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Trotz völliger Dunkelheit die Augen geöffnet

Baskets spielen Blindenfußball

Am Freitagnachmittag haben die Telekom Baskets Bonn eine besondere Trainingseinheit erleben dürfen: Im Rahmen des integrativen Projekts „Neue Sporterfahrung“ der Deutschen Telekom AG lernten die Basketballspieler des Bonner Bundesligisten die Sportart „Blindenfußball“ kennen. Unterstützt und trainiert wurden sie dabei von Daniel Hoß, Blindenfußballer des Polizeisportvereins Köln 1922 und dem sehenden Torwart Birk Gebauer von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Zu den Paralympischen Spielen in Athen 2004 wurde Blindenfußball speziell für Sehbehinderte in den Kanon der Olympischen Disziplinen aufgenommen. Ebenfalls finden Europa- und Weltmeisterschaften statt. 2018 wurde Brasilien Weltmeister. (Foto: DTAG/Ittermann)

Die ersten Blicke sind skeptisch: Fußball? Im Telekom Dome? Und dann auch noch mit verbundenen Augen? TJ DiLeo und Co. kann man die Sorgen um ihre Gelenke zu Beginn vom Gesicht ablesen. Doch mit jedem Satz von Blindenfußballer Daniel Hoß, der zum Start der 60-minütigen Einheit den Sport und seine Regeln vorstellt, weicht die Skepsis einem freudigen Interesse. Die Baskets-Profis müssen sich auf unbekanntes Terrain wagen – und spätestens als die blickdichten Ski-Brillen verteilt werden, setzt sich der Ehrgeiz eines jeden Sportlers und die natürliche Neugierde des Menschen durch. „Wir mussten einander blind vertrauen – wortwörtlich – und konnten uns nur über Kommandos verständigen und einander helfen, den Ball und das Tor zu finden“, sagt Basket-Power Forward Benni Lischka.

Eine weitere essentielle Hilfe: das eigene Gehör! Denn im Blindenfußball, der etwas größer als ein Handball ist, befinden sich mehrere kleine Metallplättchen, die bei jedem Kontakt laut rasseln und somit die Position des Balles verraten. Sobald das Spiel beginnt, schallt jedoch ein weiteres Geräusch durch den Telekom Dome: „Voy, voy, voy!“ Das spanische Wort für „ich komme“ gibt den Ort der Spieler preis, dient als zusätzliche Orientierung, gleichzeitig aber auch als Warnung für Teamkollegen und Gegner, um Zusammenstöße zu vermeiden.

Während sich die Baskets behutsam Schritt für Schritt fortbewegen, ist es für Daniel Hoß natürlich kein Problem: „Ich weiß zu jeder Zeit, wo sich der Ball befindet – ich mache das ja schon mein Leben lang.“ Sätze, die die Profis beeindrucken. Auch im Spiel blitzen immer wieder die Fähigkeiten des zweifachen Nationalspielers auf, der sich den Ball locker vom linken auf den rechten Fuß legt und sicher abschließt.

Natürlich führen die ersten Gehversuche der Baskets-Spieler für viel unfreiwillige Komik: Hier ein Luftloch, dort eine Kollision oder ein Ben Simons, der beim Versuch zu schießen den Ball mit der Hacke ins eigene Tor befördert. Doch je länger das Training geht, desto mutiger werden die Angriffe und lauter die Kommandos. „Dafür, dass sie den Ball normalerweise in der Hand und nicht am Fuß haben, haben sie sich sehr gut angestellt! Ich habe gemerkt, wie sie ihre anfängliche Scheu schnell abgelegt und Spaß hatten“, teilt Hoß anerkennend mit.

 

Integratives Förderprojekt

Das Förderprojekt „Neue Sporterfahrung“ führt die Deutsche Telekom bundesweit in Kooperation mit den Partnern Deutscher Behindertensportverband (DBS) und der Sepp-Herberger-Stiftung durch.

Mit diesen gemeinsamen Trainingseinheiten möchte die Deutsche Telekom den Teilnehmern eine spannende Erfahrung ermöglichen und ihnen zeigen, welche Leistungen behinderte Sportler erbringen, und wie anspruchsvoll eine Orientierung ohne Sehvermögen ist.

„Für uns ist das eine ganz besondere Trainingseinheit, die sicherlich unseren Profisportlern trotz absoluter Dunkelheit die Augen geöffnet hat und die eigene Normalität wieder wertschätzen lässt. Durch diese besondere Form des Fußballspiels fordert jeder Spieler nicht nur seinen eigenen Körper neu heraus und lernt ihn besser kennen, sondern es werden auch Grundwerte wie Toleranz, Verständnis und Hilfsbereitschaft entsprechend gestärkt“, meint Baskets Sportmanager Michael Wichterich. 

Die „Neue Sporterfahrung“ wurde bereits 2009 ins Leben gerufen. Im Rahmen des langfristig angelegten Förderprojekts wurden an weiterführenden Schulen die Sportarten Rollstuhlbasketball und Blindenfußball unterrichtet. Seit 2013 bietet die Telekom auch Vereinen die Möglichkeit, eine Einheit „Blindenfußball“ ins Training zu integrieren.

Fotos >>

 

Mehr Infos:

www.neuesporterfahrung.de/

PSV Köln Blindenfußball

 

 


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