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"Ich glaube an die Team-Defense"

Headcoach Thomas Päch im Interview (Teil 2/3)

Im zweiten Teil unseres Interviews spricht Baskets Headcoach Thomas Päch unter anderem über die Kaderzusammenstellung, die Integration junger Talente in eine Bundesliga-Mannschaft und verrät, ob er sich lieber das Euroleague-Finale oder die NBA-Finals anschaut. Das Interview führte Marius Volkmann.

Ruhige Stimme, aber klare Ansagen: Thomas Päch spricht im Training viel mit seinem neuen Team. (Foto: Marc Bremer)

Du warst zusammen mit deinem Co-Trainer Chris O’Shea und Sportmanager Michael Wichterich in der Summerleague in Las Vegas. Für jemanden der noch nicht mit dabei war: Wie muss man sich diesen „Spielerbasar“ vorstellen?

Thomas Päch: "Die Summerleague hat sich komplett verändert in den letzten Jahren. Früher war das eigentlich nur ein Ort, wo nur Trainer, Agenten und Scouts anwesend waren. Mittlerweile hat die NBA eine riesige Veranstaltung daraus gemacht: Die Hallen sind voll mit Fans, jedes Spiel wird im Fernsehen übertragen. Es ist schon sehr stressig, sich in Ruhe ein Spiel anzuschauen unmöglich. Da ist wirklich die ganze Basketballwelt vertreten. Natürlich hat jeder Agent immer „genau den richtigen Spieler für dich“. Da muss man halt durch. Da bist du dann von morgens bis spät abends beschäftigt. Aber es ist wichtig, sich mit möglichst vielen Menschen zu unterhalten. Nicht nur für die anstehende Saison, sondern auch mit Blick auf die Zukunft."

Wie wird die Zusammenarbeit mit Chris O’Shea aussehen: Welche Aufgaben teilt ihr euch untereinander auf?

"Ich werde sehr eng mit ihm zusammenarbeiten, weil er hier mein Hauptansprechpartner für alles ist, was Basketball betrifft. Daher wird er eine sehr wichtige und große Rolle haben. Alles Weitere wird sich einspielen. Es geht darum, dass wir uns gut ergänzen und unterstützen. Ich glaube, ich kenne die Aufgaben von Co-Trainern sehr gut und er auch."

Chris hat sich für den nicht einfachen Schritt zurück auf den Co-Trainer-Posten entschieden. Auch, wie er betont hat, weil ihm der Verein, das Umfeld und die Mitarbeiter sehr wichtig sind.

"Ja, das merkt man definitiv. Er denkt nicht nur daran, wie wir das nächste Spiel gewinnen können, sondern denkt auch viel darüber nach, wie er den Verein als Ganzes voranbringen kann. Darum war es auch ein großer Wunsch, Chris im Verein zu halten. Er ist für mich eine riesige Stütze. Er kennt den Verein, den Ort, die Liga, die Champions League, in der wir hoffentlich dann auch teilnehmen werden, und er bringt gute Ideen mit."

Von außen wirkt es so, als hättet ihr bislang alle eure Wunschkandidaten verpflichtet: Wie oft musstet ihr umplanen?

"Man darf nicht vergessen, dass wir zu Beginn nur zwei Spieler unter Vertrag hatten. Das heißt, wir mussten im Prinzip acht Spieler verpflichten plus die Doppellizenzler. Da gibt es einfach ganz viele Konstellationen. Es gibt so viele gute Basketballspieler da draußen, aber nicht immer ist ein richtig guter Spieler der richtige Spieler für das, was wir machen wollen. Auch muss er zum Rest des Teams passen."

Bei TJ DiLeo war dir sehr schnell klar, dass er passt?

"Natürlich –  das war von allen Seiten klar. Er ist über die vergangenen Jahre zum Gesicht der Baskets geworden, deshalb sind wir sehr froh, dass er zurückgekommen ist. Anschließend ging es erstmal darum, das deutsche Gerüst aufzubauen. Aufgrund der im FIBA-Wettbewerb geltenden Home-Grown-Regelung wollen wir mit fünf Deutschen spielen, um immer bestmöglich aufgestellt zu sein. Dass dann ein Benni Lischka relativ spät in seiner Karriere nochmal bereit ist, eine Veränderung zu machen, ist natürlich super. Er brennt richtig auf die Situation. Ich habe früh gemerkt, wie viel Lust er auf Bonn hat. Für mich ist es auch eine riesige Unterstützung, dass Joshi Saibou aus Berlin als Nationalspieler mit nach Bonn gekommen ist. Zusammen mit TJ und Branden Frazier haben wir drei sehr gute Spieler, die sich hervorragend ergänzen: TJ mit seinem Kampfgeist und seinem Drive zum Korb, Joshiko, der ein spielerisches Element mitbringt und auch defensiv richtig beißt, und Branden, der einen sehr guten Wurf hat, sehr gutes Passspiel, und ein guter Eins-Gegen-Eins-Spieler ist. Es können somit sogar alle Kombinationen von den dreien zusammen auf dem Feld stehen."

Mit Stephen Zimmerman hast du einen sehr talentierten, aber auch sehr jungen Spieler verpflichtet…

"Ich habe jemanden gesucht, der sowohl gut zu Martin Breunig als auch ins Team passt. Die beiden ergänzen sich exzellent. Stephen bringt eine Größe und Länge mit, ist aber trotzdem so beweglich, dass man mit ihm viele unterschiedliche Sachen machen kann. Man darf aber nie vergessen, dass er erst 22 ist. Martin hat letztes Jahr eine hervorragende Saison gespielt. Das will ich gerne weiter fördern."

Für das gemeinsame Programm Bonn-Rhöndorf haben gleich mehrere talentierte Spieler mehrjährige Verträge unterschrieben. Wie sehr warst du bei der Rekrutierung involviert?

"Ich war involviert. Natürlich nicht in allen Dingen, weil manches schon passiert ist, bevor ich überhaupt unterschrieben hatte. Dass wir einen Kilian Binapfl als aktuellen U20-Nationalspieler nach Bonn holen konnten, ist sehr gut. Wir haben jetzt einige talentierte Jungs hier, die wir hoffentlich aufbauen und dann früher oder später in den Kader und auf dem Feld integrieren können. Das ist mir sehr wichtig und auch etwas, was mir viel Freude bereitet."

Ist es ein schmaler Grat zwischen Talententwicklung und dem Druck, Spiele gewinnen zu müssen?

"Eigentlich nicht. Es muss für jeden Spieler, der nach Bonn kommt, darum gehen, sich weiterzuentwickeln. Das ist die Idee von Michael Wichterich, Chris O’Shea und mir: Wir wollen den Spieler besser machen und ihn individuell voranbringen. Das gilt natürlich auch für junge Spieler, für die es jedoch eine gute Struktur benötigt. Man muss ihnen die Chance geben, erfolgreich zu sein. Dafür möchte ich sie gut vorbereiten, sie in Situationen einsetzen, in denen das möglich ist und sie ihre Stärken ausspielen können. Dabei ist es erst einmal egal, ob sie zwei oder 20 Minuten spielen."

Der aktuelle Kader kann nicht klar in Starter und Bankspieler unterteilt werden. Gibt es bei dir keine starren Rollen?

"Ich habe schon konkrete Ideen, wenn ich ein Team zusammenstelle. Aber Hierarchien und Rollen müssen sich erst entwickeln. Manchmal übernehmen Spieler einfach. Manchmal muss sowas auch ausgekämpft werden. Mir ging es erstmal darum, verschiedene spielerische Möglichkeiten zu haben. Das Wichtigste für mich ist immer, dass wir als Team agieren und den bestmöglichen Wurf herausspielen. Wer den Wurf am Ende nimmt, ist nicht das Entscheidende. Wichtig ist, dass alle wissen, dass dieser Spieler jetzt den Wurf nimmt, weil es ein guter Wurf ist."

Wir haben viele Europa-erfahrene Spieler im Kader. War die Fähigkeit, „europäischen“ Basketball spielen zu können, ein Kriterium bei der Spielersuche?

"Ich finde es wichtig, dass Spieler wissen, wo sie sind und dass sie auch hier sein wollen. Im Gespräch mit Branden Frazier habe ich schnell gemerkt, dass er über die europäischen Ligen und auch über Bonn viel wusste. Zum Beispiel: wer hier und in der Bundesliga spielt. Er hat sich mit der Situation in Europa auseinander gesetzt. Aber insgesamt ist es wichtiger, wie die Jungs bislang Basketball gespielt haben. Und da geht es nicht um europäisch oder nicht europäisch, sondern es gibt Jungs, die viel Eins-Gegen-Eins spielen und es gibt Jungs, die versuchen, den Ball zu bewegen und gute Entscheidungen zu treffen. Auch in der Defense: Ich glaube an die Team-Defense, daher ist es für mich extrem wichtig, dass die Jungs motiviert sind zu verteidigen und dass sie aktiv sind. Es geht nicht immer nur um Physis. Es geht um Aktivität. Das haben eigentlich alle Jungs bisher sehr gut gezeigt."

Schaust du lieber das Euroleague-Finale oder die NBA-Finals?

"Euroleague. Das ist der Ball, an dem ich mich mehr orientiere, weil die NBA mittlerweile eine ganz andere Art von Basketball geworden ist. Die Euroleague-Spiele dauern auch keine zweieinhalb Stunden und fangen nicht nachts um drei Uhr an (lacht). Aber in der NBA sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Teams ja auch riesig, wenn man beispielsweise Golden State mit San Antonio oder Houston vergleicht. Ich mag die Ballbewegung, ich mag es ohne Ball zu spielen. Ich finde einen Spieler wie Klay Thompson faszinierend: Der hat einmal 35 Punkte gemacht und dabei nur vier Mal den Ball gedribbelt! Sich ohne Ball zu bewegen ist ein Wert, der mittlerweile viel unterschätzt wird."

Nationaltrainer Henrik Rödl hat einmal gesagt, dass du einer der besten Trainer der Liga werden kannst: Was meinst du, wieso?

"Es freut mich natürlich, dass er den Glauben an mich hat. Henrik hat mich unheimlich stark gemacht, hat immer an mich geglaubt, hat mir viel Verantwortung gegeben, obwohl ich erst 27 Jahre alt war, als wir nach Trier gegangen sind. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zu entwickeln und mich zu entfalten. Aber es geht jetzt erst los und ich hoffe, dass ich diesen Job noch möglichst lange machen kann und auch möglichst erfolgreich."

Solche Aussagen, wie auch die durchweg positiven Reaktionen auf deine Verpflichtung, stärken dir den Rücken: Wie viel Druck verspürst du dadurch aber auch gleichzeitig?

"Druck ist es nicht. Erstmal bin ich unglaublich überrascht, wie euphorisch das Ganze angenommen wurde. Ich glaube, dass hier alle etwas Neues sehen wollten. Und dass die Baskets mich dazu auserkoren haben, macht mich erstmal stolz und ich bin sehr dankbar für diese Situation und die Chance – das ist nicht selbstverständlich. Ich freue mich extrem, jetzt in die Halle zu kommen und mit den ganzen Jungs zu arbeiten. Das ist das, wonach ich mich am meisten gesehnt habe."

 

Im dritten und letzten Teil des Interviews mit Thomas Päch geht es unter anderem um das gesteigerte Medieninteresse an seiner Person, seine Vorstellung von einem Führungsspieler und darum, ob er in der kommenden Saison vom weißen Hemd zur Anzugjacke wechseln wird. (>> Hier geht's zum ersten Teil)

Ein weiteres großes Interview mit Thomas Päch ist zudem im Baketball-Magazin BIG #88 erschienen!

 

 


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