für die Oberränge werden zusätzliche Lautsprecher installiert.

Auch in Sachen Beleuchtung müssen die Baskets aufrüsten. "Die Kölnarena bringt zwar eine gewisse Grundausstattung mit, aber für unseren Bedarf reicht das nicht aus", sagt Roesberg. Das nötige Equipment - beispielsweise computergesteuerte Spotlights - und Know-how bekommt man nur über Fremdfirmen, das wiederum kostet zusätzlich Geld. Damit ist aber noch nicht geklärt, wer diese Scheinwerfer bedient und wie sie während der Veranstaltung eingesetzt werden. Roesberg: "Wir arbeiten da eng mit der Kölnarena zusammen. Da gibt es genaueste Regieanweisungen." Das Drehbuch für den Multimedia-Würfel ist gar 20 Seiten lang. Angesteuert wird das High-Tech-Gerät von der Bonner Spectra Film GmbH. Sie hat einen sekundengenauen Ablaufplan, was wann und wie lange über die vier Monitorwände flimmert, sei es Werbung oder live das Spielgeschehen, das von mindestens sieben Kameras rund um das Spielfeld eingefangen wird. Beim Rahmenprogramm lassen sich die Verantwortlichen nur ungern in die Karten schauen. Die Rede ist von "vier bis fünf Programmpunkten", die das Spiel über den Sport hinaus zu einem echten Erlebnis machen sollen. Auch über die Kosten, die auf die Baskets zukommen, bewahrt man Stillschweigen. Schätzungen gehen von etwa 200 000 Mark aus. Präsident Wolfgang Wiedlich: "Wenn 15 000 Zuschauer kommen, schneiden wir unter dem Strich mit plus minus null ab." Sein Vorsitzender meinte sogar: "Ich erwarte mehr 15 000 Zuschauer."

 

General Anzeiger vom 10. April 2000

Neue Halle oder "kleine Brötchen backen"

Nach dem Abenteuer Kölnarena wünschen sich die Baskets von den Politikern mehr Mut bei der Entscheidung für eine Bonnarena

Von Gerhard Mertens und Franz-Werner Krausgrill

Bonn. Am Ende forderte der "kollektive Schlafmangel" bei den Telekom Baskets Bonn seinen Tribut. "Ich habe am Samstag erst einmal richtig ausgeschlafen", erklärte der 1. Vorsitzende Hans-Günter Roesberg. Nach dem großen Spektakel rund um das Spiel gegen Alba Berlin (64:72) vor 18 500 Zuschauern in der Kölnarena hatten aber auch die Event-Verantwortlichen Wirkung gezeigt. "Was Johannes Weber, Frank Piontek und Uwe Treskatis von Spectrafilm hier an Energie und Ideen hineingesteckt haben, kann ein Außenstehender nur erahnen", meinte Baskets-Präsident Wolfgang Wiedlich, der allerdings auch selbst einen angeschlagenen Eindruck machte.

Doch man merkte ihm an, dass ihn das Ergebnis mehr als entschädigte, auch wenn die Baskets nun sportlich aus einer sehr schwierigen Ausgangsposition in die Play-off-Runde starten werden. Bundesweit hatte der europäische Zuschauerrekord in Sachen Basketball Schlagzeilen gemacht, und das positiv. "Es war ein historischer Tag für den deutschen Basketball. Ich bin tief beeindruckt", erklärte etwa Dietmar Schott vom Fernsehsender WDR. Und was der wiederum abends über die Bildschirme flimmern ließ, beeindruckte Wiedlich. "Da kreist ein Helikopter im dunklen Abendhimmel über der hell erleuchteten Kölnarena und sendet die Bilder auf den Monitor in deutsche Wohnzimmer", schwärmte Wiedlich. Und schon hat der Mann wieder seine Visionen. "Ich stelle mir vor: In naher Zukunft kreist ein Hubschrauber über der Bonnarena und kündigt die bundesweite Live-Übertragung eines Baskets-Heimspiels an. Diese Halle muss ein architektonisch attraktives Äußeres und Inneres haben, Top-Atmosphäre ermöglichen und ein neues, mit Leben gefülltes Wahrzeichen unserer Stadt werden."

Doch hat diese Veranstaltung die Baskets einer Halle in Bonn wirklich näher gebracht? Wiedlich: "Wir haben einen Stein ins Wasser geworfen. Dieser Steinwurf hat größere Kreise als erwartet ausgelöst, nämlich über 18 000 Zuschauer mobilisiert. Und im Grunde stellt diese Tatsache einen zweiten Steinwurf dar." Und meint damit: für die Politiker. Diese müssten "an ein solches Hallenprojekt kreativ und mit Zuversicht herangehen". An Lokalpatriotismus fehle es den Politikern nicht. "Man kann von den Stadtoberen", so Wiedlich, "nicht erwarten, dass sie jubelnd ein Millionengrab schaufeln. Was wir erwarten: Mehr Visionen, mehr Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten, aber auch die Chancen sehen, die die Baskets als Transmissionsriemen für solch eine Halle bieten."

Kommt die Halle nicht, sieht Wiedlich seine Baskets in zwei Jahren in der Rolle, in der vor einem Jahr Rhöndorf steckte. "Dann müssen wir ganz kleine Brötchen backen oder von der BBL aussortiert werden oder - um das zu verhindern - in eine andere Stadt flüchten", stellte Wiedlich unmissverständlich klar. Keine dieser Alternativen gefalle ihm. Wiedlich: "Und deshalb werden wir alles tun, damit in Bonn fortgeführt werden kann, was hier in mehr als 20 Jahren aufgebaut worden ist." Gerüchten, die Baskets würden selbst zur Schaufel greifen und ihre eigene Halle bauen, wie zuletzt am 1. April auf der Internet-Homepage des Vereins verkündet, trat Wiedlich entgegen: "Das ist bis heute ein Aprilscherz. Wir sind zwar grundsätzlich verrückt, aber nicht grenzenlos."

Aber sein Vorsitzender Roesberg hat trotz der Kraftanstrengung offensichtlich Blut geleckt und kann sich vorstellen, das Ganze zu wiederholen. "Vielleicht nicht heute oder morgen, aber in der Zukunft sicher schon. Es war ein tolles Erlebnis für alle Beteiligten", so Roesberg. Ob man nun für 800 Leute im Pennenfeld oder für 18 500 in der Kölnarena ein Spiel vorbereite, das sei abgesehen vom erhöhten Aufwand eigentlich dasselbe.

 

General Anzeiger vom 10. April 2000

Der "sechste Mann" hat auf einmal ein Echo

Auch die Kölnarena lässt sich zum magenta-farbenen Hexenkessel umfunktionieren - Marsch gegen Alba, Kölner und Bedenkenheitsträger

Von Tina Stommel

Köln. Es war ein Heimspiel. Und auch wieder nicht. Denn die nach Hardtberghallen-Spielen eindeutig ketzerische Frage "Und - wie war die Stimmung?" ist diesmal gestattet. Wer nach dem Spiel Baskets versus Alba zum Handy griff, um unglückliche, weil terminlich verhinderte Fan-Freunde über den Stand der Dinge in Kenntnis zu setzen, der war in schöner Tradition reif für Emser Pastillen. Heiser gebrüllt, leicht verschwitzt und mit Handflächen, so pink wie die Sponsor-Farbe. Alles, wie es sich gehört. Und doch: Zu Hause ist woanders.

In Wahrheit zogen die Baskets-Fans an diesem Freitagabend in einen dreifachen Kampf. Gegen Alba - Fanclub-Freundschaft hin oder her; gegen Köln - man musste den selbst ernannten größten Stimmungskanonen des Rheinlandes schließlich zeigen, dass im Basketsland jeder Spielabend ein Rosenmontag ist; und gegen die städtischen Bedenkenheitsträger, die immer noch nicht glauben wollen, dass das Basketsfieber ein ansteckendes Virus ist, das nach 4 000 Dauer-Infizierten noch lange nicht schwächelt.


Die selbst gestellte Hausaufgabe war, vor laufenden Kameras zu beweisen, dass selbst ein Gigant wie die Kölnarena Hexenkessel-Qualitäten besitzen kann. Die ungewöhnliche, wenn auch nur leichte Verunsicherung beim Marsch auf die Arena zwei Stunden vor Spielbeginn erweist sich als grundlos. Rund um das runde Kölner Ufo ist Party. Alles, was irgendwie irgendwo rosarot markiert ist, brüllt, singt und freut sich des Lebens. Nur - wo ist Frank? Frank ist sonst immer einer der Ersten, Frank findet man sofort, wo Frank ist, ist Heimat. Klar ist: Irgendwo ist er, der freundliche Sitznachbar mit dem beruhigend kraftvollen Stimmumfang. Aber die riesige Arena gibt ihn nicht preis.

Lauter fremde Gesichter, das können doch nicht alles Kölner sein. Angestrengt läuft man durch die Gänge, nicht nur den Gang, scheitert an banalen Suchaktionen, wie der nach dem knusprigen Baskets-Schnitzelbrötchen ("Hammer nich", sagt die kölsche Imbiss-Verkäuferin) - und an weniger banalen Suchaktionen wie der nach Frank und Konsorten. Klar, die eigene Gruppe ist komplett, und Händchenhalten verhindert, dass sie im 18 500-Seelen-Dorf Kölnarena auseinanderreißt. Aber die so genannten anderen, die, deren Namen man manchmal nicht 'mal kennt, aber die trotzdem an Abenden wie diesem zur Familie gehören, die verstecken sich im gigantomanischen Nirgendwo.

"Das ist Wahnsinn", trällert ein Wolfgang-Petry-Fan beim Blick von einer Brüstung ins Arena-Innere. Wahnsinn, in der Tat: Allüberall sprießen magenta-farbene Luftballons, der riesige Sony-Würfel an der Decke knallt einem die Bilder der Heißgeliebten auf derart sensationelle Weise entgegen, dass man glauben möchte, Branco Klepac sei in Wahrheit aus der NBA. Wow, toll. Und auf einmal haben wir sogar Maskottchen. Gleich zwei, das quietschgelbe Irgendwas der Kölnarena und ein zweibeiniges T-D 1-Handy dazu. Freundliche Sponsor-Bedienstete animieren einen zum kostenlosen Telefonieren, und die Gratismützen machen plötzlich echt 'was her. Schön, dass es das gibt - warum eigentlich gibt's das nicht zu Hause?

Statt "G 1" blind zu finden, sucht man nach "Unterrang 205". Das findet sich alles, aber Frank findet sich nicht. Vor einem sitzen plötzlich Schnarchnasen, die einfach aus Köln kommen müssen, weil sie sitzen statt zu stehen und bei "Attacke" zusammenzucken, als hätte ihnen einer eine Pistole in den Rücken gepiekst. "Attacke!" ruft man trotzdem - und hört rechts oben das Echo. Leute, wo bleibt das Taktgefühl? Die einen klatschen noch, da brüllen die anderen schon "Baskets!", wie ein Mann kriegt das Rudel den Schlachtruf nicht hin. Was hilft? Lauter brüllen, noch lauter - und trotzdem nicht im Chor. Ob es dem Spitzen-Brüller Frank irgendwo da draußen in diesem Moment genauso geht?

Aber die Optik haben wir sicher im Griff. Aufblas-Hände fliegen wie eine Hand zum Himmel, ein einziger pinkfarbener Teppich, mit einem nicht weiter erwähnenswerten gelben Alba-Fussel drauf. Den nimmt man erst Ende der zweiten Halbzeit wahr, als das Spiel verloren ist und die "Flying Frogs" wieder fliegen.

Gewonnen haben wir trotzdem. Den Kölnern haben wir es gezeigt, die vergessen die Bonner Invasion bestimmt nicht so schnell. Und Kölner und Bonner haben es mit rheinischem Wir-Gefühl den Berlinern gezeigt. Sagen wir es 'mal so: Zur Not kriegen "wir" auch ein Stadion erhitzt. Das ist eine Frage der Ehre. Aber so für immer darf es etwas weniger sein. Genug Hallengröße, um den relativen Zuschauerrekord in der Basketball-Bundesliga zu halten. Aber nicht so groß, dass der "sechste Mann" gesichtslos wird - und einer wie Frank einfach verschwinden kann.

 

Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 10.04.2000:

Rückzug ins Schneckenhaus
Bonns Basketballer präsentieren sich vor einer Rekord-Kulisse in Köln gerüstet für größere Arenen

Köln – Selten hat man jemanden gesehen, der eine Niederlage seines Teams so genossen hat wie Wolfgang Wiedlich am Freitagabend. „Ja“, hauchte der Präsident der Telekom Baskets Bonn, gerührt wie ein Kind, das zu Weihnachten alle sehnsüchtig gewünschten Spielzeuge bekommen hat: „Ich fand‘s schön.“ Natürlich nicht das Ergebnis; sein Klub verlor gegen Alba Berlin 64:72 (30:25). Auch nicht das Spiel; das war Kampf, nicht Kunst. Ambiente und Atmosphäre hatten Wiedlich, 43, glücklich gemacht.

18  500 Zuschauer hatten die Kölnarena gefüllt, bei einem Basketballspiel war noch nie eine Halle besser besetzt in Deutschland, nicht einmal in Europa. Die Olympiahalle in Athen war das Maß, dort passen offiziell 18  000 hinein. Die Zuschauerzahl in Köln hatte Dimensionen, wie man sie nur aus der nordamerikanischen Profiliga NBA kennt; dem entsprach das Rahmenprogramm. Die Bonner hatten das „Sports Magic Team“ aus Orlando einfliegen lassen, um einen Hauch des NBA-Zaubers zu verbreiten; sie hatten die slowenische Show-Truppe „Flying Frogs“ engagiert, die für die diesjährige Finalserie in der NBA gebucht ist. Sie hatten sich noch viel mehr einfallen lassen, um das Ereignis zum Erlebnis zu machen. Mehr als 150 Leute hatten beigetragen, alle ehrenamtlich. „Ich verneige mich vor unserem Ameisenstaat“, sagte Ober-Ameise Wiedlich, „wie der das gestemmt hat.“ Es war eine gelungene Veranstaltung, sogar Berlins Trainer Svetislav Pesic bedankte sich, „dass wir die Gelegenheit gehabt haben, uns vor so einer Kulisse zu präsentieren“.

Experiment geglückt

Es hat nur ein gutes Spiel gefehlt für einen wirklich großen Abend, aber dafür ging es am letzten Spieltag der Bundesliga-Punkterunde offenbar um zu viel. Für den Vorjahres-Finalisten Bonn um eine günstige Ausgangsposition für die Playoffs, für den als Tabellenersten fest stehenden Meister Berlin darum, „Akzente zu setzen“ (Pesic) und den Ruf als stärkstes Team der Liga aufzupolieren, der am Wochenende zuvor gelitten hat durch die Niederlage im Pokalfinale gegen die Frankfurt Skyliners. „Heute ging es um den Sieg“, bilanzierte Pesic und versprach: „Nächstes Mal werden wir auch für die Kulisse spielen.“

Fraglich, ob die Berliner in dieser Saison noch einmal die Gelegenheit kriegen, in der Kölnarena aufzutreten, falls sie in Halbfinal- oder Finalserie erneut auf Bonn treffen sollten. „Dazu würde ich weder grundsätzlich ja, noch nein sagen“, sagte Wiedlich: „Wir werden jetzt erst einmal in unser Schneckenhaus zurückkehren“, in die 3600 Zuschauer fassende Hardtberghalle nach Bonn. Der Umzug Rhein aufwärts in die fünfmal größere Halle war ja nur ein Experiment gewesen für den Fall, dass die Bonner sich einmal für die Europaliga qualifizieren, für die ihre Halle nicht taugt. Dass der Klub für größere Aufgaben und größere Arenen gerüstet ist, hat er bewiesen. Der Ausflug nach Köln hatte aber noch einen Nebeneffekt. „Wir bewegen uns ja nicht im Politik freien Raum“, sagte Wiedlich, „wir haben das auch gemacht wegen der Halle in Bonn.“

Das Versprechen der Kommunal-Politiker, eine größere, mindestens 6000 Zuschauer fassende Spielstätte in der ehemaligen Bundeshauptstadt zu bauen, ist konkret noch nicht angegangen worden; der Seitensprung nach Köln diente auch, die Dringlichkeit dieses Projekts mit dem Arbeitstitel Bonnarena anzumahnen. Ein dauerhafter Umzug in die Kölnarena scheint nicht ausgeschlossen zu sein, wird aber öffentlich noch nicht ernsthaft diskutiert. Die Grundkosten für die Anmietung der Kölnarena seien sehr hoch, hat Wiedlich festgestellt. Die Rekord-Kulisse hat dem Klub deshalb keinen Gewinn gebracht. Die Einnahmen deckten gerade die Ausgaben, vor allem, weil die Telekom Baskets bei den Eintrittspreisen bescheiden geblieben sind: Sie lagen zwischen 9,50 und 43 Mark und damit „um fünfzig Prozent unter den Kölner Haien“ (Wiedlich), dem Eishockey-Klub der Stadt. „Es ging hier nicht ums Geldverdienen“, versicherte Wiedlich, „wir wollten beweisen, dass Basketball ein schlafender Riese ist.“

Es dürften einige Leute aufgerüttelt worden sein von dem Interesse, das die Bonner geweckt haben. „Für alle, die was im Basketball bewegen wollen, war das heute ungemein motivierend“, glaubt Alba Berlins Vizepräsident Marco Baldi. Der gehört zu den Verhandlungsführern der Bundesligisten in Sachen Fernsehvertrag und fand, der Event in Köln „wird die Chancen sicher nicht verschlechtern“ auf Abschluss eines neuen Kontraktes. Die Bonner haben den unter Ausschluss der Öffentlichkeit leidenden deutschen Basketballern jedenfalls Hoffnung auf bessere Zeiten gemacht. „Vielleicht haben wir zu viel geweint in den letzten Jahren“, sagte Baldi, „wir haben ja viele Bedenkenträger, es wird viel geredet – und manchmal wird auch was gemacht.“ Umso schöner, wenn‘s auch noch so toll klappt.

Joachim Mölter

 

sid vom 09. April 2000

Europas größtes Basketball-Spektakel 

Bonn und Berlin wecken den "schlafenden Riesen" 

Rekord-Kulisse von 18.506 Fans /"Akzente setzen für die Playoffs" 

von Günter Bork (sid) 

Am Anfang stand eine fast irrsinnige Idee, heraus kamen das bisher größte Hallen-Spektakel im europäischen Basketball mit einer Rekordkulisse von 18.506 Zuschauern in der Kölnarena und eine Riesenwerbung für eine der weltweit populärsten Sportarten. "Es gibt in Deutschland ein
Zuschauerpotenzial für unseren Sport, heute haben wir den Beweis geliefert", schwärmte Alba Berlins Meister-Trainer Svetislav Pesic nach dem 72:64 (30:25) seiner Mannschaft gegen die Telekom Baskets Bonn. Wolfgang Wiedlich, Präsident der gastgebenden Bonner, sah sich für die Mühen belohnt: "Wir wollten den schlafenden Riesen Basketball wecken." 

Obwohl die Rheinländer durch die Niederlage gegen den souveränen Tabellenführer und Titelverteidiger Berlin im letzten Vorrundenspiel der Bundesliga eine gute Ausgangsposition für die Playoffs verspielten, gab es am Ende nur Sieger. "Es war phantastisch, vor einer solchen Kulisse
zu spielen", stellte Telekom-Coach Bruno Soce fest und versprach den begeisterten Fans weitere sehenswerte Auftritte seiner Mannschaft, die erneut das Finale im Visier hat - möglicherweise wieder in Köln gegen Berlin. Bonns "Macher" Wiedlich will nichts ausschließen, er fühlt sich durch die gelungene Veranstaltung mit buntem Rahmenprogramm ermutigt: "Man hat gesehen, dass dieser Sport in große Hallen muss. Wir wollten damit auch an die Politiker appellieren." 

Die heimische Hardtberg-Halle (Fasungsvermögen 3.500 Zuschauer) ist längst zu klein, Pläne für eine "Bonnarena" schlummern seit geraumer Zeit in der Schublade. Dass im Vorverkauf schon nach wenigen Tagen der anvisierte Bundesliga-Rekord von 8.500 Zuschauern (Max-Schmeling-Halle in Berlin) gebrochen war, übertraf kühnste Erwartungen. Am vergangenen Mittwoch meldeten die Bonner eine ausverkaufte Kölnarena. In Europa waren bisher nur Freiluft-Veranstaltungen besser besucht. 80.000 Fans sahen 1968 das Europacup-Endspiel der Pokalsieger zwischen AEK Athen und Slavia Prag im Athener Olympiastadion, 75.000 erlebten im Berliner Olympiastadion 1951
den Auftritt der Harlem Globetrotters. 

"Ich hoffe nur, die Fans gehen nicht enttäuscht nach Hause, weil sie eine Basketball-Show wie beim
Allstar-Spiel in der NBA erwartet haben. Es ging Bonn schließlich um wichtige Punkte, und wir wollten nach dem verlorenen Pokalfinale Akzente setzen. Es war ein sehr emotionales und kampfbetontes, aber ein gutes Spiel", meinte Alba-Coach Pesic. Der ehemalige Bundestrainer wünscht sich mehr Spitzenvereine in Deutschland mit Europaliga-Ambitionen - wie Bonn - und gute Resultate der Nationalmannschaft: "Dann wird sicher noch mehr über Baskeball gesprochen als nach diesem Fest in Köln". 

sid gb

 

 

 

 

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